Freitag, 13. November 2009

Paid Content: Der SUV der Medienindustrie?

Die Medienwelt in der Internetökonomie ist ganz einfach: Alles ist frei, vernetzt und ohne Einschränkung wiederverwendbar - communicate, rip, mix, publish eben. Die Inhalte werden von einem Heer von Bloggern, Hobbyfotografen und sonstigen Enthusiasten erstellt, für die Bündelung zu Medienangeboten braucht es neben Maschinenintelligenz nur noch eine kleine Handvoll Festangestellter. Finanziert wird alles durch Werbung, Umverteilung (wie GEMA), Sponsoring oder Non-Profit-Geldströme (Staat, Stiftungen etc.) - aber nicht durch die Nutzer.

Dieses Modell gilt für Wikipedia, Flickr, Youtube, Chefkoch, turi2,also für Communitys und Aggregatoren. Es gilt vor allem auch für eines der erfolgreichsten Newsportale, die "Huffington Post". In einem Disput zwischen Gründerin Arianna Huffington und Springer-Chef Mathias Döpfner, wunderbar protokolliert von meedia, prallten die Welten aufeinander. Döpfner, und wer hätte das vor noch zwei Jahren gedacht!, verteidigte das bestehende Medienmodell vor allem mit der Hoffnung auf Paid Content: Gute Inhalte kosten, weil die Erstellung durch Profis kostet. Sein Vorwurf an Huffington: Dort arbeiten 2000 Blogger umsonst. Wenn Springer so arbeiten würde, hätte man eine Rendite von 80%.

Gleichzeitig rückte er die Dimensionen zurecht: "Würde die 'HuffPost' Reporter bezahlen, die in anderen Ländern investigativ recherchieren, wäre ihr Geschäftsmodell tot, mutmaßte Döpfner. Laut Schätzung von Döpfner mache die 'HuffPost' pro Jahr einen Umsatz zwischen sechs und zehn Millionen Dollar und pendle um den Break-Even. Im selben Jahr, als die 'HuffPost' gegründet wurde, habe Axel Springer eine Tageszeitung in Polen gegründet, so Döpfner. Die sei innerhalb von zwei Jahren profitabel gewesen und erwirtschafte heute mehr Profit als die 'HuffPost' Umsatz macht."

Diese Relation gilt ja insgesamt für den Vergleich von Print und Internetmedien. Selbst sehr erfolgreiche Portale wie Spiegel Online liegen in der Umsatzgröße noch weit hinter dem Printgeschäft, was auch für die meisten Special Interst- und Fachverlage gilt...

Arianna Huffington verweist in ihrer Replik schlicht auf die Nutzer, deren Verhalten sich ändere, und vergleicht die Verlage mit der Autoindustrie: "Das Verhalten vieler traditioneller Medienunternehmen erinnere sie an die US-Autoindustrie aus Detroit, so Huffington. Die hätten auch jahrelang die neuen Nutzungsgewohnheiten der Konsumenten ignoriert, weiter spritschluckende SUVs gebaut und am Ende nach Staatshilfen gerufen."

Paid Content bzw. bezahlte Medienprodukte als SUV der Medienindustrie? Hm... der Vergleich hinkt, denn die Autoindustrie kann ja den SUV durch ein smartes, ökologisches Autor erstzen. Am Ende kauft ein Kunde. Was aber machen die Verlage?

Wenn stimmt, was Frau Huffington sagt (und Wired-Chef Anerderson hat das sinngemäß auch schon mal festgestellt), bedeutet das nichts anderes als: Die bestehenden Unternehmenstrukturen von Verlagen (und anderen Medienbranchen) sind nicht mehr haltbar, die Content- und Kommunikationströme der vernetzten Nutzer werden nur noch von einer kleiner Handvoll Menschen festangestellt gemanagt...

In die Richtung scheint die Entwicklung in jedem Fall zu gehen, zumindest in den Publikumsmedien wird es wohl absehbar keine so fetten Jahre mehr geben, Personalabbau steht dort ganz oben auf der Agenda, weil die Rentabilität sinkt und sinkt.

Bestätigt hat mir diese Tendenz diese Woche ein Fachverlagsgeschäftsführer, dem, wie vielen seiner Kollegen, die (Anzeigen)Umsätze wegbrechen, ohne dass es einen ausreichenden Ersatz gäbe: "Da weiß keiner einer Antwort..."

Der eigentliche Konsolidierungsprozess scheint den meisten Verlagen noch bevorzustehen. Die Revolution der Internetökonomie steht erst am Anfang.

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