Montag, 2. November 2009

Kleines Paid Content-Update: Ware Inhalt, wahre Kunden?

Gerade stelle ich fest, dass ich länger nichts zum Thema Paid Content gepostet habe - und das zu unrecht: Denn Paid Content scheint nun in die vierte Phase einzutreten: erst abgekanzelt, dann rehabilitiert, dann angekündigt - und jetzt umgesetzt, und zwar in den Publikumsmärkten.

Ich möchte drei aktuelle Beispiele und eine grundlegende Entwicklung nennen:
  1. Augsburger Allgemeine plant Paid Content, wie media berichtet: "Der Augsburger Verleger Andreas Scherer hat die am Mittwoch beginnenden 23. Medientage München mit einem Appell für Online-Bezahlung und staatliche Unterstützung angeheizt. 'Wir sind gerne bereit, unseren Zeitungsabonnenten unsere Online-Dienste ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung zu stellen', erklärte Scherer. 'Es ist aber nur fair und richtig, diejenigen Online-User, die unsere Qualitätsinhalte kostenfrei genutzt haben, an unseren Aufwendungen zu beteiligen.'
  2. Die Welt am Sonntag testet ein kostenpflichtiges E-Magazin, wählt also für ihren Paid-Ansatz eine klassische Produktmetapher, wie turi2 berichtet: "Geld für Bytes: Springers "Welt am Sonntag" geht auf der Suche nach digitalen Erlösen neue Wege. Bereits am 22. November soll erstmals ein 'WamS'-E-Mag erscheinen, das für exklusive Texte plus Multimedia-Elemente wie Videos, Animationen und Sounds 1,50 Euro pro Ausgabe verlangt. Dies berichtet der Pottblog, dem eine E-Mail aus der Entwicklungsredaktion zugespielt wurde."
  3. Die iPhoneApp als Bezahlperspektive: Lange galt Mobile Publishing nur als Hoffnungsträger, weil Kunden ja das Bezahlen gewohnt sein. Durch das iPhone scheint sich diese Hoffnung einzulösen, denn im Appstore werden gegen Bares millionenfach Applikationen heruntergeladen. Wie turi2 meldet, wollen diesen Trend vermehrt sich auch Medienunternehmen nutzen: "Die 'Süddeutsche' will weniger Artikel online stellen und zudem, ebenso wie Springers 'B.Z.', für eine iPhone-App Geld verlangen. 'Wir müssen mit dem bodenlosen Verschleudern unserer Inhalte aufhören', begründet sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs die Bezahl-Offensive. Die iPhone-App 'SZ Gold' soll ab Mitte November für 1,59 Euro pro Monat weitreichenden Zugriff aufs Angebot der 'SZ' bieten. Die normale Homepage soll künftig deutlich weniger Inhalte aus der gedruckten Zeitung kostenlos online bringen. Auch Springer macht seine Ankündigung wahr, für mobile Inhalte künftig Geld zu verlangen. Für die einmalige Zahlung von 79 Cent sollen Nutzer per iPhone Zugriff auf alle Fotogalerien und Artikel der Boulevardzeitung "B.Z." erhalten."
Mit einem ganz anderen, aber sehr modernen Paid-Modell beschäftigt sich Technium-Blogger Kevin Kelly - und zwar mit der Wiederkehr des alten Verlegermodells der Subskription, ein Verfahren, das im 17. Jahrhundert eingeführt wurde, um, wie in Wikipedia zu lesen ist, "das Erscheinen von Werken, die höchstwahrscheinlich aufgrund ihres speziellen Inhalts, ihrer künstlerischen Gestaltung oder aber aufgrund ihres geplanten Umfangs nur schwer verkäuflich sein würden, zu ermöglichen."

Unter der Überschrift 1,000 True Fans beschreibt Kelly Projekte, bei denen Künstler, Autoren und Musiker sich direkt von Fans unterstützen lassen und so ihren Lebensunterhalt verdienen können: "A creator, such as an artist, musician, photographer, craftsperson, performer, animator, designer, videomaker, or author - in other words, anyone producing works of art - needs to acquire only 1,000 True Fans to make a living." Kelly sieht hier eine Chance für alle Künstler, die keine Stars mehr werden und die deshlab nicht mehr von den (Buch- und Musik)Verlagen verlegt werden: "I am suggesting there is a home for creatives in between poverty and stardom. Somewhere lower than stratospheric bestsellerdom, but higher than the obscurity of the long tail. I don't know the actual true number, but I think a dedicated artist could cultivate 1,000 True Fans, and by their direct support using new technology, make an honest living. I'd love to hear from anyone who might have settled on such a path".

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