Montag, 26. April 2010

Medien von heute taugten nicht für Mediennutzer von morgen

Dass Jugendliche keine Printmedien mehr nutzen ist ein Vorurteil, mit dem ich mich jüngst hier schon beschäftigt habe. Das Vorurteil wird auch von der Jugendzeitschrift YAEZ widerlegt, die bundesweit an Schulen verteilt wird. Im folgenden Interview beschreibt Gründer und Geschäftsführer Janos Burghardt die Erfolgsfaktoren.

Zeitschriften für Jugendliche: Bauen Sie da nicht das "Pferd auf Rädern", also ein altes Medium für eine junge Zielgruppe?
Janos Burghardt: Man kann nicht pauschal sagen, dass junge Leser nur neue Medien nutzen. Schulbücher sind ein gutes Beispiel hierfür: Auch in absehbarer Zeit sind das gedruckte Bücher und keine iPad-Applikationen. Und das gilt auch für YAEZ: Wir wollen Schüler erreichen, deswegen vertreiben wir über Schulen - und das geht aktuell nur als Zeitschrift. Aber natürlich arbeiten wir auch jetzt schon an neuen Vertriebswegen, wie Online, Mobil oder in Social Media.

Was ist anders an YAEZ? Was spricht junge Leser an?
Janos Burghardt: Das Besondere an YAEZ ist die Themenvielfalt, die kaum ein anderes Jugendmedium bietet. Wir berichten nur dann über Stars, wenn sie etwas zu sagen haben. YAEZ-Themen sind zum Teil natürlich klassische Jugendthemen wie Schule und Berufsfragen, aber eben auch aktuelle gesellschaftliche Fragen. Politik ist für uns kein Tabu, nur muss man politische Themen für Jugendliche anders aufbereiten, als es in der Tagesschau geschieht.

Woher wissen Sie, was bei den Lesern ankommt? Machen Sie Marktforschung, haben Sie einen Beirat?
Janos Burghardt: Wir betreiben umfangreiche Leserforschung und binden die junge Zielgruppe auch aktiv in die Themenfindung ein. Das alles ersetzt aber keine Redaktion. Journalismus lebt auch davon, dass der Leser etwas über ein Thema erfährt, von dem er vorher nicht wusste, dass es ihn interessiert. Daher setzen wir viele Themen, ohne sie vorher bei Facebook mit dem Leser zu besprechen oder Jugendliche befragt zu haben. Dann lohnt es sich auch, zur neuen Ausgabe von YAEZ zu greifen.

Yaez wird kostenlos verbreitet. Können Jugendmedien nur noch kostenlos vermarktet werden? Ist "Paid Content" auch im Print nicht mehr verkaufbar?
Janos Burghardt: Es gibt keine Verkaufsstrukturen an den Schulen, deswegen ist YAEZ gratis. Wir haben als Verlag aber auch schon Ratgeber und Bücher für Jugendliche erstellt und verkauft. Und die steigende Auflage von BRAVO zeigt auch, das Print grundsätzlich an Jugendliche verkaufbar ist. Ich würde die Ursache weniger beim Medium Papier, als bei den Redaktionen suchen: Viele Medien, die sich über sinkende Zahlen bei den jungen Lesern beklagen, sind inhaltlich einfach belanglos für Jugendliche.

Was empfehlen Sie Verlagen mit Tageszeitungen oder Zeitschriften, denen die jungen Leser wegbleiben?
Janos Burghardt: Nehmen Sie die jungen Leser endlich ernst. Mit einer Jugendseite pro Woche wird man niemanden für eine Tageszeitung begeistern können. Die Zeitung selbst muss an redaktioneller Relevanz bei den Jugendlichen gewinnen, jeden Tag Artikel veröffentlichen, die an die Lebenswelt der Jugendlichen anknüpfen. Verbunden mit Jugendangeboten wie ein zielgruppenspezifisches Supplement und einer offensiven Social Media-Einbindung kann man die jungen Leser wieder für die Tageszeitung begeistern. Denn eine Redaktion vor Ort ist durch nichts zu ersetzen.

Was wird ihre Kernbotschaft auf dem Stuttgarter Medienkongresses sein?
Janos Burghardt: Die Mediennutzer von morgen wird man nicht mit den Medienangeboten von heute erreichen können.

Veranstaltungshinweis:
Janos Burghardt ist Referent auf dem Stuttgarter Medienkongress, der am 03. Mai 2010 im LBBW-Forum Stuttgart stattfindet. Weitere Referenten sind u.a. Verena Wiedemann (Generalsekretärin ARD), Thomas Langheinrich (Präsident LFK), Philipp Haußmann (Vorstand Klett AG) und Alf Henryk Wulf (Vorstand Alcatel-Lucent Deutschland AG).

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