Donnerstag, 20. März 2014

Fachbuchinhalte durch Digitalisierung effektiver zugänglich machen – Interview mit Guido F. Herrmann

Bei der Digitalisierung von Fachbuchcontent befinden sich Verlage und ihre Kunden auf einer gemeinsamen Reise. Damit sie auf dieser Reise nicht verloren gehen, benötigen Verlage Kompetenzen, um die Möglichkeiten des digitalen Mediums sinnvoll zu nutzen, sagt Dr. Guido F. Herrmann, Verlagsleitung Chemie beim Georg Thieme Verlag und Key Note-Speaker auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch, die am 27. März 2014 in München stattfindet.

Giodo F. Herrmann
Welche Strategie verfolgt Thieme beim digitalen Fachbuch?
Dr. Guido F. Herrmann: Thieme verfolgt eine Strategie, die vorhandenen Fachbuchinhalte in verschiedenen Formaten (gedrucktes Buch, PDF, ePub, Online) zu verwerten und zu vermarkten. Dabei binden wir aktiv unsere nationalen und internationalen Handels-und Vertriebspartner ein. Für einige Inhalte (z.B. Lexika) ist die Digitalisierung nun vollständig vollzogen. Bei anderen Formaten (z.B. Lehrbüchern) wird die gedruckte Ausgabe ergänzt um verschiedene digitale Formate.

Wie weit ist der Weg von einem Fachbuch zu einer interaktiven App?
Dr. Guido F. Herrmann: Ich denke, dass die Grundlage für alle Verwertungsformen eine entwickelte digitale Produktionsstrecke auf der Basis XML ist. Diese beginnt beim Autor und ermöglicht die Verbreitung der Inhalte in unterschiedlichen Verwertungsformen. Allerdings geschieht dies dann nicht „auf Knopfdruck“, schafft aber die notwendigen Voraussetzungen.

Wo stehen die Kunden? Nutzen sie die verschiedenen Medienkanäle parallel, gibt es Substitutionseffekte oder können ganz neue Kundengruppen erschlossen werden? Und sind sie bereit, für digitale Inhalte angemessene Preise zu zahlen?
Dr. Guido F. Herrmann: Bei den Kunden muss man m.E. unterscheiden in institutionelle Kunden und individuelle Käufer. Das institutionelle Geschäft mit Hochschulen und Industrie ist sehr weit entwickelt. Thieme beliefert diese Kunden seit 10 Jahren sehr erfolgreich mit digitalen Inhalten. Die Fachzeitschriften waren der Vorreiter, gefolgt von Referenzwerken, den Lexika , den Lehrbüchern und den Monographien.
Bei den Endkunden stehen die digitalen Formate noch nicht so im Zentrum des Kaufverhaltens. Wir sprechen unsere Kunden mit unterschiedlichen Angeboten an: vom Kauf eines gedruckten Buchs in unserem Webshop bis zu einem Flatrate Angebot für den unbegrenzten Online-Zugriff auf Lehrbuchinhalte reicht das Spektrum.

Ihr Vortrag auf der 1. Exklusiv-Tagung Fachbuch lautet „E-Book, Web-Lösung oder interaktive App? Digitalstrategien für Fachbücher.“ Was wird die Kernbotschaft sein?
Dr. Guido F. Herrmann: Die Kernbotschaft lautet, dass sich Anbieter und Nutzer gemeinsam auf einer spannenden Reise befinden. Das Ziel muss sein, das Wissen in den Fachbüchern effektiver den Nutzern zugänglich zu machen. Dabei benötigen die Fachverlage die Kompetenz, die Möglichkeiten des digitalen Mediums sinnvoll zu entwickeln und die Inhalte darauf einzustellen.

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