Donnerstag, 11. November 2010

Change Management in Fachverlagen: Praxishilfe auf wissenschaftlicher Basis

Soeben ist eine neue Studie erschienen, die wir im Auftrag der Deutschen Fachpresse und in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen erarbeitet haben. Wirklich spannende Lektüre, wissenschaftlich fundiert und mit sehr vielen konkreten Hinweisen für die praktische Umsetzung!

Ich möchte hier den Wortlaut der Pressemeldung zitieren:

Den Medienwandel anzunehmen, bedeutet, sich neu zu orientieren – auch im eigenen Unternehmen. Doch wie kann der Veränderungsprozess vom traditionellen Fachverlag zum modernen Mediendienstleister gelingen? Welche Abteilungen betrifft der Wandel? Und wie kann er gezielt gesteuert werden? Antworten auf diese Fragen gibt die Studie „Change Management in Fachverlagen“, die die Deutsche Fachpresse heute in der PublikationsreiheBrancheninformationen der Deutschen Fachpresse“ veröffentlicht hat. Darin zeigen die Autoren Ehrhardt F. Heinold (Heinold, Spiller & Partner) und PD Dr. Svenja Hagenhoff (Universität St. Pölten) am Beispiel der Einführung eines Redaktionssystems im Deutschen Ärzte-Verlag und in der Schlüterschen Verlagsgesellschaft, wie ein Change Management-Prozess verlaufen kann. Die Studie steht als PDF zum kostenlosen Download unter www.deutsche-fachpresse.de zur Verfügung.

„Fachverlage müssen flexibel auf neue Kundenansprüche reagieren, um ihre führende Rolle im Wettbewerb der B-to-B-Medien auf Dauer zu behaupten. Dafür brauchen sie interne Strukturen, die zu den neuen Zielen passen“, sagt Bernd Adam, Geschäftsführer der Deutschen Fachpresse. „Mit der neuen Studie wollen wir Fachverlagen eine Hilfestellung für den Change Management-Prozess an die Hand geben und sie auf dem Weg der Veränderung begleiten“, so Adam. Denn ein Change Management-Prozess ist komplex. Er zieht immer auch Folgen nach sich, die ein Unternehmen nicht beabsichtigt hat, das zeigt die neue Studie ganz deutlich. Ihr Ziel ist deshalb, grundlegende Konzepte und Instrumente zu präsentieren, mit denen Verlage den Veränderungsprozess gezielt steuern können.

Ausführlich stellen die Autoren dazu den „Bottom-up“-Ansatz, das „Top-down“-Modell und den Königsweg dazwischen, das sogenannte Transformationsmanagement, vor. Zudem erläutern sie elf Instrumente, die zur Steuerung der Folgen des Wandels genutzt werden können. Sie reichen von der Formulierung einer klaren Zielvorstellung über die Schulung der Verlagsmitarbeiter bis hin zum richtigen Umgang mit Widerständen. Im empirischen Studienteil, der auf Interviews mit Mitarbeitern des Deutschen Ärzte-Verlags und der Schlüterschen Verlagsgesellschaft basiert, überprüfen und beschreiben die Autoren die Wirkung der vorgestellten Change-Instrumente.

„Ich bedanke mich ausdrücklich im Namen der Deutschen Fachpresse bei allen Mitgliedern des Projektteams für ihren engagierten und zeitintensiven Einsatz“, so Adam. „Insbesondere durch die Fallbeispiele aus den beiden Verlagshäusern ist es auch gelungen, die dringend notwendige Praxisnähe bei diesem Thema herzustellen.“

Die Studie „Change Management in Fachverlagen“ wurde im Auftrag der Deutschen Fachpresse in einem Projektteam mit Ehrhardt F. Heinold und PD Dr. Svenja Hagenhoff unter Mitarbeit von Vitus Graf (Deutscher Ärzte-Verlag) und Ludger Simon (Schlütersche Verlagsgesellschaft) sowie Simone Pfahler, Marie Schulte und Stefanie Sohn (Studentinnen, Universität Göttingen) realisiert. Weitere Mitglieder des Projektteams waren Ken Fouhy (Vogel Business Media) und Olaf Wendenburg (Bauverlag BV).

Die Studie kann kostenlos auf der Fachpresse-Website downgeloaded werden.

Mittwoch, 10. November 2010

Kunden / Medien 2020: Das 2. ZukunftsFrühstück Verlage und Medien

Das ZukunftsFrühstück Verlage und Medien (II) veranstalten wir gemeinsam mit den Zukunftsforschern von Trendquest. Das ZukunftsFrühstück findet am 24.11.2010 in Hamburg statt und beschäftigt sich mit dem Thema "Medien / Kunden 2020". Mit welchen technischen Innovationen die Verlagsund Medienbranchen in den nächsten Jahren auch immer konfrontiert sein wird - entscheidend für den Erfolg der Verlage wird das Verhalten der Kunden sein: Was für Medienangebote wollen Sie? Auf welchen Vertriebswegen? Und wie können Verlage Ihr Wissen um Kunden in stabile Kundenbeziehungen umwandeln?

Darüber werden wir auf dem 2. Zukunftsfrühstück Verlage und Medien mit max. 30 Teilnehmern diskutieren.

Ablauf
Nach vier kurzen Impulsvorträgen erfolgt eine offene und moderierte Diskussion. Der Erfahrungsaustausch steht im Mittelpunkt, die Interaktion und das Networking. Dieses innovative Format führt zu einem echten Austausch.

Die Impulsvorträge
  • Medienkunden 2020 - sozioökonomische Trends und Kurzanalyse
    Walter Matthias Kunze (Geschäftsführer Trendquest)
  • Vom Internetsurfer zum zahlenden Nutzer: Wie Apps die Browser verdrängen
    Stephan Selle (Geschäftsführer Zweitwerk)
  • Vom Abonnenten zum echten Kunden
    Ulrich Spiller (Geschäftsführer Heinold, Spiller & Partner)
  • Social Distribution - wie Verlage zukünftig ihre Kunden erreichen
    Mariam Hofheinz (Produktmanager Downloads, Libri.de Internet GmbH)
Datum, Ort, Konditionen
Das ZukunftsFrühstück Verlage und Medien (II) findet statt am 24. November 2010 von 08.30 - 11.30 Uhr in Hamburg.

Veranstaltungsort ist das Warburghaus der Univiversität Hamburg (Heilwigstr. 116, 20249 Hamburg).

Von Fair Trade bis Bio: trendquest achtet beim Rahmen des Zukunfts-Frühstücks stets auf biologisch bis ethisch nachhaltiges Catering. Backstuben-frische Croissants und duftige Hamburger Franzbrötchen direkt vom Bio-Bäcker, dazu Bio-Kaffee und -Tees, Mineralwasser und Obstsaft aus dem lokalen Umland sowie frisches Bio-Obst - so ist neben dem geistigen stets auch für Ihr leibliches Wohl gesorgt.

ZukunftsFrühstück inklusive Buffet und Themen-Unterlagen 42,- € (zzgl. MwSt.) zahlbar im Vorverkauf gegen Rechnung. Bei Zahlung in bar vor Ort berechnen wir 47,- € (zzgl. MwSt.).
Bitte melden Sie sich hier über das Kontaktformular zur Teilnahme an.

Dienstag, 9. November 2010

Paid Content: Döpfner pro, Hombach (eher) no

Zeit, die Paid Content-Debatte wieder etwas zu forcieren. Zwei aktuelle Statements von zwei Medienmanagern zeigen, wie unterschiedlich die Einschätzungen in der Branche sind.

Pro Bezahlinhalte ist ja bekannt seit 2009 der Springer-Konzern (siehe mein Post zum Vortrag von Christoph Keese). Jetzt hat auch sein Chef nochmals klar Position bezogen, und und zwar im Handelsblatt. Zunächst kanzelt er jene Internet Gurus, die selbst vom Inhalteverkauf leben, aber die Umsonst-These predigen, ab - das hat wirklich Stil: "Diese Thesen haben einige sehr geschickt verbreitet. Im Gewand des Zeitgeistes und progressiver Visionen wurden knallharte Interessen auf Kosten der Medienindustrie durchgesetzt. Vorreiter waren Kevin Kelly, Chris Anderson mit seinem Buch "Free" und Jeff Jarvis, die sehr stark in diese Richtung argumentiert haben - zur Freude der Suchmaschinen. Die nämlich haben kein Interesse, für die Inhalte, die sie kopieren, aggregieren, ordnen und vor allem vermarkten, auch noch Geld zu bezahlen."

Dann lobt er Murdochs Initiativen und sieht positive Entwicklungen bei den eigenen Angeboten: "Die Zahlen der "Times" sind für uns zumindest extrem ermutigend. Noch vor Murdochs Initiative haben wir im Sommer vergangenen Jahres eine Initiative für bezahlte Premium-Inhalte gestartet. Wir probieren verschiedene Modelle aus und bieten Bezahlinhalte als PDF-Version, als Smartphone-App, als iPad-App und als Teile des Angebots im stationären Internet. Beim "Hamburger Abendblatt" beispielsweise haben wir lokale Inhalte und Sportnachrichten kostenpflichtig gemacht. Die Befürchtung, dass wir Leser verlieren, ist nicht eingetroffen. Wir gewinnen zahlende Leser zusätzlich. Wir haben die Gesamtreichweite beim "Hamburger Abendblatt" sogar zweistellig gesteigert. Menschen mit Anspruch an Sprache, Qualität, Unabhängigkeit und Professionalität merken zunehmend, dass solche Inhalte nicht vom Himmel fallen, sondern von Journalisten erstellt und dann auch bezahlt werden müssen."

WAZ-Mann Hombach: Kostenlos ist "eingefrässt"

Wesentlich skeptischer ist das WAZ-Manager Bodo Hombach: "Die Kostenlos-Kultur im Internet werden wir nie mehr beseitigen", sagte der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe in einem Interview mit dem Web-Video-Dienstleister Infotainweb.

Die Gratis-Mentalität sei "eingefräst in eine ganze Generation und das wird so bleiben". Hombach favorisiert dagegen Paid-Content-Erlöse durch kostenpflichtige Apps. Hier seien vor allem lokale und regionale Inhalte interessant. Hombach warnt jedoch: Apps müssten "ein Niveau und eine Qualität haben, für die man gerne bereit ist, Geld aufzuwenden".

Das Interview in voller Länge:

Die Paywall der Times - eine Bilanz

Nachdem die News Corporation ernst macht mit Bazhlinhalten, gibt es für die Londoner Times erste Zahlen. Die Bilanz fällt - hm... unterschiedlich aus, je nach Interpretation. Grundsätzlich geht es um diese Alternative: Habe ich viel Traffic mit (relativ) wenig Umsätzen (und hoffe, darauf, dass diese Reichweite eines Tages adäquat entlohnt wird). Oder habe ich weniger Traffic, dafür aber stabile und langsam steigende monatliche Einnahmen.

Um das in Zahlen am Beispiel der Tiems zu verdeutlichen möchte, ich hier die Zusammenfassung der Debatte aus dem OPA Intelligence Report zitieren:

"While specialty publications like the Financial Times, The Economist, and The Wall Street Journal have successfully constructed pay walls of one kind or another, in July the Times of London became the first national, general interest newspaper to give it a try. The initial figures are not promising. Its readership has cratered, going from 20 million monthly unique users to a total of 105,000 in the four months since the wall went up -- a figure significantly lower than Nielsen traffic reports had predicted. Only 0.5% of its pre-pay-wall audience has since paid for content; half as many have paid for a full online subscription. Still, the revenue generated by some 52,520 subscribers at even the lowest £2/week rate would add up to about £400,000 a month in revenue, according to the calculations of PaidContent’s Robert Andrews. According to calculations by TechCrunch’s Erick Schonfeld, that could be enough to eventually make up for the lower ad revenues, if it hasn’t already. Having a small, but loyal subscription base may be the answer for online content providers, writes Andrews of PaidContent. “Sustainable revenue -- and not sky-high audience figures -- are now the metric on which to judge,” he concludes."

Der Traffic der Times hat sich dramatisch reduziert und liegt nun weit hinter der Konkurrenz. Aber da möchte ich an die Aussagen von Christoph Keese erinnern: Wir haben keine Hoffnung, mit Werbung jemals genügend Einnahmen erzielen zu können...

Montag, 8. November 2010

Nach 20 Jahren Umsonstkultur: Verlage müssen auf Bezahlinhalte setzen - Christoph Keese beim Homer-Kongress

Die mehr als erstaunliche 180 Grad-Kehrtwende des Hamburger Springer-Konzern beim Thema Bezahlinhalte bzw. Paid Content hatte ich hier schon kommentiert - jetzt gibt es eine ausführliche Begründung für diese Entscheidung zum Nachhören (der Livemittschnitt findet sich hier). Konzerngeschäftsführer Christoph Keese hat auf dem Homer 3.0-Kongress ausführlich erklärt, warum es ohne Bezahlinhalte nicht geht. Hier seine Thesen als Stenogramm:
  • Die Verlage haben die Kunden 20 Jahre daran gewöhnt, dass es journalistische Inhalte umsonst gibt.
  • User Generated Content wird den professionellen Journalismus nicht verdrängen.
  • Die Internet-Werbeeinnahmen reichen bei weitem nicht aus: Die Printumsätze betragen 11 Milliarden, die Onlineumsätze dagegen nur 200 Millionen, ohne Perspektive, dass diese "auch nur in die Nähe der heutigen Printumsätze kommen werden".
  • Die Printumsätze erodieren weiter (und zwar sowohl Vertriebs- als Werbeerlöse): Bis zum Jahr 2020 wird sich die Druckauflage von Zeitschriften und Zeitungen halbieren.
  • Ohne Ausgleich müssten Verlage an den Kosten sparen. Da diese zu 2/3 durch Personal und vor allem Redaktionen verursacht werden, müsste hier gespart werden.
  • Die Verlage haben zu lange gezögert, neue Erlösmodelle zu etablieren.
  • Die große Hoffnung ist der Tablet PC (wie das iPad), der zum Massengerät wird. Verlage und Telkos werden den Erwerb dieser Geräte subventionieren, bereits im Weihnachtgeschäft 2012 wird es Geräte um 99 EUR geben, 2013 dann für den berühmtem einen Euro mit Vertrag (nach Handy-Modell).
  • Springer bietet im Appstore nur noch kostenpflichtige Apps an.
  • Die tägliche Nutzungszeit ist mit 15 Minuten vergleichbar mit Zeitungen und viel höher als im Internet.
  • Das offene Internet hat immer noch Reichweite - was soll damit geschehen? Springer wird das "Metered Modell" der Finanzial Times für fast alle Internetangebote einführen: Eine bestimmte Zahl von Clicks pro Monat ist frei, danach muss gezahlt werden. Die Zahl der freien Clicks kann dabei täglich angepasst werden, um das Optimum (Reichweite im Verhältnis zur Umwandlungsquote" zu finden.
  • Im offenen Netz fehlt eine einfache Bezahlinfrastruktur mit Single sign on. Gebraucht wird ein 1-Clock-Payment - und zwar weltweit! Solange diese Infrastruktur fehlt, können keine Aussagen über die Bezahlwilligkeit der User getroffen werden!
In Summa: Das Thema Bezahlinhalte wird endlich ernsthaft und professionell angegangen, auch die Publikumsverlage befreien sich aus dem Umsonstdogma, das sie selber, wie auch Keese betont, 20 Jahre lang gepredigt und praktiziert haben. Und das ist gut so!