Freitag, 27. November 2009

Online muss sich rechnen - aber bitte in den alten Strukturen...

Thomas Knüwer trifft mit seinem Artikel "Wie Verlage im Internet Geld verdienen? So wie bisher" einmal mehr den Nagel auf den Kopf. Dass Onlineabteilungen oder -töchter kein Geld verdienen, diese Mantrathese der Altverleger, wiederlegt Klüwer sehr treffend mit drei Argumenentationslinien:
  1. Viele Ableger verdienen schon Geld.
  2. Viele Ableger werden, aus unternehmensinternen Gründen, arm gerechnet: "Warum aber sollten Verlagstöchter sich in diesem Fall reich rechnen? Das würde nur Sinn ergeben, sollten sie zum Verkauf aufgehübscht werden oder an die Börse gehen. Oder sie als eigenständige Unternehmen ihr Kredit-Rating heben wollen. Ansonsten versuchen sich Unternehmen aus steuerlichen Gründen eher arm zu rechnen. Meine Vermutung ist deshalb: Es geht vielen dieser Online-Töchter sogar noch besser, als diese Zahlen aussagen."
  3. Schließlich, ein treffliches Argument, können die Onlineableger nicht frei unternehmerisch agieren, sondern nur innerhalb bestehender Strukturen, was kein Start-up akzeptieren würde (ich erinnere mich hier an die Ausführungen von Julia Jäkel zu den Kostenstrukturen von Chefkoch.de im Vergleich zu denen von Gruner und Jahr...): "Wenn Online-Töchter eigenständig agieren sollen, dann muss man ihnen auch die Freiheit dazu geben. Das bedeutet, sie suchen sich aus, wo sie ansässig sind, wie sie arbeiten, welche Dienstleister sie nutzen und welche Texte sie ankaufen – sie müssen in der Lage sein, externe Angebote internen vorzuziehen. Diese Freiheiten hat keine mir bekannte Verlagstochter. "
Bei Lichte betrachtet, so Knüwers erstaunliches, aber nachvollziehbares Fazit, stützt das innovative Neugeschäft, ein zartes Pflänzlein, das (meistens sinkende) Altgeschäft: "Wer von Online-Töchtern aber verlangt, sie müssten sich vollständig selbst tragen (und das am besten auch noch vom ersten Tag an – welches Verständnis von Marktwirtschaft!), sorgt für eine falsche Ressourcenallokation im eigenen Unternehmen. Das alte wird zu Gunsten des neuen gefördert."

Wenn das die Innovations- und Unternehmeskultur in Verlagen ist - haben Sie in der Tat verdient, was mit ihnen gerade passiert.

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