Mittwoch, 10. März 2010

Creative Commons, Open Access, Dienstleistung: Berlin Academic auf neuen Wegen

Das Thema Open Access-Publishing (OA) nimmt seltsame Wege. Eigentlich gilt es als ein Publikationsmodell der Zukunft. Doch in Deutschland kommt es, bis auf Ausnahmen, nicht wirklich in Gang. Nun hat auch noch die Max Planck Gesellschaft (MPG), eine der Protagonisten von OA, ihren Innovation Vertrag mit Springer ohne die OA-Komponente verlängert - und setzt damit auf das bisher bekannte Modell "Kostenpflichtiger Zugriff".

Einen ganz anderen Weg geht die Neugründung Berlin Academic, der wie Buchmarkt berichtet: "Auf einer neu errichteten Online-Plattform veröffentlicht Berlin Academic sein Programm nach Open-Access-Prinzipien und unter Creative-Commons-Lizenzen. Gleichzeitig werden sämtliche Titel über Print on Demand sowie in verschiedenen E-Book-Formaten vertrieben."

Die Neugründung setzt drei bemerkenswerte Duftmarken:
  • OA wird meistens nur im Zusammenhang mit Zeitschriften diskutiert, hier geht es um Bücher, und zwar aus den Bereichen Geistes- und Sozialwissenschaften
  • Die Anwendung des innovativen Creatice Commons-Lizenzmodells ist im deutschen Verlagswesen nahezu ohne Beispiel. Eine Branchendiskussion zu dem Thema findet kaum statt. Schade: Das Urheberrecht steht ja in vielerlei Hinsicht zur Debatte, neue Wege werden dringend gebraucht.
  • Die Verlag positioniert sich zudem auch als Dienstleister: "Die Berlin Academic Plattform will darüber hinaus wissenschaftlichen Institutionen und Universitäten die Möglichkeit bieten, eigene Schriften und Schriftenreihen zu veröffentlichen."
Zusammengefasst: Ein serviceorientierters Geschäftsmodell, bei dem der digitale Content kostenfrei zugänglich sein wird. Der Verlag wird hier zum Dienstleister für seine Autoren - ein Perspektive, den auch schon eine Arbeitsgruppe aus dem APE Future Lab formuliert hatte.

Welche Folgen hat diese Pioniertat für das wissenschaftliche Publizieren? Nach meiner Einschätzung (noch) keine: Die großen Wissenschaftsverlage tangiert diese Entwicklung nicht, solange sie weiterhin über so starke Zeitschriftenmarken verfügen, dass keine wissenschaftliche Institution, nicht einmal die MPG, auf ihre Inhalte verzichten kann - und solange die meisten Autoren in diesen Zeitschriften (und Buchverlagen) publizieren wollen...

Dienstag, 9. März 2010

Welche Rolle sollten Verlage zukünftig spielen? Tim O'Reilly weiß es...

Auf der TOC Konferenz hat sich Verlegr Tim O'Reilly mit der Zukunft von Verlagen beschäftigt. Und gibt dazu zwei sehr plausible Antworten. Wenn es um das Thema Zukunftsstrategie geht, empfehlen Berater und andere Zuunftsgurus immer eine noch bessere Erfüllung von Kundenbedürfnissen. Sie haben damit auch Recht, denn viele Verlage haben ihr erstaunliche Defizite - vor allem jene, die immer über den Handel vertrieben haben.

Doch bei dieser kundenfixierten Denkweise gerät ein Part in der Wertschöpfungskette zu leicht aus dem Blick - und das sind die Autoren! Das Future Lab, das ich jüngst während der APE-Konferenz geleitet habe, ist ja auch schon zum Ergebnis gekommen, dass wissenschaftliche Verlage sich zu Dienstleistern für Autoren entwickeln (und dabei natürlich auch den Lesermarkt im Auge behalten müssen).

O'Reilly verallgemeinert diese Aussage nun und stellt fest: " Your job as a publisher is to do things for authors that they can’t do for themselves:
  • Things that require special expertise
  • Things that require scale
  • Things that are expensive
  • Things that require marketplace leverage
  • Things that are boring and time-consuming"
Autoren haben, das ist eine banale, aber in Deutschland (auch wegen der "bösen Zuschussverlage") kaum geführte Diskussion, immer mehr Möglichkeiten, direkt und ohne Verlag zu publizieren (siehe meine Beiträge zum Thema Self Publishing und Autorenbedürfnisse). Wenn Amazon und Google sich zu weltweit agierenden Direktvertriebskanälen wandeln, wird diese Frage noch dringender. Für Autoren, das hat O'Reilly schon 2002 festgestellt, ist Unbekanntheit wesentlich negativer als Piraterie. Deshalb stellt er lapidar fest: "Your mission, should you choose to accept it, is to get more visibility and sales for authors than they can get on their own. "

Dienstleistungen für die Community

In Richtung Leser hebt O'Reilly ebenfalls den Dienstleistungscharakter hervor: "The secret of social media is that it's not about you, your product, or your story. It's about how you can add value to the communities that happen to include you. If you want to make a positive impact, forget about what you can get out of social media, and start thinking about what you can contribute. Not surprisingly, the more value you create for your community, the more value they will create for you."

Der Verlag als Mitglied einer Community, der sich aktiv einbringt und Mehrwerte schafft - in der Tat eine moderne Interpretation, die sich mit meinem Modell vom Verlag 3.0 deckt.