Mittwoch, 13. Oktober 2010

"Datajournalism": Visualisierung, Interaktion, Animation - Fakten lebendig aufbereiten

Als Mitte der 90er Jahre die CD-ROM das Verlagswesen aufmischte, fragten sich Lektoren und Redakteure: Wie können wir die neuen Möglichkeiten des digitalen Mediums optimal nutzen? Schon damals wurden Ideen aus der Filmbranche adaptiert, Animationen erstellt, interaktive Inhalte programmiert und sogenannte Storyboards geschrieben.

Durch das E-Book und die Tablets stellt sich Verlagen erneut die Frage, wie sie Buch- und Zeitschrifteninhalte auf die neuen Lesegräte übertragen können. Das größte Rätsel gibt dabei das "Enhanced E-Book" auf. Wollen Textleser wirklich Filme sehen, Links folgen, sich in Grafiken vertiefen (wie beim Ken Follett von Lübbe)? Oder wollen sie schlicht das tun, was mit einem neuen Buzz-Wort als "seriuos reading" bezeichnet wird? Hier herrscht Verunsicherung, wie jüngst ein AKEP-Treffen zeigte. Zumal die zusätzlichen Inhalte Geld kosten und in keiner normalen Buchkalkulation enthalten sind.

Datajournalism: Eine Antwort für Wissensinhalte?

Faktengertriebener Journalismus, aber auch Lehrwerke haben sich im Printbereich schon lange von der einen textlichen Darstellung gelöst: Bilder, Infografiken, Tabellen und andere Übersichten sind erprobte Aufbereitungsformen, damit Faktenwissen besser aufgenommen werden kann. Durch neue, interaktive Darstellungsformen erhalten diese Methoden eine neue Dimension, wie die Universität Stanford mit ihrem Projekt zum Thema Datajournalism zeigt. Ich empfehle, den 57 Minuten langen Film auf der Website anzuschauen - zum einen wegen der guten Einführung ins Thema und der zahlreichen Aufbereitungsideen, zum anderen aber weil der Film selbst ein Beispiel für spannende Wissensvermittlung ist: Zu den jeweils behandelten Themen werden unter dem Film Informationen und Hinweise eingeblendet, der Film kann zudem kapitelweise angesteuert werden.

Das Projekt hat das Ziel, Journalisten mit mehr Visualisierungs- und Vermittlungswissen auszurüsten, damit sie im Wettbewerb mit Techniker und Animationsspezialisten bestehen können: "Journalists are coping with the rising information flood by borrowing data visualization techniques from computer scientists, researchers and artists. Some newsrooms are already beginning to retool their staffs and systems to prepare for a future in which data becomes a medium. But how do we communicate with data, how can traditional narratives be fused with sophisticated, interactive information displays?"

Visualisierte und interaktive Faktenvermittlung - sehr spannend, aber auch sehr aufwändig. Damit bleibt die Frage der CD-ROM-Ära: Wenn Verlage ihre Bücher "verfilmen", wer wird dafür was zahlen wollen?

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