Donnerstag, 26. Mai 2011

„Die Marketingfunktion dominiert die Vertriebsfunktion“: Ein kurzer Nachbericht zur Fachkonferenz Medienvertrieb 3.0

Am 11. Mai 2011 veranstaltete die Akademie des Deutschen Buchhandels in Kooperation mit uns (Heinold, Spiller & Partner) die zweite Fachkonferenz ‚Medienvertrieb 3.0’ im Münchner Literaturhaus. Vertreter aus Verlagen, Agenturen und Buchhandlungen waren zusammengekommen, um sich über innovative Vermarktungs- und Vertriebsmodelle auf den neuesten Stand zu bringen. Auf der Agenda standen neben Vorträgen von Vertretern aus Fach-, Wissenschafts- und Kinderbuchverlagen auch Best Practice-Beispiele aus dem Zwischen- und stationären Buchhandel.

Gemeinsam war vielen Vorträgen die intensive Beschäftigung mit dem Kunden. Mit Blick auf digitale Verlagsangebote und Verkaufskanäle riet Edel:Books-Geschäftsführer Stefan Weikert den Konferenzteilnehmern im Eröffnungsvortrag: „Keep it short and simple“. Denn die Erfahrungen aus der Musikindustrie zeigen, dass der Kunde durch die Umstellung auf digitale Vermarktungskanäle schon genug gefordert sei. Einfache Lösungen setzen sich deshalb in der Regel durch, so Weikert.

Um die Bedürfnisse der eigenen Kunden besser kennenzulernen, eignen sich Analyse-Tools wie Amazons Vendor Central oder eine genaue Beobachtung der Sinus Milieus. Klaus Peter Stegen, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Verlagsgruppe Oetinger, zeigte, wie die so gewonnenen Informationen für die Produktvermarktung genutzt werden können: Für einen aktuellen Dressler-Titel hat die Verlagsgruppe eine Mädchen-Band gecastet, ein Musikvideo zum Roman produziert und dieses über Facebook, YouTube und Co. promoted – ein Weg, junge Leserinnen über die Neuen Medien für Bücher zu begeistern.

Kunden gewinnen und nachhaltig ans eigene Unternehmen binden – darauf versteht sich auch Julia Claren, Geschäftsführerin von Dussmann das KulturKaufhaus. Ein Ziel des erfolgreichen Berliner Sortimenters sei es, die Buchhandelsfläche zum Rückzugsort für individuellen Medienkonsum zu machen, so Claren in ihrem Vortrag. Zum Konzept gehören außerdem Sortimentsbreite und -tiefe, Kooperationsmarketing mit Berliner Kultureinrichtungen und hochqualifizierte Mitarbeiter – zum Teil mit akademischem Hintergrund.

Auf den Punkt brachte Klaus Fuereder, Head of Content bei textr, in seinem Vortrag die gestiegene Bedeutung des Marketings: „Die Marketingfunktion dominiert die Vertriebsfunktion“, in Verlagen gehe es heute primär um Endkunden- und Autorenmarketing. Bereits erkannt haben das Händler wie Amazon – der Internetriese wisse inzwischen mehr von seinen Kunden als der stationäre Buchhandel. So findet man heute schon Beispiele für Autoren, die über Amazon bekannt wurden: Amazon hat in diesen Fällen die Weltrechte erworben und tritt dann das Printrecht an einen Verlag ab. Das eigentliche Nebenrecht ‚E-Book’ wird quasi zum Hauptrecht.

Verlagsprodukte, Medienformate, digitale Distribution und schließlich die Vermarktung befinden sich in einem Wandlungsprozess. Die Fachkonferenz ‚Medienvertrieb 3.0’ hat gezeigt, dass dieser Wandel für Verlage und Sortimenter zur Chance werden kann – wenn sie die Bedürfnisse ihrer Kunden ernst nehmen.

Mitschnitte der Vorträge sind in der Mediathek der Akademie des Deutschen Buchhandels erhältlich.

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