Montag, 8. Februar 2010

Verlag 3.0: Das Konzept, das Seminar

Das Grundkonzept zum Verlag 3.0 habe ich in einigen Blogbeirträgen und Vorträgen schon einige Male erläutert. Für die Akademie des Deutschen Buchhandels biete ich am 03. März 2010 in München ein Seminar an, in dem ich diese Ideen vertiefen möchte. Die Teilnehmer erhalten die Gelegenheit, an einem Tag ihren Verlag auf die "Verlag 3.0"-Tauglichkeit zu überprüfen. Das folgende Interview hat die Akademie mit mir geführt.

Was verstehen Sie unter dem Verlag 3.0? Was ist dessen Kernkompetenz?
Heinold: Der Verlag 3.0 bietet nicht nur Medien in allen Formen und Formaten, sondern vernetzt sich zudem intensiv mit seinen Kunden. Kernkompetenz des Verlages ist die Erfüllung von Kundenwünschen, erstrangig in den Bereichen Information und Unterhaltung, zunehmend aber auch in Servicebereichen. So bieten juristische Fachverlage neben Fachinformationen zunehmend auch Softwarelösungen für ihre Kunden an. Andere Verlage organisieren Fachcommunities oder Kongresse und positionieren sich so als "kommunikatives Zentrum" ihrer Zielgruppen.

Welche Rolle spielen gedruckte Verlagsprodukte in einer digitalisierten Medienwelt?
Heinold: Immer mehr Verlagsprodukte wandeln sich zu mehrmedielan Marken, bei denen die verschiedenen Medienarten sich gegenseitig verstärken. Es geht also nicht um Kannibalisierung oder Ablösung, sondern um das richtige Medium für den richtigen Bedarf. Gedruckte Fachinformationen behalten in vielen Bereichen ihre Existenzberechtigung, da immer noch etliche Kunden das schätzen - und auch bereit sind, dafür zu zahlen. Allerdings werden sich gedruckte Fachmedien in einer mehrmedialen Welt teilweise ändern müssen.

Wo sehen Sie in den Verlagen aktuell den größten Veränderungs- und Optimierungsbedarf?
Heinold: Viele Verlage sehen sich noch immer als Hersteller von Medienprodukten, nicht als Lösungsanbieter für Kundenbedürfnisse. Sie hängen, salopp gesprochen, zu sehr an ihren gedruckten Produkten, die die dann eben einfach digitalisieren, ohne jedoch die Möglichkeiten der neuen Medien auszuschöpfen. Das führt auch dazu, dass sie neue Bedürfnisse nicht oder zu spät erkennen und sich plötzlich mit neuen Wettbewerb konfrontiert sehen. Insgesamt müssen Verlage Flexibilität und Innovationsfähigkeit erhöhen.

Wie wirken sich die aktuellen Entwicklungen auf die Anforderungsprofile von Verlagsmitarbeitern aus? Wie muss sich der Verlag 3.0 personell aufstellen?
Heinold: Das Bewusstsein, aber auch konkretes Wissen wird in allen Bereiche benötigt. Wichtig ist vor allem, dass nicht nur junge Mitarbeiter, wie oftmals Volontäre, Innovationsagenten sind. Nach meiner Meinung muss das neue Denken auch von oben kommen, aus der Leitungsebene, die ja auch für Ziel- und Strategieformulierungen verantwortlich sind.

Werden externe Spezialisten künftig eine größere Rolle spielen? Und wenn ja, in welchen Bereichen?
Heinold: Vor allem in der technischen Umsetzung werden Verlage zwar auch viel selbst leisten müssen, aber hier werden auch externe Spezialisten gebraucht, z.B. bei der Entwicklung von Smartphone-Applikationen. Das Gleiche gilt aber auch für innovative Ansätze im Bereich Social Media, z.B. beim Aufbau einer Community. Wichtig ist jedoch: Im Verlag muss zumindest so viel Know How vorhanden sein, um solche Projekte initiieren und kontrollieren zu können.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung? Content, Marketing & Vertrieb, die neue Kundenbeziehung?
Heinold: Kundenbeziehungen und Geschäftsmodelle sind die größten Herausforderungen, aber auch die Bereiche Content(aufbereitung) und Marketing und Vertrieb erfordern neues Denken und Wissen.

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