Jüngst habe ich mit mit einem Chefredakteur eines Fachmagazins unterhalten. Er sah durchaus pessimistisch in die Zukunft, weil in seiner Branche sowohl die Zahl der Abonnenten als auch das Anzeigenaufkommen für sein Magazin schrumpfen werden. Er sinnierte daraufhin über neue Erlösformen, und so landeten wir bei der Option Paid Content. Der Chefredakteur winkte ab: "Wir haben das ausführlich diskutiert und geprüft. Leider haben wir dafür keine Inhalte. Nichts, wofür die Kunden Geld zahlen würden."
Die Sprengkraft dieser Aussage ist mir erst Tage später aufgegangen. Denn sein Printmagazin verschenkt er nicht, sondern bepreist es mit einer hohen Abogebühr. Daraus ergeben sich vier Fragen:
- Was sind wertige Inhalte, für der Nutzer sogar online Geld bezahlen würde?
- Sind Meldungen, Reportagen, Berichte und Interviews, also die Standardbausteine so vieler Zeitschriften, nur gedruckt verkaufbar - online hingegen nichts Wert?
- Ist ein bezahltes Printabo kein Paid Content? Zahlt der Leser, wie ja schon oft behauptet, gar nicht für den Inhalt, sondern für den Service einer gedruckten und gut gestalteten Aufbereitung? Oder, als Worst-Case-Variante: Zahlt (und abonniert) ein Teil der Leser nur noch aus Gewohnheit?
- Ist eine gar nicht so kleine Fachzeitschriftenredaktion nicht in der Lage, geldwertige Inhalte zu erstellen?
Wertige Inhalte gehen offensichtlich über den klassischen Journalismus hinaus. Werte im Sinne des Nutzers können sein (siehe auch meinen Vortrag von 2006):
- Zeitlicher Vorsprung
- Inhaltliche Exklusivität
- Vollständigkeit
- Aufbereitung im Sinne von Kundennutzen
- Anwendbarkeit (bis hin zum Tool)