Donnerstag, 25. November 2010

Verlag 3.0 als Konzept für Tageszeitungen: Diplomarbeit analysiert Tragfähigkeit unseres Konzepte

Das Konzept vom Verlag 3.0 habe ich zwar in vielen Artikeln, Vorträgen und Interviews beschrieben, jedoch nie als umfassendes Konzept ausgearbeitet. Um so erfreuter war ich, als ich den Newsletter des Leizipger Verlagsherstellungsstudienganges las. Dort wird eine Diplomarbeit zum Thema "Zeitungsverlage 3.0 – Chancen und Risiken" beschrieben. Zu meinem Erstaunen stelle ich fest, dass sich die Autorin Caroline Doms auf unser Verlag 3.0-Konzept bezieht und es zur Grundlage einer Analyse der Zukunftschancen von Tageszeitungen nimmt.

Ich möchte hier einfach das Fazit zitieren, in dem die Autorin zusammenfassend feststellt, wie gut sich das Konzept als Handlungsorientierung eignet:

"Die Betrachtungen in dieser Arbeit lassen den Schluss zu, dass die regionalen Tageszeitungen aufgrund ihrer schwierigen aktuellen wirtschaftlichen Lage zwangsläufig umfangreiche Umstrukturierungen und Umorientierungen ihrer Arbeit vornehmen müssen, um im Zeitalter der digitalen Medien konkurrenzfähig zu bleiben. Mit einer verstärkten Ausrichtung an ihren Zielgruppen können wichtige Erkenntnisse erlangt werden, wie ich die Kunden das Produkt wünschen und in welchem Rahmen die Inhalte zukünftig konsumiert werden wollen. Nur in einem umfangreichen Dialog mit dem Kunden (Leser und Werbungtreibender) kann der Schritt vom vergleichsweise starren Produkt einer gedruckten Tagezeitung bis hin zur Vermarktung von flexiblen Inhaltseinheiten geschehen.

Auch die Tageszeitungsverlage müssen sich von dem Gedanken lösen, dass sie
ausschließlich ein definiertes Produkt eigenbestimmt vermarkten. Sie müssen sich noch mehr für eine Zusammenarbeit mit dem Leser öffnen und soweit es im Zeitungsbereich möglich ist, eine Individualisierung des Produktes unterstützen. Diese Individualisierung wird vorrangig im Online-Bereich stattfinden, der für eine zukunftsfähige Verlagsmarke zwangsläufig weiter ausgebaut werden muss. Insbesondere mit einer Besinnung auf die eigenen qualitativ hochwertigen Inhalte sollten die Verlage auch ihre Bemühungen in Bezug auf Paid Content verstärken und an realisierbaren Geschäftsmodellen arbeiten.

Das Modell Verlag 3.0 spannt hierbei den Rahmen für die Überlegungen zu ausführbaren Projekten im Bereich Kundenkontakt, Marktanalyse und Ausbau des Online-Bereichs. Erste Schritte in Richtung Zeitungsverlag 3.0 können noch recht einfach und ohne großen Kostenaufwand umgesetzt werden, indem eine aktive Comunnity rund um die Verlagsmarke und ihre Produkte gestaltet wird. Je tief greifender man jedoch die Gedanken des Modells Verlag 3.0 umsetzen möchte, desto aufwendiger werden auch die Anforderungen an den Verlag in personeller und finanzieller Hinsicht. Daher müssen im Vorfeld sorgfältige Überlegungen angestellt werden, welche Ansätze man durchführen und vor allem unter welchem Zeithorizont man sie durchsetzen möchte. In einigen Bereichen ist davon auszugehen, dass eine Akzeptanz der Neuerungen seitens der Kunden sehr lange dauern wird und nur entsprechend langfristig mit daraus resultierenden Umsätzen gerechnet werden kann. Erforderliche Investitionen sind also immer auch unter dem Gesichtspunkt zu überprüfen, ob ihre Amortisierung zeitnah genug erfolgt.

Perspektivisch gesehen ist die Orientierung der Zeitungsverlage am Modell Verlag 3.0 eine gute Vorbereitung für die zukünftig noch zu erwartenden Umwälzungen in der Medienlandschaft, in der eine Tageszeitung in gedruckter Form nicht mehr den Stellenwert haben wird, den sie jetzt noch genießt. Um dennoch die Konkurrenzfähigkeit der Zeitungshäuser zu sichern, ist eine verstärkte Ausrichtung am Online-Geschäft unerlässlich, damit auch in Zukunft der Informations- und Unterhaltungsbedarf der Leser vor einem Verlagshintergrund gestillt wird."

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