Dienstag, 26. Oktober 2010

Content, Commerce, Community: Doch ein Erfolgsmodell?

Zehn Jahre zurück schienen Content und Commerce ein perfektes Paar zu sein - die Idee: Inhalte befördern den Verkauf von Waren, Verlage befeuern E-Commerce-Portale. Das Hamburger Start-up PopNet (2001 insolvent), innerhalb von wenigen Jahren zu einer der größten Internetagenturen gewachsen, baute sogar eine eigene Redaktion auf.

Doch schon bald platzte diese Traum - es zeigte sich: Kunden wollen auf Shoppingportalen kaufen, nicht lesen. Das funktioniert nicht, lautet die ernüchternde Erkenntnis. Content und Commerce gingen getrennte Wege.

Doch vielleicht war die Idee damals richtig, nur zu früh. Das jedenfalls berichtet Frédéric Court, Partner bei Advent Venture und Investor u.a. bei Dailymotion und Qype, auf PaidContent.org. Court zeigt anhand von vielen Beispielen,
  • wie Inhalte Shopping-Portale bereichern und für Traffic sorgen
  • und wie Shoppingportale ihren Traffic zunehmend in Werbeumsatz umwandeln
Hier einige von Courts Beispielen:
  • "New affiliates like Polyvore (using user-generated content to drive traffic to ecommerce partner sites),
  • Marketplaces such as Farfetch (creating editorial features with the fashion community, from bloggers to store owners)
  • 1stDibs (aggregating antique dealers and the interior-design community)
  • Vente-Privee, the flash-sales pioneer and giant, creates slick video presentations for each of its sales as a way to get consumers to engage and buy.
  • One of the most notable and successful illustrations of this trend is Net-A-Porter, the luxury retailer. Every month, over three million fashion lovers avidly browse their site like a digital magazine, attracted by the beautiful editorial features, while a small, and growing, portion of them actually purchase."
Es sei kein Zufall, so Court, dass Net-A-Porter von der ehemaligen Modemagazinredakteurin Natalie Massenet geschaffen wurde. Doch nicht nur Content und Commerce mögen sich, sondern auch eine Community passt dazu gut - womit wir bei den drei "C" wären, die Ende der 90er schon als das Erfolgsrezept galten.

Auch in Deutschland gibt es einige Beispiele für Content-Community-Commerce-Kombinationen - ich möchte ich zwei nennen:
  • Ganz vorne natürlich Holidaycheck, diese famose Symbiose aus Reiseberichten und Reisebüro.
  • In der Buchverlagsbranche setzen sich immer mehr Self-Publishing-Portale durch, in denen Amateurautoren ihre Bücher und Texte nicht nur publizieren, sondern diese auch durch die Community korrigieren und bewerten lassen (drei Beispiele: triboox, quillp, bookrix).
Doch viele klassische Verlage haben Probleme, sich über den Commerce und Community zu integrieren, wie Frédéric Court schreibt: "Yellow Pages companies have tried to replicate user-generated models like Qype, but without succeeding - they are not able to conjure communities of writers who are passionate enough to create this content for free."

Verlage sollten auch nicht nur auf Affiliateerlöse setzen: "Meanwhile, making money from affiliate partners is very hard for publishers, as margins are thin and conversion is low. Media operators must not simple send their readers to a third-party shopping site - the transaction experience must be seamlessly integrated in their own site. These challenges will fuel M&A, because media companies will need to buy in transaction know-how and because retailers must build their own audience-generation engines…"

Gute Zeiten für Start-ups, die nicht durch die klassische Redaktionsbrille auf Inhalte und vor allem Kunden blicken...

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