Dienstag, 10. Januar 2012

Ein breites Know-How nötig - der Zertifikatskurs zum Projektmanager E-Publishing

Das Management von E-Business-Projekten erfordert neues Denken und ein spezielles Know how. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Akademie des Deutschen Buchhandels den Zertifikatskurs "Projektleiter E-Publishing ADB" konzipiert – vom 23. - 27. Januar 2012 wird er zum sechsten Mal durchgeführt. Im folgenden Interview nennt Christian Kohl, Referent und Senior Manager E-Business beim Verlag Walter de Gruyter, Anforderungen und Erfolgsfaktoren.

Welches technische Know how benötigt ein E-Publishing-Projektmanager? Eher tief oder eher breit?
Christian Kohl: Es wird eher breites Know-How benötigt - und die richtigen Kontakte, Dienstleister, Partner, die das tiefe Know-How dann liefern, wenn es gebraucht wird. Grundsätzlich muss aber die Fähigkeit vorhanden sein, sich in bestimmte technische Themen schnell vertiefen zu können, wenn das erforderlich wird. Deshalb sollten gewisse Grundlagen, ob aus einem Studium oder anderen "Vorleben" resultierend, vorhanden sein. Ein aktuelles Beispiel wäre etwa "Cloud Computing".

Wo sollte ein E-Publishing-Manager im Verlag positioniert sein? In den Redaktionen, in der Herstellung, als Stabstestelle? Welche Kompetenzen benötigt diese Position?
Christian Kohl: Das hängt auch ein stückweit vom Verlag ab. Ich finde eine Positionierung als Teil/Unterabteilung der Herstellung sinnvoll. Der Bereich E-Publishing muss sowohl in die Planung neuer "e-Geschäftsmodelle" als auch neuer "e-Produkte" einbezogen werden, und zwar frühzeitig. Gleichzeitig muss die Entscheidung über Features, Umsetzung des Produkts, Plattformen letztlich im Bereich E-Publishing liegen - der sich natürlich mit Vertrieb, Marketing, Business Development, Lektoraten über deren Anforderungen und die der Kunden abstimmt. Die erforderlichen Kompetenzen sind damit auch klar: kommunikationsfreudig, solide technische Grundkenntnisse, entscheidungsstark, beherrschen von Komplexität, Umgang mit Veränderungen.

Was sind die zentralen Erfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Projektmanagement beim E-Publishing?
Christian Kohl: Zentrale Erfolgsfaktoren sind für mich: Umgang mit Veränderungen im Projekt, intensive Kommunikation mit den Stakeholdern und ständiges Überprüfen und Anpassen der Ziele, Meilensteine und Risikobewertungen. Gerade im E-Publishing ändern sich Rahmenbedingungen oft kurzfristig, es tauchen unvermittelt neue Probleme oder Möglichkeiten auf - das gilt es als Projektmanager zu akzeptieren und damit umzugehen. Zudem bewegen sich E-Publishing Projektmanager immer zwischen verschiedenen Parteien - Lektorat, Marketing, Vertrieb, Herstellung um die typischsten zu nennen. Die Erwartungen, Anforderungen und Bedenken dieser Stakeholder müssen gemanagt werden, Kommunikation ist das oberste Gebot.

Wohin entwickelt sich das E-Publishing-Management? Geht es um E-Produkte, oder um Prozesse oder ganz breit um Content Management?
Christian Kohl: Es geht sicherlich in den allermeisten Fällen um die Prozesse, nicht um einzelne Produkte. Die Produktionsabläufe für E-Content müssen vereinheitlicht und gestrafft werden, Abläufe müssen zumindest teilweise automatisiert werden. Das gilt für den gesamten Prozess. Ziel muss sein, dass "e-Produkte" nicht mehr etwas besonderes sind, sondern die damit verbundenen Abläufe zu Routineabläufen werden. Außerdem müssen die (technischen und organisatorischen) Voraussetzungen getroffen werden, um schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können. Die Fähigkeit, sich schnell an Veränderungen, seien es Datenformate, Verkaufskanäle etc., anpassen zu können, ist (neben Innovation) ein zentraler Erfolgsfaktor.

Was ist Ihre Kernbotschaft bei Ihrem Part in der Winter School?
Christian Kohl: Erster, zweiter und dritter Erfolgsfaktor im Projektmanagement ist Kommunikation. Als Projektmanager im E-Publishing müssen Sie regelmäßig und offen mit den Stakeholdern kommunizieren. Verabschieden Sie sich außerdem von starren Plänen und Abläufen und bleiben Sie flexibel - Veränderungen sind keine Bedrohung, sondern eine Chance.

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