Freitag, 22. Oktober 2010

"Die größte Herausforderung ist die Organisation des Veränderungsprozesses"

Die Verlagsgruppe Haufe gehört zu den innovativen Facherlagen in Deutschland, die sich intensiv auf den Wandel der Mediennutzung ihrer Kunden einstellt (und sich dazu Anfang 2010 umstrukturiert hat). Im folgenden Interview erläutert Dr. Harald Henzler, Verlagsleiter Haufe Publishing, welche Herausforderungen er sieht und wie Haufe sich darauf einstellt.

Welche digitalen Produktinnovationen finden Sie aus Verlagssicht gegenwärtig besonders spannend?
Harald Henzler: Die Tablets bieten eine neue, ideale Plattform für eher traditionelle Lesetexte wie auch innovativere Ansätze. Anders als im Internet ist die Bezahlbereitschaft vorhanden und die Lust an der Gestaltung spürt man jetzt an vielen Stellen. Sei es in der Darstellung von Märchen wie der Pedlar Lady, Autorenlesungen wie zehnseiten oder Magazinentwicklungen wie wired.

Die Haufe Mediengruppe hat konsequent auf die zunehmende Digitalisierung in der Verlagsbranche reagiert und sich in den letzten Jahren vom Fachverlag zum Crossmedia-Anbieter gewandelt. Worin lagen dabei für Sie die größten Herausforderungen?
Harald Henzler: Die größte Herausforderung ist sicher die Organisation des gesamten Veränderungsprozesses. Einmalige Piloten mit einem durchaus hohen Kundennutzen zu entwickeln, ist nicht so schwer. Aber diese zu skalieren und tragfähige Geschäftsmodelle daraus zu entwickeln, ist etwas anderes. Die Palette der Aufgaben reicht hier vom Know-how-Aufbau über Strategieänderung mit Einbeziehung aller über die Neuausrichtung von Prozessen. Das ist Knochenarbeit über einen langen Zeitraum.

Welche digitalen Innovationen machen Ihnen in der Umsetzung bei Haufe gerade besonders Spaß?
Harald Henzler: Alle! Wir können mit unserem Know-how über die Zielgruppen jetzt kreativ neue Angebotsformen schaffen. Das sind Produktivitätsapps wie z. B. zum Thema Arbeitszeugnis oder kleine e-Learning-Trainer zu verschiedenen Businessthemen.

Thema der Konferenz sind auch innovative digitale Informationsangebote z. B. eines Radio- und Fernsehsenders. Welche Impulse erhoffen Sie sich von diesen Beispielen?
Harald Henzler: Schauen Sie nur, wie sich beispielsweise Radio Charivari oder ProSieben im digitalen Bereich aufstellen. Diese beiden Branchen haben uns eines voraus: Sie wurden schon früher als wir mit der Digitalisierung konfrontiert und müssen dort neue Erlösquellen erschließen. Diese Erfahrungen können wir nutzen. Und wir haben eines gemeinsam mit ihnen: Jeder nähert sich von einem Medium (Audio, bewegtes Bild, Text) den multimedialen Plattformen und bringt nur Know-how aus einem Bereich mit. Synergien liegen hier auf der Hand.


Die Fragen stellten Teresa Rasch und Jacqueline Hoffman.


Dr. Harald Henzler ist Moderator und Referent der Konferenz „Digitale Lust oder digitale Last? Produktinnovationen in Fach- und Ratgeberverlagen“, die am 28.10.2010 in der Akademie des Deutschen Buchhandels in München stattfindet.

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