Donnerstag, 13. August 2009

Die fünf Free-Konzepte

Chris Andreson, dessen neues Buch "Free" auch in diesem Blog schon Thema war, hat ein weiteres Interview gegeben, dieses Mal Zeit online. Anderson äußert sich darin zur aktuellen Paid-Debatte. Interessant ist seine kurze Beschreibung der unterschiedlichen Konzepte für kostenfreien Content. Auf Basis dieser Ideen lassen sich fünf Konzepte bzw. Zielsetzungen unterscheiden:
  1. Freemium: Diesen Begriff habe ich hier schon geraumer Zeit kurz skizziert, er beschreibt eine Mischung aus Free und Paid Content, die sich auf vielen Internetseiten findet. Grundidee: Auf Basis von freien Inhalten wird Traffic aufgebaut, daraus lässt sich eine Zahl von kostenpflichtigen Zugriffen generieren (Stichwort Konversionsrate).
  2. Free durch Werbefinanzierung: Dieses Konzept zielt auf relevante Reichweiten in vermarktungsfähigen Zielgruppen und wird von den meisten Publikumsmedien verfolgt. Das Konzept galt lange Zeit als der einzige Refinanzierungsweg, momentan werden aber auch seine Grenzen deutlich. Allerdings, auch darauf weist Anderson im Spiegel-Interview zurecht hin, sind die Möglichkeiten hier noch lange nicht ausgereizt, sondern wir befinden uns noch immer in einer Pionierphase.
  3. Marketing für Produkte und Dienstleistungen: Freier Content dient dazu, nicht webbasierte Dienstleistungen oder Produkte zu verkaufen. Letztlich ist Andersons Strategie, sein Buch online und als Hörbuch zu verschenken, eine solches Konzept, das (sehr erfolgeich) die Printverkäufe ankurbelt.
  4. Reputation: Freier Content baut die Reputation des Contentproduzenten auf. Dies geschieht i. W. im B2B-Bereich durch Blogs (wie dieses!). Der Contentproduzent schafft sich durch relevante Inhalte eine Reputation in seiner Zielgruppe und kann diese letztendlich vermarkten (durch Aufträge, Vorträge etc.). Reputation ist allerdings auch eine wichtige "Währung" im privaten Bereich.
  5. Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung: Dieses Motiv ist der zentrale Treiber hinter den privaten Web 2.0-Aktivitäten - keine kommerziellen Absichten, einfach nur das Ego des Menschen, seine Lust an der Darstellung eigener Ideen.
Free ist also nicht gleich Free - dies sollten Verlage bei der Konzeption ihrer Contentstrategie bedenken, um jeweils das passende Konzept zu wählen.

Mittwoch, 12. August 2009

Fach-, SI- und Publikumsverlage vor gleichen Herausforderungen

Früher waren die (Buch)Verlagswelten klar getrennt: Publikums- und Fachverlage hatten nicht so viele Gemeinsamkeiten. Jetzt wachsen die Welten zusammen: Die Digitalisierung und die Änderung des Mediennutzungsverhaltens betrifft alle Bereiche gleichermaßen.

Zwei aktuelle Personalmeldungen zeigen den neuen Gleichklang:
  • Der Carlsen Verlag stellt eine neue Herstellungsleiterin ein. Kirsten Matthias kommt von deGruyter und bringt auch Erfahrungen mit modernen, digitalen im Workflows kommt. Aufgabenstellung laut Börsenblatt ist, "den Herstellungsbereich für die Weiterentwicklung elektronischer Verfahrensweisen und Produktformen zu öffnen." Ein Publikumsverlag auf dem Weg in die digitale Welt, weg vom reinen Printanbieter, hin zum digitalen Zeitalter.
  • Der Beck-Verlag wiederum holt sich Marketingexpertise aus einem Publikumsverlag: "Zum 1. November wird Günter Kopietz (45) Verlagsbereichsleiter Marketing und Vertrieb des Bereichs Recht-Steuern-Wirtschaft beim Münchener Verlag C.H. Beck." (ebenfalls Börsenblatt). GU verfügt bekanntlich mit über das beste Know-how zur Führung von Marken, Beck ist eine Marke, die sich wohl als solche noch deutlicher positionieren will.
Die Themenstellungen gleichen sich also an. Ein letztes Beispiel: Publikumsverlage haben sich bisher auf Handelsmarketing konzentriert, erkennen aber schon seit einiger Zeit, wie wichtig der direkte Kontakt zum Endkunden ist. Durch das Internet wird dieser Kontakt möglich. Ein Beispiel dafür ist das Küchengötter-Portal von GU. Die zuständige GU-Managerin Betae Muschler stellt diesen Zusammenhang direkt her: "Das veränderte Mediennutzungsverhalten unserer Kunden hat ja dazu geführt, dass eine immer größer werdende Zahl an Interessenten zunächst im Internet nach einem Thema recherchiert. Durch eine entsprechende Sichtbarkeit zu diesen Themen im Internet holt der Verlag die Kunden direkt dort im Gravitationszentrum der Nachfrage ab und bindet sie durch ein qualitativ hochwertiges Angebot wie küchengötter an seine Marke. Damit erreichen wir eine große Gruppe potentiell Themeninteressierter, was z.B. bei unserem Kochportal Küchengötter.de dazu führt, dass wir einen höheren Anteil an männlichen Usern haben als bei unserem Kochbuchprogramm." (Interview mit auf dem NotizBlog des Social Media Forums).

Egal, ob Fach-, Special-Interest- oder Publikumsverlag: Die Mediennutzung der Kunden verändert sich, die Technik liefert Innovationen, alte Denk- und Geschäftsmodelle geraten ins Wanken. Der neue Erfahrungs(und Personen)austausch über die alten Marktgrenzen hinweg ist deshalb zu sehr begrüßen.