Freitag, 19. Oktober 2012

Alles fließt - ein paar Impressionen von der "Buch"messe

Alles fließt und verändert sich - sogar bei uns am Stand, wie das folgende Foto zeigt:



Wer entdeckt die beiden Neuigkeiten? Ganz einfach: Statt Plakaten oder Bildschirm hatten wir als Blickfang und Informationsspender ein tolles Roll-up dabei (links im Bild, gestaltet von der Hamburger Grafikerin Sabine Dittmer). Und zweitens hat uns dieses Mal Dr. Hans-Joachim Hoffmann begleitet, Medienberater aus Hamburg und unser neuer Kooperationspartner, der uns vor allem im Beratungsbereich Launch/ Relaunch / Redaktion verstärkt. 

E-Books in voller Fahrt

Auch in der Verlagsbranche ist alles in Bewegung - das jedenfalls war nicht nur unser Eindruck aus zahlreichen Gesprächen. Beispiel E-Books: Nach Jahren der Theorie und der Erwartung und des Starrens über den großen Teich (USA, USA!!!) fährt der Zug in Deutschland mit voller Fahrt. Die von Marktforschern ermittelten 1-2% E-Book-Umsatzanteil trügen. Direkt darauf angesprochen, nennen alle Belletristik-Verlage erheblich höhere Prozente (bis zu zweistelligen Zahlen, mit weiterhin hohem Wachstum). Die Diskrepanz erklärt sich leicht: Nur ein Teil der Bücher liegt als E-Books vor, in Relation zum Gesamtprintumsatz fällt der E-Book-Anteil daher gering aus. Nur bezogen auf die Frontlist sehen die Zahlen also ganz anders aus.

Cloud-Publishing

Von Kleinen zum ganz Großen: Bewegung auch bei den Publishing-Ökosystemen. Cloud Publishing ist kein neues Phänomen: Ob Self Publishing oder E-Book-Portal - das Publizieren verlagert sich immer mehr in die digitale Wolke. Unternehmen wie Tata bauen ganze Cloud-basierte Publikationsinfrastrukturen. Zukünftig wird ein Verleger, außer einem PC, keine eigenen Technik mehr benötigen. CRM, CMS, ERP, E-Book-Plattform: Alles kann in der Cloud gemietet werden. In fünf Jahren, so Thomas Uhl vom Deutsche Wolke-Projekt im Clou-Publishing-Panel, werde es ein Open Source Cloud Publishing-System geben, das allen Autoren offen steht und die gesamt Prozesskette abbildet. Ich glaube, die Verlage verstehen erst langsam, was diese Revolution für das gesamte Publikations-Ökosystem bedeutet...

Die Fliehkräfte nehmen zu

Die Fliehkräfte der "Buchbranche" nehmen zu. Sehr deutlich abzulesen ist das an dem langsamen Verschwinden der Fachverlage von der Messe (sehr deutlich zu sehen in Halle 4.2). Immer mehr Fachverlage sehen den Nutzen eines Messestandes nicht mehr: Der Buchhandel als Vertriebsweg ist von rapide sinkender Bedeutung, die eigentliche Zielgruppe ist nicht da, und netzwerken kann man auch mobil mit Aktentasche. Schade, aber nachvollziehbar.

Gedrucktes wird aufgewertet

Beim Gang durch die wunderbare Halle 4.1, den ich mir traditionell am Sonntagvormittag gönne, ist mir aufgefallen, wie schön viele Bücher wieder gemacht werden. Leinen, Fadenheftung, besondere Cover, Liebe zum Detail - der Trend "Print wird Premium" ließ sich hier ganz deutlich beobachten. Sind das schon die ersten Auswirkungen des E-Books? Wir werden sehen, mir jedenfalls gefällt die Aufwertung des Gedruckten.

Branche in Bewegung

Mein Fazit: Ich habe noch keine Buchmesse erlebt, auf der so viel in Bewegung war. In allen Verlagen wird über die Zukunft nachgedacht, vor allem über die Frage: Wer sind wir, wozu gibt es uns, was wird, was kann unser Platz in der Publikationswelt sein? Einfache Fragen, schwere Antworten. Aus Randthemen wie E-Books / E-Publishing oder Self Publishing sind zentrale Treiber geworden, die jeden Verlag beschäftigen. Wir sehen uns nächstes Jahr in Frankfurt - auf der nächsten "Buch"messe...

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