Freitag, 7. Oktober 2016

Innovationsmanagement: Drei Literaturempfehlungen für die Praxis

Innovationen sind ein zentrales Thema in Verlagen. Die Kernfrage lautet: Wie können wir neben dem Kerngeschäft Innovationen erfolgreich umsetzen? Ein paar sehr praxisorientierte Antworten geben die drei Lektüreempfehlungen, die wir für Sie zusammengestellt haben. 

Der Innovationsleitfaden des Kannwas.Club

Seit drei Jahren gibt es eine Arbeitsgruppe im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, die sich mit den Themen neue Geschäftsmodelle und Innovationen beschäftigt. Seit 2015 hat sich diese Gruppe, in der sich vor allem Business Developer und Digitalmanager aus Verlagen zusammengeschlossen habe, mit der Frage beschäftigt, wie Innovationsprojekte erfolgreicher umgesetzt werden können. Ergebnis der Arbeit ist eine Checkliste, die unter dem Titel "Innovation in Unternehmen der Buch- und Medienbranche: Leitfaden zur Umsetzung" alle relevanten Themenbereiche behandelt. Der Anspruch des Leitfadens: "Dieser Leitfaden besteht aus einem Fragenkatalog, der die vielfältigen Aspekte, Dimensionen, Fallstricke und Konsequenzen von Projekten mit Innovationscharakter abbildet. Wir haben uns bewusst für das Sammeln von Fragen entschieden, weil Ausgangssituation und Rahmenbedingungen je nach Unternehmen sehr unterschiedlich sein werden. Es ist daher nicht möglich, Best Practices oder eine allgemeingültige Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Umsetzung von Projekten zu formulieren."
Der Leitfaden stellt die wichtigsten Fragen zu sieben Themen:
  • Im Bereich Projekt und Strategie geht es um die strategische Ausrichtung und das Projekt-Setup
  • Im Bereich Unternehmenskultur und Change Management geht es um die grundsätzlichen Voraussetzungen für Veränderungen, die mit jedem Innovationsprojekt verbunden sind
  • Im Bereich Projektmanagement geht es um die konkrete Projektplanung
  • Im Bereich Kommunikation geht es um alle Projekt-Kommunikation - von Meetings bis zu Softwaretools
  • Im Bereich Prozesse und Personen geht es um die internen Voraussetzungen in Bezug auf Geschäftsprozesse und Mitarbeiter
  • Im Bereich IT-Systeme und -Schnittstellen geht es um Voraussetzungen und Herausforderungen für die IT-Infrastruktur
  • Im Bereich Finanzen und Controlling geht es um die Frage der Finanzierung und des Projekt-Controllings
Der Leitfaden gibt, wie schon erwähnt, keine Antworten, sondern listet "nur" Fragen auf. Diese bilden jedoch eine sehr gute Grundlage, um ein Innovationsprojekt zu analysieren, zu planen und erfolgreich umzusetzen.
Der Leitfaden ist kostenlos auf der Website des Kannwas-Club oder kann gegen eine Gebühr in Höhe von EUR 3,99 in E-Books-Shops erworben werden (u.a. bei buch.de).

Neues yellow paper zum Thema Evaluation und Einführung eines Content Management Systems

Die Einführung komplexer IT-Systeme ist immer ein Innovationsprojekt, bei dem nicht nur technische Herausforderungen zu meistern sind. Das neue yellow paper der Deutschen Fachpresse zeigt dies sehr ausführlich und anschaulich am Beispiel der Evaluation und Einführung von Content Management Systemen. Inhalte, also Content, ist für viele Verlage noch immer der zentrale Rohstoff, aus dem sie ihre Medienprodukte herstellen. In Zeiten zunehmender Digitalisierung werden die Anforderungen an ein flexibles und leistungsfähiges CMS immer größer: Inhalte sollen in kleinen Einheiten ("granular") zur Verfügung stehen, um daraus neue Produkte erstellen oder auch Kommunikationskonzepte (z.B. über Social Media-Kanäle) umsetzen zu können. Der Anspruch: "Dieses yellow paper will durch die Zusammenfassung der wichtigsten Fragestellungen Orientierung bei der Einführung eines CMS bieten und bewusst machen, welche Überlegungen im Vorfeld angestellt werden sollten, welche Kraftanstrengung es bedeutet, ein System einzuführen, und wie eine Systemeinführung sinnvollerweise begleitet werden kann."
Die Anschaffung eines CMS, zumal eines für die zentralen, crossmedialen Produktionsworkflows, ist mit erheblichen zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen (und Risiken) verbunden. Die Erfahrung zeigt, dass viele solche Projekte kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Diese Erkenntnis war Anlass für die Fachpresse, in einem yellow paper alle Aspekte eines solchen Projektes zu zeigen. Das yellow paper beschreibt ausführlich, welche Aspekte in folgenden Bereichen bedacht werden müssen:
  • Die verschiedenen Systeme, ihre Funktionen und Bezeichnungen: Welche Systemtypen gibt es und was leisten sie?
  • Strategische Überlegungen: Welche strategischen Ziele werden verfolgt?
  • Rahmenbedingungen für die Umsetzung: Welche personellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen müssen geschaffen werden?
  • Projektmanagement: Wie sollte das Projekt auf- und umgesetzt werden?
  • Prozessanalyse: Wie können die bestehenden Prozesse analysiert und dokumentiert werden?
  • IT-Analyse: Wie sieht die IT-Infrastruktur aus?
  • Modellierung: Entwurf der neuen Geschäftsprozesse - von den Workflows bis hin zu Veränderungen der Aufgabenbereiche
  • Erstellung Lastenheft: Welche Inhalte sollte ein Lastenheft haben?
  • Evaluierungsphase: Wie muss eine entscheidungsbefähigende Evaluation durchgeführt werden?
  • Erstellung Vertrag / Pflichtenheft: Wie sieht ein guter Vertragsabschluss mit einem Dienstleister aus?
  • Vorgehensweise bei der Implementierung: Welche Faktoren sind bei der Implmentierung zu beachten?
Dieses yellow paper schließt eine Lücke, denn eine so umfassende und praxisorientierte Übersicht zu diesem komplexen Thema hat bisher gefehlt. Diese umfangreiche Übersicht konnte nur durch die Zusammenarbeit diverser Fachpresse-Kommissionen und durch externe Autoren (u.a. haben wir daran mitgewirkt) erreicht werden. Fazit: Pflichtlektüre für alle, die sich mit diesem Thema befassen.
Das yellow paper kann bei der Deutschen Fachpresse bestellt werden.

Konzeption, Umsetzung und Vermarktung von Datenbanken und Cross-Media-Angeboten: Ein wirklicher Praxisleitfaden

Thomas Lennartz, Leiter der Innovationseinheit spirit'47 des Fachverlages NWB, hat seit Jahren Erfahrungen mit der Konzeption, Umsetzung und Vermarktung von digitalen Angeboten gesammelt. Dankenswerter Weise hat er jetzt in einem yellow paper diese Erfahrungen zu einem Praxisratgeber zusammengefasst. Dabei geht er weniger systematisch-theoretisch vor, sondern beschreibt anhand von 36 Fragestellungen die täglichen Herausforderungen und Tücken eines solchen Projektes - die ich hier alle wiedergeben möchte, weil schon die Fragen ein perfekter Leitfaden sind:
  1. Warum es wichtig ist, eine Datenbank von einem reinen Archiv zu unterscheiden
  2. Warum es wichtig ist, die Position von Google im Markt zu verstehen
  3. Warum es wichtig ist, Crossmedialität nicht zum Selbstzweck werden zu lassen
  4. Warum es wichtig ist, Konzepte speziell auf das Medium anzupassen
  5. Warum es wichtig ist, Multimedialität nicht als reinen Selbstzweck zu betreiben
  6. Warum es wichtig ist, den Unterschied zwischen XML, Medienneutralität  und Produktneutralität zu verinnerlichen
  7. Warum es wichtig ist, eine eigene Lösung für das Zusatz-Kosten- und  Ressourcenthema „Digital“ zu finden
  8. Warum es wichtig ist, echte Medienneutralität als Marktchance anzustreben
  9. Warum es wichtig ist, gute Ideen zu sehen und übertragen zu lernen
  10. Warum es wichtig ist, das Thema Semantik richtig zuzuordnen
  11. Warum es wichtig ist, Content nicht mehr eindimensional zu sehen
  12. Warum es wichtig ist, den Kunden und seine Bedürfnisse zu verstehen und  neue Bedürfnisse zu antizipieren
  13. Warum es wichtig ist, Lösungen optimal auf den Kundenalltag zuzuschneiden
  14. Warum es wichtig ist, zu polarisieren, ohne zu vergraulen!
  15. Warum es wichtig ist, den Faktor „Digitale Demenz“ in die Konzeption einzubeziehen
  16. Warum es wichtig ist, die vier tragenden Säulen eines digitalen Produktkonzepts  gleichwertig einzubeziehen
  17. Warum es wichtig ist, die Komplexität der Usability / User Experience nicht zu  unterschätzen
  18. Warum es wichtig ist, keine Kompromisse zum Nachteil des Kunden einzugehen
  19. Warum es wichtig ist, Erhaltungsaufwände zu erkennen und Ressourceninsolvenz zu  vermeiden 
  20. Warum es wichtig ist, für eine kontinuierliche und homogene Pflege des Inhalts zu  sorgen 
  21. Warum es wichtig ist, digitale Produkte als ewigen Prototyp zu verstehen
  22. Warum es wichtig ist, „Time to Market“ als Schlüsselfaktor zum Erfolg zu  betrachten
  23. Warum es wichtig ist, Unabhängigkeit zur eigenständigen Anforderung im Umsetzungsprozess zu machen
  24. Warum es wichtig ist, die Haupt-Projektrisiken zu kennen und erkennen zu können
  25. Warum es wichtig ist, Dienstleister passend zum Projekt auszuwählen
  26. Warum es wichtig ist, mit Ihren Dienstleistern im Dialog zu bleiben – und doch zur  rechten Zeit zu schweigen
  27. Warum es wichtig ist, mit dem Wunschtraum Betatest realistisch umzugehen
  28. Warum es wichtig ist, den Produktcharakter zwischen Convenience und Problem-Solver richtig einzuordnen
  29. Warum es wichtig ist, die Haupt-Herausforderung der Vermarktung digitaler Produkte zu erkennen
  30. Warum es wichtig ist, typische digitale Geschäftsmodelle für sich zu erschließen
  31. Warum es wichtig ist, ungewohnte digitale Geschäftsmodelle mit Bedacht anzugehen
  32. Warum es wichtig ist, bei Lizenzmodellen und Lizenzbedingungen zwischen Theorie  und Praxis zu unterscheiden
  33. Warum es wichtig ist, die rechtlichen Herausforderungen digitaler Produkte zu berücksichtigen
  34. Warum es wichtig ist, stets zu hinterfragen, ob der Kunde versteht, was Sie von ihm wollen 
  35. Warum es wichtig ist, Kundenverhalten nachvollziehen zu können
  36. Warum es wichtig ist, Erfolg dauerhaft vergleichbar messbar zu machen  
Die Erkenntnisse und Empfehlungen klingen oftmals schlicht, doch der Autor spricht aus Erfahrung - er weiß: In den scheinbar trivialen Fragestellungen liegt oftmals der Projekterfolg. Ein Beispiel? Die Frage 28 beschreibt den Unterschied zwischen einem Print- und einem Digitalprodukt: "Eine Datenbank ist keine Zeitschrift. Und sie verkauft sich auch nicht so. Wenn Sie es probieren, werden Sie das schnell selbst merken, dass es einfach nicht klappt. Woran liegt das nun? Wenn Sie den gleichen Produktflyer aufsetzen, an die gleiche Zielgruppe versenden und einmal damit versuchen, eine Zeitschrift zu verkaufen und einmal die Datenbank, bleiben Sie auf der Datenbank sitzen. Was nicht heißt, dass die Datenbank schlecht und die Zeitschrift gut ist. Es heißt auch nicht, dass jeder unbedingt die Zeitschrift haben möchte, eine Datenbank aber keiner braucht. Es liegt vielmehr an einer Vielzahl von Faktoren, die diese beiden Produkte unterscheiden." Welche Faktoren das sind? Das lesen Sie auf Seite 44.
Thomas Lennartz liefert mit diesem yellow paper zum ersten Mal eine umfassende Übersicht für die erfolgreiche Umsetzung ambitionierte Digitalangebote. Die zahlreichen Praxistipps machen diesen Leitfaden zur Pflichtlektüre für jeden Produktmanager.
Das yellow paper kann bei der Deutschen Fachpresse bestellt werden.

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