Dienstag, 9. November 2010

Paid Content: Döpfner pro, Hombach (eher) no

Zeit, die Paid Content-Debatte wieder etwas zu forcieren. Zwei aktuelle Statements von zwei Medienmanagern zeigen, wie unterschiedlich die Einschätzungen in der Branche sind.

Pro Bezahlinhalte ist ja bekannt seit 2009 der Springer-Konzern (siehe mein Post zum Vortrag von Christoph Keese). Jetzt hat auch sein Chef nochmals klar Position bezogen, und und zwar im Handelsblatt. Zunächst kanzelt er jene Internet Gurus, die selbst vom Inhalteverkauf leben, aber die Umsonst-These predigen, ab - das hat wirklich Stil: "Diese Thesen haben einige sehr geschickt verbreitet. Im Gewand des Zeitgeistes und progressiver Visionen wurden knallharte Interessen auf Kosten der Medienindustrie durchgesetzt. Vorreiter waren Kevin Kelly, Chris Anderson mit seinem Buch "Free" und Jeff Jarvis, die sehr stark in diese Richtung argumentiert haben - zur Freude der Suchmaschinen. Die nämlich haben kein Interesse, für die Inhalte, die sie kopieren, aggregieren, ordnen und vor allem vermarkten, auch noch Geld zu bezahlen."

Dann lobt er Murdochs Initiativen und sieht positive Entwicklungen bei den eigenen Angeboten: "Die Zahlen der "Times" sind für uns zumindest extrem ermutigend. Noch vor Murdochs Initiative haben wir im Sommer vergangenen Jahres eine Initiative für bezahlte Premium-Inhalte gestartet. Wir probieren verschiedene Modelle aus und bieten Bezahlinhalte als PDF-Version, als Smartphone-App, als iPad-App und als Teile des Angebots im stationären Internet. Beim "Hamburger Abendblatt" beispielsweise haben wir lokale Inhalte und Sportnachrichten kostenpflichtig gemacht. Die Befürchtung, dass wir Leser verlieren, ist nicht eingetroffen. Wir gewinnen zahlende Leser zusätzlich. Wir haben die Gesamtreichweite beim "Hamburger Abendblatt" sogar zweistellig gesteigert. Menschen mit Anspruch an Sprache, Qualität, Unabhängigkeit und Professionalität merken zunehmend, dass solche Inhalte nicht vom Himmel fallen, sondern von Journalisten erstellt und dann auch bezahlt werden müssen."

WAZ-Mann Hombach: Kostenlos ist "eingefrässt"

Wesentlich skeptischer ist das WAZ-Manager Bodo Hombach: "Die Kostenlos-Kultur im Internet werden wir nie mehr beseitigen", sagte der Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe in einem Interview mit dem Web-Video-Dienstleister Infotainweb.

Die Gratis-Mentalität sei "eingefräst in eine ganze Generation und das wird so bleiben". Hombach favorisiert dagegen Paid-Content-Erlöse durch kostenpflichtige Apps. Hier seien vor allem lokale und regionale Inhalte interessant. Hombach warnt jedoch: Apps müssten "ein Niveau und eine Qualität haben, für die man gerne bereit ist, Geld aufzuwenden".

Das Interview in voller Länge:

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