Freitag, 12. Februar 2010

APE 2010: Die vollständigen Videomittschnitte

Über die APE-Tagung 2010 zum wissenschaftlichen Publzizieren hatte ich schon ausführlich berichtet (allgemeiner Tagungsbericht und Ergenisse des von mir geleiteten Future Labs). Jetzt teilt Veranstalter Arnoud de Kemp mit, dass die die vollständigen Videomittschnitte vorliegen - und das in einer sehr guten Qualität!

Aus dem umfangreichern Programm möchte ich hier nur drei Empfehlungen geben:

Donnerstag, 11. Februar 2010

Kannibalisierung und Content: Verlage und ihre Produktstrategien

Zwei spannende Blogbeiträge bringen mich dazu, meine Meinung zum Thema Kannibalisierung zu präzisieren (ein erster Ansatz ist schon zwei Jahre her). Zunächst eine einleitende Anmerkungen zur Kannibailsierung: Die Angst davor wird von der These gespeist, dass ein produkt durch ein anderes ersetzt wird. In den Verlagen heisst das immer noch: Print (und damit ein gut bezahltes und gelerntes Geschäftsmodell) verliert. Doch damit dieser Effekt überhaupt eintreten kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
  1. Die vermeintlich konkurrierenden Produkte richten sich an die gleiche Zielgruppe
  2. Die Produkte erfüllen das gleiche Bedürfnis
Die Internetangebote von Zeitschriften haben gezeigt, dass diese beiden Voraussetzungen i.d.R. nicht erfüllt sind: So erreicht Spiegel Online zu zwei Dritteln neue Leser, andere nutzen Print und Online parallel. Und so kommt es auch, dass z.B. Langenscheidt seine Wörterbücher für alle Smartphone-Typen aufbereitet, und O'Reilly seine E-Books in allen Varianten anbietet (PDF, EPUB, iPhone, Android).

Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn bestimmte Zielgruppen (wie z.B. junge Menschen oder Busiuness Kunden) nur noch selten gedruckte Produkte nutzen, dann kann hier auch keine Kannibalisierung mehr stattfinden - im Gegenteil: Nur mit neuen Angeboten werde ich diese Kunden noch erreichen (vergleichen Sie sich mal die Mediaten von Spiegel Print und Online)...

Kostenlose E-Books als Marketingtool?

Nun aber zu den beiden erwähnten Blogbeiträgen. Alexander Braun erläutert anhand zahlreicher Beispiele im Buchreport-Blog, warum nach seiner Einschätzung E-Books ein marketinginstrument für P-Books sind: "Es liegt also der Schluss nahe, dass die kostenlose Verfügbarkeit des E-Books sich positiv auf die Umsätze auswirkt. Auch wenn die genannten Beispiele natürlich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit haben, ist mir kein Beispiel bekannt, bei dem Gegenteiliges zu beobachten gewesen wäre. Es ist jedoch davon auszugehen, dass dieser Effekt nur solange Bestand haben wird, wie das E-Book vom Großteil der Leser nicht als gleichwertige Substitution des gedruckten Buchs empfunden wird und das Einlesen in das E-Book somit zum Kauf des 'richtigen' Buchs animiert."

Service schlägt Content

Einen anderen Aspekt des Themas beleuchtet Liz Bury in ihrem Bereicht über die E-Book-Tagung der Digital Directors Group der UK Publishers Association (auf Publishing Perspectives): "A lot of rational ideas about how to combat piracy were being talked about, like how improving access to content and enhancing the quality of experience offered to e-book buyers will help reduce the incidence of piracy. Buzzwords were bandied about: Discussions focused on the way to reduce “consumer friction” (ie frustration, a potential cause of piracy) is by improving “interoperability” and “access,” perhaps to the “cloud.” And it was generally agreed that piracy can be dampened down by putting consumers’ needs at the center of the emerging e-books market. But the undercurrent to these conversations, which were all about balancing access to content against protecting the value of rights holders’ assets, was altogether more radical, and riveting. Tim Reynolds observed that in the e-book market, “you are selling a service as much as, or even more than, content.” To which David Roth-Ey, HarperCollins digital director, replied: “I don’t disagree.” A small comment, maybe, but a service-driven business sounds very different to a traditional publishing house and implies the need to seriously rethink of how the publishing house interacts with customers. The PA’s digital directors group knows this and, as the event wore on, a vision of a future that reflects a radical re-shaping of the traditional books sector was gradually emerging."

Mit einem Wort: Service, nicht mehr Content wird Kerngeschäft. Eine These, der auch ich in vielen Bereichen zustimmen kann - und die ich demnächst hier einmal genauer untersuchen möchte.

Montag, 8. Februar 2010

Verlag 3.0: Das Konzept, das Seminar

Das Grundkonzept zum Verlag 3.0 habe ich in einigen Blogbeirträgen und Vorträgen schon einige Male erläutert. Für die Akademie des Deutschen Buchhandels biete ich am 03. März 2010 in München ein Seminar an, in dem ich diese Ideen vertiefen möchte. Die Teilnehmer erhalten die Gelegenheit, an einem Tag ihren Verlag auf die "Verlag 3.0"-Tauglichkeit zu überprüfen. Das folgende Interview hat die Akademie mit mir geführt.

Was verstehen Sie unter dem Verlag 3.0? Was ist dessen Kernkompetenz?
Heinold: Der Verlag 3.0 bietet nicht nur Medien in allen Formen und Formaten, sondern vernetzt sich zudem intensiv mit seinen Kunden. Kernkompetenz des Verlages ist die Erfüllung von Kundenwünschen, erstrangig in den Bereichen Information und Unterhaltung, zunehmend aber auch in Servicebereichen. So bieten juristische Fachverlage neben Fachinformationen zunehmend auch Softwarelösungen für ihre Kunden an. Andere Verlage organisieren Fachcommunities oder Kongresse und positionieren sich so als "kommunikatives Zentrum" ihrer Zielgruppen.

Welche Rolle spielen gedruckte Verlagsprodukte in einer digitalisierten Medienwelt?
Heinold: Immer mehr Verlagsprodukte wandeln sich zu mehrmedielan Marken, bei denen die verschiedenen Medienarten sich gegenseitig verstärken. Es geht also nicht um Kannibalisierung oder Ablösung, sondern um das richtige Medium für den richtigen Bedarf. Gedruckte Fachinformationen behalten in vielen Bereichen ihre Existenzberechtigung, da immer noch etliche Kunden das schätzen - und auch bereit sind, dafür zu zahlen. Allerdings werden sich gedruckte Fachmedien in einer mehrmedialen Welt teilweise ändern müssen.

Wo sehen Sie in den Verlagen aktuell den größten Veränderungs- und Optimierungsbedarf?
Heinold: Viele Verlage sehen sich noch immer als Hersteller von Medienprodukten, nicht als Lösungsanbieter für Kundenbedürfnisse. Sie hängen, salopp gesprochen, zu sehr an ihren gedruckten Produkten, die die dann eben einfach digitalisieren, ohne jedoch die Möglichkeiten der neuen Medien auszuschöpfen. Das führt auch dazu, dass sie neue Bedürfnisse nicht oder zu spät erkennen und sich plötzlich mit neuen Wettbewerb konfrontiert sehen. Insgesamt müssen Verlage Flexibilität und Innovationsfähigkeit erhöhen.

Wie wirken sich die aktuellen Entwicklungen auf die Anforderungsprofile von Verlagsmitarbeitern aus? Wie muss sich der Verlag 3.0 personell aufstellen?
Heinold: Das Bewusstsein, aber auch konkretes Wissen wird in allen Bereiche benötigt. Wichtig ist vor allem, dass nicht nur junge Mitarbeiter, wie oftmals Volontäre, Innovationsagenten sind. Nach meiner Meinung muss das neue Denken auch von oben kommen, aus der Leitungsebene, die ja auch für Ziel- und Strategieformulierungen verantwortlich sind.

Werden externe Spezialisten künftig eine größere Rolle spielen? Und wenn ja, in welchen Bereichen?
Heinold: Vor allem in der technischen Umsetzung werden Verlage zwar auch viel selbst leisten müssen, aber hier werden auch externe Spezialisten gebraucht, z.B. bei der Entwicklung von Smartphone-Applikationen. Das Gleiche gilt aber auch für innovative Ansätze im Bereich Social Media, z.B. beim Aufbau einer Community. Wichtig ist jedoch: Im Verlag muss zumindest so viel Know How vorhanden sein, um solche Projekte initiieren und kontrollieren zu können.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung? Content, Marketing & Vertrieb, die neue Kundenbeziehung?
Heinold: Kundenbeziehungen und Geschäftsmodelle sind die größten Herausforderungen, aber auch die Bereiche Content(aufbereitung) und Marketing und Vertrieb erfordern neues Denken und Wissen.