Freitag, 26. November 2010

Tablet- PCs als Chance für Multimedia-Bilderbücher?

Multimedia-Bücher für Kinder: Was auf der CR-ROM und im Internet nie funktioniert hat - wird es jetzt auf dem iPad erfolgreich sein? Die amerikanischen Verlage jedenfalls gestalten munter Bilderbücher für das iPad - mit ansehnlichen Ergebnissen, wie dieses Video von HarperCollins beweist:



Das iPad ist vor allem ein Freizeit- und Zurücklehnmedium (starke Nutzung abends und am Wochenende). Kinder können es intuitiv bedienen, es hat Ton und ist animierbar. Gleichzeitig bleibt der Buchcharakter erhalten. Kinder werden es lieben.

Für mich ist die entscheidende Frage: Wenn die Käuferschicht die gleiche wie bei Bilderbüchern ist, werden diese Eltern dann Vorbehalte wie einst beim Comic oder Krimis haben?

Donnerstag, 25. November 2010

Verlag 3.0 als Konzept für Tageszeitungen: Diplomarbeit analysiert Tragfähigkeit unseres Konzepte

Das Konzept vom Verlag 3.0 habe ich zwar in vielen Artikeln, Vorträgen und Interviews beschrieben, jedoch nie als umfassendes Konzept ausgearbeitet. Um so erfreuter war ich, als ich den Newsletter des Leizipger Verlagsherstellungsstudienganges las. Dort wird eine Diplomarbeit zum Thema "Zeitungsverlage 3.0 – Chancen und Risiken" beschrieben. Zu meinem Erstaunen stelle ich fest, dass sich die Autorin Caroline Doms auf unser Verlag 3.0-Konzept bezieht und es zur Grundlage einer Analyse der Zukunftschancen von Tageszeitungen nimmt.

Ich möchte hier einfach das Fazit zitieren, in dem die Autorin zusammenfassend feststellt, wie gut sich das Konzept als Handlungsorientierung eignet:

"Die Betrachtungen in dieser Arbeit lassen den Schluss zu, dass die regionalen Tageszeitungen aufgrund ihrer schwierigen aktuellen wirtschaftlichen Lage zwangsläufig umfangreiche Umstrukturierungen und Umorientierungen ihrer Arbeit vornehmen müssen, um im Zeitalter der digitalen Medien konkurrenzfähig zu bleiben. Mit einer verstärkten Ausrichtung an ihren Zielgruppen können wichtige Erkenntnisse erlangt werden, wie ich die Kunden das Produkt wünschen und in welchem Rahmen die Inhalte zukünftig konsumiert werden wollen. Nur in einem umfangreichen Dialog mit dem Kunden (Leser und Werbungtreibender) kann der Schritt vom vergleichsweise starren Produkt einer gedruckten Tagezeitung bis hin zur Vermarktung von flexiblen Inhaltseinheiten geschehen.

Auch die Tageszeitungsverlage müssen sich von dem Gedanken lösen, dass sie
ausschließlich ein definiertes Produkt eigenbestimmt vermarkten. Sie müssen sich noch mehr für eine Zusammenarbeit mit dem Leser öffnen und soweit es im Zeitungsbereich möglich ist, eine Individualisierung des Produktes unterstützen. Diese Individualisierung wird vorrangig im Online-Bereich stattfinden, der für eine zukunftsfähige Verlagsmarke zwangsläufig weiter ausgebaut werden muss. Insbesondere mit einer Besinnung auf die eigenen qualitativ hochwertigen Inhalte sollten die Verlage auch ihre Bemühungen in Bezug auf Paid Content verstärken und an realisierbaren Geschäftsmodellen arbeiten.

Das Modell Verlag 3.0 spannt hierbei den Rahmen für die Überlegungen zu ausführbaren Projekten im Bereich Kundenkontakt, Marktanalyse und Ausbau des Online-Bereichs. Erste Schritte in Richtung Zeitungsverlag 3.0 können noch recht einfach und ohne großen Kostenaufwand umgesetzt werden, indem eine aktive Comunnity rund um die Verlagsmarke und ihre Produkte gestaltet wird. Je tief greifender man jedoch die Gedanken des Modells Verlag 3.0 umsetzen möchte, desto aufwendiger werden auch die Anforderungen an den Verlag in personeller und finanzieller Hinsicht. Daher müssen im Vorfeld sorgfältige Überlegungen angestellt werden, welche Ansätze man durchführen und vor allem unter welchem Zeithorizont man sie durchsetzen möchte. In einigen Bereichen ist davon auszugehen, dass eine Akzeptanz der Neuerungen seitens der Kunden sehr lange dauern wird und nur entsprechend langfristig mit daraus resultierenden Umsätzen gerechnet werden kann. Erforderliche Investitionen sind also immer auch unter dem Gesichtspunkt zu überprüfen, ob ihre Amortisierung zeitnah genug erfolgt.

Perspektivisch gesehen ist die Orientierung der Zeitungsverlage am Modell Verlag 3.0 eine gute Vorbereitung für die zukünftig noch zu erwartenden Umwälzungen in der Medienlandschaft, in der eine Tageszeitung in gedruckter Form nicht mehr den Stellenwert haben wird, den sie jetzt noch genießt. Um dennoch die Konkurrenzfähigkeit der Zeitungshäuser zu sichern, ist eine verstärkte Ausrichtung am Online-Geschäft unerlässlich, damit auch in Zukunft der Informations- und Unterhaltungsbedarf der Leser vor einem Verlagshintergrund gestillt wird."

Montag, 22. November 2010

Online als Promotion, Print als Service: UTB auf mutigen Wegen

Die Frage nach den Rollen der verschiedenen Medienkanäle beschäftigt die Verlage immer mehr (siehe dazu auch meine bisherigen Posts). Vor allem interessant sie die Rolle von gedruckten Medienprodukten - aus zwei Gründen:
  1. Für viele Mediennutzer ist (und bleibt) ein Printprodukt in vielen Verwendungssituationen unersetzlich.
  2. Die Zahlungsbereitschaft für Print ist vorhanden, für Online nicht immer.
Die Kombination aus Online und Print bietet spannende Marketingmöglichkeiten: Online wird hier z.B. zum Vermarktungskanal für ein Buch. Dieses Prinzip haben Free-Pioniere wie Corry Doctorow oder Chris Anderson schon längst mit Erfolg ausprobiert - jetzt folgen auch deutsche Verlage.

Die UTB, der Uni-Taschenbuchverlag, hat jetzt das Wörterbuch Erwachsenenbildung online gestellt, und zwar mit kostenlosen Zugang. Das Printwerk ist gerade in einer Neuauflage erschienen und weiterhin lieferbar. Die UTB möchte mit diesem Versuch den Einfluss von kostenlosen Inhalten auf den Absatzu von Printprodukten testen (Pressemeldung):

"Der Klinkhardt-Verlag und die UTB GmbH unterstreichen mit diesem Angebot ihre Rolle als Anbieter hochwertiger Fachinformationen für Wissenschaftler, Studierende und Praktiker der Erwachsenenbildung. Gleichzeitig wollen sie damit die Auswirkungen einer kostenlosen Online-Publikation auf den Print-Absatz eines Buches testen: Nimmt der Verkauf der Druckausgabe ab, weil der Text kostenlos online zugänglich ist, oder fördert die Online-Publikation die Bekanntheit des Wörterbuches so sehr, dass auch mehr Exemplare der Druckausgabe gekauft werden. Das Wörterbuch Erwachsenenbildung wurde für diesen Test ausgewählt, weil es sich an eine breite Zielgruppe wendet und zugleich aktuelle und hochwertige Fachinformationen enthält."

Um den Test auch richtig in Fahrt zu bringen, wird sogar noch ein kostenloses Widget angeboten, das auf anderen Websites eingebunden werden kann.

Kannibalisierung, Substitution oder gar "Spillover"?

Das UTB-Experiment testet zwei Erkenntnisse, die sich immer wieder nachweisen lassen:
  1. Online und Print sind zwei verschiedene Produkte, die in unterschiedlichen Nutzungssituationen verwendet werden.
  2. Online und Print erreichen unterschiedliche Kunden.
In beiden Fällen tritt eine Kannibalisierung nicht ein. Die bisher besten Analyse dieser Effekte kommt von Florian Mann, der sich in seiner aktuellen Dissertation genau mit diesem Thema beschäftigt hat. Das folgende Chart zeigt den Zusammenhang zwischen Ersatz und Ergänzung:

Quelle: Vortrag auf dem 12. CrossMediaForum 2010 (Vortrag-Download)

Print als Service

Ich verstehe Print in vielen Situationen immer mehr als einen kostenpflichtigen Service - eine Sichtweise, die viele meiner Kunden zunächst verblufft, ihnen dann aber neue Denkweisen eröffnet. Diese Sichtweise bezieht sich auch auf die Mann-Thesen: Print und Online müssen nicht in jedem Fall direkte Konkurrenzangebote sein, sondern können sich ergänzen. Wenn der Kunde es wünscht, kann er ein Printprodukt erwerben. Wobei die Bepreisung dieses Printproduktes zumeist einer einfachen Regel folgt:
  1. Ist der digitale Inhalt kostenlos (ganz gleich ob App oder Web), muss Print so bepreist werden, dass es alle Kosten trägt.
  2. Ist der digitale Inhalt kostenpflichtig kann Print im Prinzip zu Herstellungskosten plus einer Handlingspauschale, also erheblich günstiger, vermarktet werden.
    Nach diesem Prinzip vermarkten schon heute Wissenschaftsverlage ihre Inhalte an Bibliotheken: Ein Lizenzvertrag gewährt Zugriff auf definierte Inhalte, Printausgaben von Zeitschriften und Büchern können für einen geringen Aufschlag zusätzlich bestellt werden.
Print und digital - ein komplexes Verhältnis - oder genauer gesagt: Kunden und Mediennutzung. Denn zu verstehen, welches Medienangebot auf welchem Medienkanal in welcher Nutzungssituation zu welchen Konditionen von wem bezahlt wird - das ist eine Fragestellung, mit deren Tiefenanalyse Verlage gerade erst begonnen haben.