Freitag, 25. November 2011

Durch Service den Kunden besitzen - Tim O'Reilly und Jurion

Welchen Stellenwert haben Inhalte für Verlage? Überflüssige Frage, scheinbar: denn Verlagsgeschäft ist Inhaltsgeschäft. Doch durch das Internet und die Verfügbarkeit von immer mehr Inhalten stellt sich die Frage schon länger neu. Verlage, vor allem von sie ihr Geschäft auf Wissensinhalten bauen, sehen sich mit dem Kostenlos-Phänomen konfrontiert.

Fachverlage antworten auf diese Entwicklung schon seit einiger Zeit mit der Integration von Inhalten in eine Serviceumgebung, die dem Kunden so viel Mehrwert bietet, dass ein Wertverfall von Inhalten das Geschäftsmodell nicht mehr gefährden kann

Tim O-Reilly, Fachverleger und Medienvisionär, hat diese Entwicklung in einem Vortrag auf einen einfachen Nenner gebracht: "Content disappears into services":

Ficod 2011 (keynote file)
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Das neue Jurion - eine Antwort
Eine Beispiel für das Aufgehen von Inhalten in einen Service ist das neue Rechtsportal Jurion der Verlagsgruppe WoltersKluwer, das am 24.11.2011 freigeschaltet worden ist. Die Vision des Portals? Hier die Eigendarstellung:
"Könnten wir nicht eine offene pluralistische Plattform schaffen, mit der juristische Inhalte verschiedener Verlage und Autoren sowie die Arbeitsinhalte der Praktiker gleichermaßen in ein dynamisch wachsendes Wissensnetzwerk eingebracht werden? Könnten wir dann dieses Wissen nicht auch in einem digitalen Arbeitsprozess anbieten, in dem das Arbeiten mit Inhalten produktiver und schneller wird und die Qualität der Arbeitsergebnisse steigt?"
Das Ergebnis? Jurion möchte:
  • Aggregator werden (also auch Inhalte von anderen Verlagen anbieten),
  • diese Inhalte intelligent in den Arbeitsprozess des Anwalts integrieren und somit dessen Workflow optimal unterstützen (und damit zu einem Service, einem Tool werden)
  • dem Anwender die Integration eigener Inhalte ermöglichen
  • die Fachcommunity organisieren.
Worauf dieser umfassende Ansatz abzielt? Nicht auf Content, nein, auch nicht auf Service: Jurion möchte die zentrale Plattform für Anwälte werden. Auch diese Entwicklung hat Tim O'Reilly in seinem Vortrag wunderbar auf den Punkt gebracht: "Customer is owned by platform players, not content providers".
Jurion, also WoltersKluwer, möchte den Kunden besitzen, nicht den Content - der kann von Dritten kommen. Apple und Amazon haben hier Pate gestanden. Ich bin gespannt, ob Jurion mit dieser innovativen Strategie Erfolg hat, und ob es WoltersKluwer gelingt, aus Wettbewerbern (Content-)Lieferanten zu machen...

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