Donnerstag, 18. März 2010

Jugend und Papiermedien: Alles nur noch digital? Von wegen!

Mit der These von der Kannibalisierung der verschiedenen Medien habe ich mich hier ja schon öfters befasst - immer mit dem Tenor: Kannibalisierung findet viel seltener statt als angenommen, oft gibt es sogar eine Marktausweitung.

Vor allem die Jugendlichen stehen ja "im Verdacht", kaum noch gedruckte Medien mehr zu Nutzen. Ich möchte an zwei Entwicklungen zeigen, dass diese These nicht für alle Bereiche gilt. Das erste Beispiel ist die Zeitschrift Bravo, die seit geraumer Zeit wieder an Auflage gewinnt. Das Beispiel zeigt: Die Auflage der Bravo korrelliert mit aktuellen Angebot an Stars und Sternchen (also an Inhalten), die Mediennutzung ist ein sekundärer Faktor. Hhier die ivw-Zahlen im 2-Jahres-Vergleich:
  • Verkaufte Auflage 4/2007: 422.436 Exemplare
  • Verkaufte Auflage 4/2008: 454.131 Exemplare
  • Verkaufte Auflage 4/2009: 512358 Exemplare
Das Internetangebot von Bravo ist ebenfalls auf Erfolgskurs - als Medienmarke ist Bravo ein Erfolg.

Ein weiteres Beispiel sind Jugendbücher, und zwar aus dem Bereich Belletristik. Diese erleben seit den Harry Potter-Erfolgen einen beispiellosen Boom, die Bücher können gar nicht dick genug sein. Wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht?

Beide Beispiele zeigen: Ein Medienangebot hat dann seine Berechtigung, wenn es den Nerv, den Badarf der Zielgruppe trifft. Papier ist nicht out, sondern kann dann seine Vorteile zeigen, wenn es entweder um eine ästhetisch-emotionale Aufbereitung von Inhalten geht (Zeitschriften), oder um lange Lesestrecken - wobei auch hier gilt: Manche Leser nutzen auch dafür schon ein Smartphone. Papier ist also nicht besser als Online (wie in er Buchbranche noch immer meinen), sondern einfach anders.

Verschiedene Trägermeiden, verschiedenen Nutzungsangebote. Die Verlage sollten deshalb weiter herausarbeiten, welches Medium für welchen Nutzungskontext und welche Zielgruppen besser geeignet ist - und zwar aus Kundensicht.

Kommentare:

Galina Bernstein hat gesagt…

Allein die gemeinsamen Verkaufszahlen der Twilight- und Harry-Potter-Reihen kratzen - während einer Verkaufsdauer von knapp 10 Jahren - an der 500 Millionen-Marke. Ein Ende ist nicht in Sicht. Der Inhalt muss stimmen, dann lesen ihn "die Jugendlichen" auch. Nicht zu vergessen, dass Jugend- und Kinderbücher beliebte Geschenkgüter sind, die nicht von den Kids selbst, sondern von Eltern, Tanten und Großeltern gekauft werden, die sicher ein Buch immer noch als "wertvoller" erachten als eine Datei.

callies hat gesagt…

Absolut richtig. Es liegt immer am Content. Der Beitrag war überfällig.