Die Ösis sind uns voraus - Sie haben schon eine Medienmesse. Zwar sehr klein (120 Aussteller) und mit einem Werbefokus ("Fachmesse für Marketing, Werbung, Medien und Kommunikation"), aber mit dem richtigen Titel - Medienmesse eben.
Wir in Deutschland hingegen gliedern unseren Medienmarkt weiterhin hübsch nach Medien: Zeitschriftentage, Onlineevents - und eben die Buchmesse. Jürgen Boos, der Messedirekter, stellt fest: "Diese Messe wird die experimentierfreudigste, die es je gab. Die Frage, wie wir mit digitalen Inhalten Geld verdienen können, treibt alle um“. Jetzt sei die Zeit reif für neue Ideen und Geschäftsmodelle – ob off- oder online, mobil oder stationär.
Genau: So sieht eine Medienmesse aus.
Aber was erwartet uns in Frankfurt? Wird dort das Thema der mehrmedialen Medienprodukte tatsächlich fokussiert? Immerhin, es gibt eine Reihe von Fenstern in die digitale Gegenwart und Zukunft, das Forum Innovation zum Beispiel, oder das Forum Zukunft des Börsenvereins, oder den ganz neuen weiss:raum, oder die jungen Blogger, und natürlich die interessante TOC Konferenz am Messevortag.
Das sind alles wunderbare Angebote, jedoch mehr für Spezialisten. Wir erinnern uns an die Buchmesse 2008: Das Hypethema E-Book kam quasi über Nacht, nur wenige waren darauf vorbereitet, E-Books mussten auf der Messe gesucht werden. In Halle 4.2, wo auch wir unseren Stand hatten (und wieder haben), gab es nur ganz wenige Dienstleister, die eine E-Book-Anwendung zeigen konnten - das waren die Könige, es bildeten sich Schlangen.
Das Thema E-Book hat vielleicht den Hypecharakter verloren, aber durch die Amazon-Kindle-Ankündigung für den 19. Oktober 2009 wieder an Aufmerksamt gewonnen.
Wie wird es dieses Jahr sein? Welchen Eindruck werden wir haben, wenn wir die Hallen 3, 5 oder 6 betreten? Genau, es wird wieder eine klare Buchmesse sein.
Macht es Sinn, werden jetzt erfahrene Messebesucher fragen, dem Thema E-Publishing einen eignen Fokus zu geben? Wir erinnern uns: Es gab da Mal eine eigene Halle nur für die E-Produkte. Erst ein Erfolg, dann ein Flop, weil die Verlage ihre E-Aktivitäten wieder in ihre Hauptstände integriert haben. Das war eine vollkommen logische und richtige Entwicklung. Verlage sind mehrmedial und sollten das auch ihren Kunden zeigen. Diese Uhr kann nicht mehr zurückgedreht werden.
Und dennoch: Was bei den Verlagen passiert (am deutlichsten bei den Fachverlagen, jetzt aber auch sehr klar bei den Special Interest- und Publikumsverlagen), sollte von der Buchmesse noch viel stärker thematisiert und auch gezeigt werden. (Buch)Verlage sind moderne Medienunternehmen, die ein vielfältiges Produktangebot haben und dieses immer stärker mehrmedial vermarkten. Bücher und Zeitschriften sind, mehrmedial interpretiert, moderne, innovative, kunden- und zukunftsorientierte Medien. Nicht Kannibalisierung oder Substitution regieren, sondern Kongruenz.
Verlage erfüllen zudem gesellschaftlich eine sehr wichtige Funktion, für die Kunst, für die Unterhaltung, für den Diskurs, für die Bildung - für die Menschen. Die Buchmesse ist längst eine Themenmesse, in der sich wie in einem Brennglas alle gesellschaftlichen Entwicklungen spiegeln.
Die Buchmesse bleibt im Kern eine Buchmesse, aber sie wandelt sich zur Medienmesse. Die Marke "Buchmesse" sollte bleiben, aber die längst sichtbaren Entwicklungen sollten noch viel stärker sichtbar thematisiert werden. Und dabei geht es nicht nur um Technik, auch wenn diese Faszination ausübt und schön anfasbar ist. Es geht um die Zukunft der Medien, der Verlage, um die Rolle von Autoren und Redakteuren, von schreibenden Laien, von Communitys... um ganz große und aktuelle Themen also.
Sehen wir uns in Frankfurt? Zur Buch-, Medien-, Themen- und Communitymesse? Würde mich freuen (4.2 B 402-406).
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Montag, 5. Oktober 2009
Neue Studie zu crossmedialen Redaktionssystemen
Das Thema crossmedialer Redaktionssysteme ist ein altes Steckenpferd von mir. Seit 2002 veranstalten wir das CrossMediaForum, in dem Lösungsanbieter und Anwender über Trends und Konzepte diskutieren. Da dieser Markt sehr unübersichtlich ist, habe ich seit Jahren von einer Studie geträumt, die für Transparenz sorgt.
Die Unübersichtlichkeit resultiert vor allem daraus, dass etliche Anbieter unter dem Label "Crossmedia" (zu) viel versprechen. Ebenso erhoffen viele Anwender, auch Verlage, (zu) viel von einem Redaktionssystem und/oder gestalten ihren Auswahlprozess nicht systematisch und professionell genug.
Ich freute mich deshalb, dass im Zuge unserer Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Anwendungssysteme und E-Business der Georg-August-Universität Göttingen Frau Priv.Doz. Dr. Svenja Hagenhoff zwei Studenten begeistern konnte, eine solche Studie in Angriff zu nehmen. Ergebnis der Pionierarbeit von Sabrina Saturna und Stefan Krüger ist eine erste "Marktstudie zu Crossmedialen Redaktionssystemen", die den Markt jener Content Management Systeme, mit denen sowohl Print- als auch Onlinepublikationen gemanagt werden können, analysiert.
Die Studie beschreibt im ersten Teil Funktionsweise und zentrale Komponenten von Crossmedialen Redaktionssystemen. Im zweiten Teil wird auf Basis eines umfangreichen Kriterienkataloges der Funktionsumfang von zwölf führenden Systemen tabellarisch abgebildet. Die Studie kann so auch als Grundlage für die Bedarfsanalyse von Anwendern wie z.B. Verlagen dienen und schafft damit Transparenz in einem eher unübersichtlichen Markt.
Die Studie wird unter der Creative Commons Lizenz 3.0 veröffentlicht und kann kostenlos unter studien@hspartner.de bestellt werden. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website.
Die Unübersichtlichkeit resultiert vor allem daraus, dass etliche Anbieter unter dem Label "Crossmedia" (zu) viel versprechen. Ebenso erhoffen viele Anwender, auch Verlage, (zu) viel von einem Redaktionssystem und/oder gestalten ihren Auswahlprozess nicht systematisch und professionell genug.
Ich freute mich deshalb, dass im Zuge unserer Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Anwendungssysteme und E-Business der Georg-August-Universität Göttingen Frau Priv.Doz. Dr. Svenja Hagenhoff zwei Studenten begeistern konnte, eine solche Studie in Angriff zu nehmen. Ergebnis der Pionierarbeit von Sabrina Saturna und Stefan Krüger ist eine erste "Marktstudie zu Crossmedialen Redaktionssystemen", die den Markt jener Content Management Systeme, mit denen sowohl Print- als auch Onlinepublikationen gemanagt werden können, analysiert.
Die Studie beschreibt im ersten Teil Funktionsweise und zentrale Komponenten von Crossmedialen Redaktionssystemen. Im zweiten Teil wird auf Basis eines umfangreichen Kriterienkataloges der Funktionsumfang von zwölf führenden Systemen tabellarisch abgebildet. Die Studie kann so auch als Grundlage für die Bedarfsanalyse von Anwendern wie z.B. Verlagen dienen und schafft damit Transparenz in einem eher unübersichtlichen Markt.
Die Studie wird unter der Creative Commons Lizenz 3.0 veröffentlicht und kann kostenlos unter studien@hspartner.de bestellt werden. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website.
Freitag, 2. Oktober 2009
Neues Rechtsportal: Boorberg zeigt Potential von Web-to-Print
In meinem jüngsten Blogbeitrag hatte ich mich ausführlich mit Web-to-Print-Konzepten befasst. Jetzt lese ich in einer aktuellen Pressemeldung des Softwaredienstleisteres nbsp, dass der juristische Fachverlag Richard Boorberg mit Gesetzbuch 24 eine lupenreine Web-to-Print-Anwendung gelauncht hat.
Das Portal bietet den Usern die Möglichkeit, sich aus über 8000 Rechtsvorschriften ein individuelles Rechtswerk zusammenstellen, das dann innerhalb von 24 Stunden gedruckt und geliefert wird. Nbsp beschreibt, wie der Nutzer in nur fünf Schritten zum personalisierten Produkt gelangt: "Der Nutzer kann sich während des Bestellvorgangs entscheiden, ob er die Vorschriften gebunden oder als Austauschwerk im Sammelordner erwerben will. Dabei können die Gesetze und Vorschriften frei auf mehrere Bücher verteilt werden, das System schlägt hier die optimale Verteilung vor. Nach Personalisierung der eigenen Vorschriften mit Titel, Untertitel, aktueller Stand sowie dem eigenen Namen erfolgt die Bezahlung einfach und schnell per Kreditkarte, Bankeinzug oder Rechnung."
Web-to-Print also in Reinkultur, inklusive Personalisierung. Zudem gibt es eine digitale Komponente, denn der User kann sich per Mail über aktuelle Änderungen informieren lassen. Diese Funktion weist auch in die Richtung, in die dieses Projekt weiterentwickelt werden sollte - nämlich vom Web-to-Print- zum Web-to-Product-Ansatz. Immer mehr junge Juristen werden auch mobil auf Vorschriften zugreifen wollen. Deshalb macht es Sinn, diese Inhalte nicht nur gedruckt, sondern auch digital auszuliefern, in allen denkbaren Formaten für alle sinnvollen Plattformen. Und dort könnten Aktualisierungen direkt erfolgen, einfach durch das Downloaden einer neuen Version.
Ich bin gespannt, wie die Kundenresonanz auf dieses Angebot sein wird. Denn erstens wird sich zeigen, ob die (auch von mir immer wieder vertretene) These, dass Kunden personalisierte Produkte wollen, mehr ist als - eine These. Und zweitens werden wir sehen, ob das Printprodukt, auch wenn es personalisiert ist, in diesem Fall und für diese Kundengruppen die richtige Antwort auf (neue?) Kundenbedürfnisse ist.
Das Portal bietet den Usern die Möglichkeit, sich aus über 8000 Rechtsvorschriften ein individuelles Rechtswerk zusammenstellen, das dann innerhalb von 24 Stunden gedruckt und geliefert wird. Nbsp beschreibt, wie der Nutzer in nur fünf Schritten zum personalisierten Produkt gelangt: "Der Nutzer kann sich während des Bestellvorgangs entscheiden, ob er die Vorschriften gebunden oder als Austauschwerk im Sammelordner erwerben will. Dabei können die Gesetze und Vorschriften frei auf mehrere Bücher verteilt werden, das System schlägt hier die optimale Verteilung vor. Nach Personalisierung der eigenen Vorschriften mit Titel, Untertitel, aktueller Stand sowie dem eigenen Namen erfolgt die Bezahlung einfach und schnell per Kreditkarte, Bankeinzug oder Rechnung."
Web-to-Print also in Reinkultur, inklusive Personalisierung. Zudem gibt es eine digitale Komponente, denn der User kann sich per Mail über aktuelle Änderungen informieren lassen. Diese Funktion weist auch in die Richtung, in die dieses Projekt weiterentwickelt werden sollte - nämlich vom Web-to-Print- zum Web-to-Product-Ansatz. Immer mehr junge Juristen werden auch mobil auf Vorschriften zugreifen wollen. Deshalb macht es Sinn, diese Inhalte nicht nur gedruckt, sondern auch digital auszuliefern, in allen denkbaren Formaten für alle sinnvollen Plattformen. Und dort könnten Aktualisierungen direkt erfolgen, einfach durch das Downloaden einer neuen Version.
Ich bin gespannt, wie die Kundenresonanz auf dieses Angebot sein wird. Denn erstens wird sich zeigen, ob die (auch von mir immer wieder vertretene) These, dass Kunden personalisierte Produkte wollen, mehr ist als - eine These. Und zweitens werden wir sehen, ob das Printprodukt, auch wenn es personalisiert ist, in diesem Fall und für diese Kundengruppen die richtige Antwort auf (neue?) Kundenbedürfnisse ist.
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