Mittwoch, 2. Dezember 2009

Paid Content propagieren, Print verschenken - Widersprüche in der Verlagsstrategie

Über einen Twitter-Hinweis von Hugo E. Martin bin ich auf einen Beitrag von Samir Husni in seinem MRMagazine-Blog aufmerksam geworden. Husni weist auf einen Widerspruich hin, der auch mir immer wieder auffällt: Verlage beklagen die Kostenlos-Kultur des Internet und reden über Paid Content, verschenken aber seit Jahren ihre Printobjekte. Husni schildert, wie er bei einem Verlag 18 Magazine für eine Abogebühr von je 5 $ per anno bestellt hat, und zwar "Must have"-Titel! Zu recht fragt er nach dem Sinn solcher Angebote:

"How can you create a 'Must Have' magazine when you are only charging $5 for an entire year? (...) Are we going nuts or there is some rhyme and reason behind the madness. I, for one, think we are still operating in the same state of coma that hit our industry in September of 2008. Every time I see signs of hope from this media company or the other, something big, such as this great offer, kills any signs of hope and tells me that we are still in a deep deep coma. A year for $5 is not a good recipe for success. Feel free to differ!"

Nicht nur in den USA, sondern auch bei uns sind diese Anreize längst Standard. Immer mehr Leser Beispiel abo-direkt.de: "Holen Sie sich die besten Geschenke mit einem Abonnement! Belohnen Sie sich selbst... ...mit Prämien aus unserer umfangreichen Auswahl. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist einen neuen Zeitschriftenleser zu werben. Gewinnen Sie Verwandte, Nachbarn oder Kollegen für die vielen Vorteile eines Zeitschriftenabos. Informieren Sie sich jetz über unsere Abo Prämien. Unser Prämienabo mit einer reichhaltigen Prämienauswahl! Für die Vermittlung eines Zeitschriftenabos erhält der Werber eine von über 300 wertvollen Prämien! Stöbern Sie in unserem reichhaltigen Prämienangebot und suchen Sie sich Ihre Wunschprämie aus. Ein kleiner Auszug aus der Liste der Prämien: Bargeld mit bis zu € 170,-, Cinemaxx Kino-Gutscheine, Douglas-Gutschein über € 40,-, OTTO-Gutschein über € 40,-, Reise-Gutschein über € 50,-"

Bezahlte Inhalte? Gerne doch - mit einer Barprämie, einem Kofferset, einer Kaffemaschine...

Dienstag, 1. Dezember 2009

Buchhandel hat Zielkäufer ans Internet verloren

Als Ergänzung zu meinem Blogbeitrag zum Thema Zukunft des Buchhandels: Daniel Lenz vom Buchreport mailte mir gerade den Link zu einer neuen GFK-Studie. danach wandern die Zielkäufer, also jene, die wissen, was sie wollen, in das Internet ab. Dem Handel bleiben die Spontankäufer:
  • "Über 50 Prozent der Buchumsätze in den großen Buchhandlungen sind beim Betreten des Geschäfts so nicht geplant. Der wichtigste Kaufgrund für ein Buch ist die spontane Entscheidung im Geschäft.
  • Bei Amazon hingegen sind 70 Prozent der Ausgaben vorher geplant. Die Konsumenten wissen, was sie kaufen wollen und geben als wichtigsten Kaufgrund inhaltliche Aspekte an (Thema des Buches interessiert mich, ich mag das Genre, sammle die Serie, bin Fan usw.)."


Allerdings stellt sich hier die Frage, wie gut sich diese im Handel beraten und betreut füllen, welche Kaufimpulse gesetzt werden etc. Spannende Zeiten...