Dienstag, 22. Dezember 2009

Insolvenz als Chance: Wie Verlage sich neu erfinden können

Der Wandlunsprozess im Mediensektor ist für viele Unternehmen mehr als eine Herausforderung, einige werden diesen Change wohl nicht überleben. Die größten Einbrüche sehen wir derzeit im Tageszeitungsmarkt der USA, wo es immer mehr Insolvenzen zu verzeichnen gibt. Das Geschäft mit News ist eines schwersten, das Thema (siehe Google-Kampf, Hoffnung auf Gesetzgeber) auch längst in Deutschland angekommen (siehe Hamburger Erklärung).

Jeff Jarvis, der Internetvordenken, hat nun in einer launigen, aber richtigen Analyse beschrieben, dass eine Insolvenz eine Chance sein kann. Denn klar ist: Viele Verlage werden den notwendigen Wandel nicht aus eigenen Kräften gestalten können oder oder wollen: "Given the opportunity of market leadership and 15 years since the introduction of the commercial web and then, failing that given the opportunity of bankruptcy to change, the legacy institutions can’t bring themselves to do it for any of many reasons: It’s too expensive to change and cut back; it’s too painful to corporate valuation and ego built on size over profitability to reduce the scale of the company; it’s too difficult to shift the culture (especially after much of the best talent left with buyouts); the strategic vision just isn’t there."

Jarvis gibt eine Reihe von Empfehlungen, was Tageszeitungsverlage unternehmen können -alle laufen auf das Gleiche hinaus: Experimentieren auf Basis der neuen Internetgeschäftsmodelle:

"*staying in print but splitting up the functions of the company and outsourcing everything possible;
* investing in a widely distributed network of independent local and interest sites with the company adding value with curation and sales;
* creating a pure ad network;
* creating a very high quality product and — yes — charging a lot for it;
* creating a series of special-interest niche services and, in some cases, publications;
* creating the still mostly free but higher value craigslist with more curation for quality and more services;
* experimenting with new services for local merchants — especially those too small to ever have afforded big, inefficient newspapers — including helping them succeed through Google, Yelp, et al;
* creating citizen sales forces to scale while serving those small merchants"

Jarvis sieht die Stunde der "entrepreneurs", also der Gründer schlagen. Das sehe ich auch so. Auch bei vielen deutschen Verlagen lautet das Motto: Abwarten, mal sehen, was sich entwickelt, nur keine spekulativen Projekte und Investments, Innovationen auf Sparflame. Gerade erreichte mich ein Anruf aus einem Großverlag - Tenor: Seit drei Jahren präsentieren wir ein Konzept nach dem anderen, aber es bewegt sich kaum was, vor allem gibt es keine für die Mitarbeiter erkennbare Innovationssystematik. Erst wenn wichtige Entscheidungsträger ein Projekt für sich entdecken, gäbe es eine Umsetzungschance... So bremst man innovative Mitarbeiter aus und hält bestehende Hierarchiestrukturen aufrecht. In solchen Fällen, so bitter es klingen klingen mag, ist Jarvis Einschätzung nur zuzustimmen: Eine Insolvenz ist die Chance für einen radikalen Neubeginn - und zwar innovativ, mutig, marktgerecht und vor allem und kundenorientiert.

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