Mittwoch, 13. Oktober 2010

"Das größte Potenzial liegt im Kontakt zu den Kunden"

Carsten Raimann, seit September 2010 unser Kooperationspartner im Bereich Online Marketing, betreibt seit kurzem das Blog "Books & Brains". Als Messenachbereitung hat Carsten gerade unter dem Motto „Die Buchmesse und die Digitalisierung“ mit einer Interviewreihe begonnen - und als ersten Gesprächspartner den Berater Leander Wattig gewonnen. Im Zuge unserer Kooperation möchte ich das Interview hier im Wortlaut bringen.

Books & Brains: Wie hast du das Thema „Digitalisierung“ auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wahrgenommen?
Leander Wattig: Die Digitalisierung ist ja schon seit vielen Jahren das heiße Thema auf der Buchmesse. Wie es sich für Hype-Themen gehört, kommt es immer wieder zu großen Übertreibungen. Doch dieses Jahr habe ich vielerorts einen angenehm nüchternen Umgang mit dem Thema erlebt.

Books & Brains: Hast du Veranstaltungen dazu besucht? Bitte nenne ein Beispiel und was du daraus mitgenommen hast.
Leander Wattig: Ein wichtiges Unterthema ist ja das der Geschäftsmodelle. Hier war ich überrascht, mit welcher Aufgeschlossenheit man inzwischen selbst eine Erlösquelle wie freiwillige Zahlungen via Flattr & Co. diskutiert. Vor 1-2 Jahren wäre ein solches Thema wahrscheinlich noch als absurd abgetan worden. [Books & Brains: Leander hat dazu selbst einen spannenden Vortrag auf der Messe gehalten.]

Books & Brains: Ist aus deiner Sicht das Thema bei den Verlagen angekommen, wurde das auf der Messe für dich ersichtlich und wie?
Leander Wattig: Ich denke schon, dass die meisten Verlage verstanden haben, dass man alte Geschäftsmodelle nicht 1:1 auf die digitale Welt übertragen kann. Allerdings bleibt das Problem, dass viele der neuen Geschäftsmodelle nicht so attraktiv sind wie die alten. Das ist gewissermaßen ein Dilemma, welches etliche Unternehmen hemmt. Nicht umsonst kommen viele der interessanten Neuerungen auf dem Markt von den so genannten „Branchenfremden“. Klasse finde ich, dass Verlagshäuser wie Droemer Knaur dennoch experimentieren und Modelle wie „neobooks“ ausprobieren.

Books & Brains: In welchem digitalen Thema siehst du großes Potenzial für die Buchbranche?
Leander Wattig: Ich denke nach wie vor, dass das größte Potenzial für die Buchbranche im Kontakt zu den Kunden liegt. Dank des Internets besteht für jedes Unternehmen heute die Möglichkeit, eine direkte Kundenbeziehung aufzubauen. Hoffen wir mal, dass die Buchbranche diese Chance nutzt und den Kundenkontakt nicht wie die Musikindustrie den Apples dieser Welt überlässt.

Books & Brains: Wie wird sich durch diese Entwicklungen deine Arbeit verändern, wo siehst du Chancen und Risiken für dich persönlich?
Leander Wattig: Ich befasse mich mit diesen Entwicklungen u.a. als Blogger, Berater, Vortragsredner und Lehrbeauftragter. Langeweile wird also nicht aufkommen. Überhaupt blicke ich gespannt in die Zukunft. Eine solche Medien-Revolution erlebt man schließlich nicht alle Tage und ich finde es prima, diese ein kleines Stück weit mitgestalten zu können.

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