Mittwoch, 4. Dezember 2013

"Wir denken radikal und medienneutral in Inhalten und orientieren uns ohne Kompromisse an den Bedürfnissen unserer Kunden" - Interview mit G+J-Verlagsgeschäftsführer Soheil Dastyari

Der Umbau bei Gruner + Jahr ist radikal und bemerkenswert: Ein Verlagshaus macht sich auf den Weg zum Inhalteunternehmen, und vor allem zu seinen Kunden. Im folgenden Interview erläutert Interview Soheil Dastyari, Verlagsgeschäftsführer Gruner + Jahr Deutschland, Ziel und Weg dieses Umbauprozesses.

Gruner + Jahr durchläuft einen Radikalumbau: Was zeichnet eine „Transformation vom Zeitschriften- zum Inhaltehaus“ aus? Und welche Bedeutung haben die neu eingeführten „Communities of Interest“?

Soheil Dastyari:Die Transformation unseres Hauses bedeutet, dass wir radikal und zunächst medienneutral in Inhalt denken und uns ohne Kompromisse an den Bedürfnissen und Interessen unserer Leser, Nutzer und Kunden orientieren – unserer Communities of Interest (CoI).
G+J-Verlagsgeschäftsführer
Soheil Dastyari
Diese Communities of Interest haben wir für die acht Themenfelder LIVING, WOMEN, FAMILY, FOOD, PEOPLE & FASHION, NEWS, WISSEN, WIRTSCHAFT & SPECIAL INTEREST definiert.
Diese Communities erreichen wir mit unseren Produkten zukünftig über alle relevanten Kanäle – Print wie digital – und wollen somit zum unverzichtbaren Teil der Lebenswelt unserer Leser und Nutzer werden. Darüber hinaus ermöglichen unsere Inhaltekompetenz und die tiefe Kenntnis unserer Leser, Nutzer und Kunden es uns, Zusatzgeschäfte zu betreiben und so zu dieser Lebenswelt beizutragen. Dies gelingt nur, wenn wir auch unsere Organisation entsprechend ausrichten. Wir sind überzeugt, dass sich auf Basis unserer starken Marken, aus dem radikalen Denken in Inhalt und der konsequenten Orientierung an den Interessen und Bedürfnissen der Nutzer zahlreiche neue Produktchancen ergeben. Mit der neuen Struktur gewinnt Gruner + Jahr an Geschwindigkeit bei der Umsetzung neuer Produkte in Print wie Digital und wird deutlich effizienter.

Die Communities of Interest werden von den beiden Bereichen Print und Digital betreut. Wie hat man sich die Zusammenarbeit vorzustellen?
Soheil Dastyari: Die neue Organisationsform lebt von einer Schnittstellen-Philosophie und der gemeinsamen Perspektive auf den jeweiligen Markt. Seitens Print werden die Marken einer CoI von einem Publisher, seitens Digital von einem Digital Business Director betreut. Beide verstehen sich als gemeinsam verantwortliches Team innerhalb ihrer CoI – gemeinschaftlich entwickeln sie ihren Bereich strategisch weiter. An diesem gemeinschaftlichen Erfolg werden sie auch gemessen.

Seit Oktober verantworten Sie zusammen mit Frank Stahmer das Print- und Zusatzgeschäft. Das Ziel Ihres Zeitschriftengeschäfts ist „Best in Print“ – auf welche Innovationen und neuen Produkte darf man gespannt sein?
Soheil Dastyari: Unsere Marken verfügen in den jeweiligen Feldern über sehr hohe Kompetenz und genießen damit auch außergewöhnlich hohe Akzeptanz. Dieses inhaltliche Kapital werden wir im kommenden Jahr mit einer umfangreichen Produktoffensive nutzen und ausbauen. Das wird sich sowohl in einer Vielzahl von Sonderheften, Line Extensions und auch mit einer Reihe neuer Markenkonzepte äußern.
Neben der Vitalisierung der bestehenden Printprodukte und der Investition in neue gedruckte Magazine startet G+J auch eine umfangreiche Produkt- und Innovationsoffensive im Bereich Digital. Im ersten Schritt werden wir Zeitschrifteninhalte konsequent auf Digitalformate übertragen. Hier nutzen wir die Besonderheit unserer unzähligen, langlebigen Inhalte. Zudem werden bestehende Inhalte zu einzelnen Themenbereichen neu zusammengestellt und als monothematische eMags zusammengefasst. Wir sind überzeugt, dass sich aus dem konsequenten Denken in Inhalt viele neue Wünsche, Interessen und Bedürfnisse der Nutzer erschließen lassen und sich daraus zahlreiche neue Produktchancen ergeben.
Wie bereits erläutert nutzen wir unsere tiefe und umfassende Kenntnis der Kunden in Zukunft außerdem, um Geschäfte im Kontext unserer Inhalte zu betreiben. Deshalb wird G+J beispielsweise in Deutschland in Commerce-, Lizenz-Geschäfte und Paid Services innerhalb der Communities of Interest FOOD, LIVING, FAMILY, WOMEN und PEOPLE investieren. Auch hier wird es somit zu einer Vielzahl spannender Innovationen kommen.

Die Fragen wurden gestellt von Leonie Rouenhoff.

Soheil Dastyari ist Key Note-Speaker auf der 5. Zukunftsforums Zeitschriften: Zeitschriften im Transformationsprozess – Bleibt nur Premium? am 10. Dezember 2013 im Literaturhaus München.

Kommentare:

Hans-Joachim Jochen Jauch hat gesagt…

Der G+J-Kunde heisst jetzt also "Coi". Erinnert mich an den japanischen Koi, also einen dicken, edlen Goldfisch. Aber außer den neuen Akronym "Coi" kann ich in den Aussagen von Herrn Soheil Dastyari keinen innovativen bzw. erfolgversprechenden Ansatz erkennen. Gruner trennt Print und Digital. Und macht dann zwei Personen (1 x Publisher und 1x Digital Business Director) für das Gesamtergebnis verantwortlich. Wenn die beiden nett zueinander sind, werden sie aus Rücksicht Markt-Chancen verspielen. Und wenn sie individuell auf Sieg spielen, wird es viel Zoff, aber kein gutes Teamergebnis geben. Gegeneinander ist im Sinne der Innovation ok (siehe "Innovators Dilemma"), wobei m.E. das Opfer Print ist. Wenn man das aber nicht will, sollte es auf einem Misthaufen nur einen Hahn geben, der die Ressourcen lenkt. Wenn er gut ist, schnappt er sich den Koi bzw. Coi.

salxyz hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
salxyz hat gesagt…

free work at home job work at home completing simple surveys from home.no registration fees.join today
(http://tinyurl.com/6j53ne6) ids(11659)