Donnerstag, 22. Oktober 2009

Eine kleine Messebilanz: Buch bleibt Buch...?

Bevor die Messenachwoche schon wieder vorüber ist, möchte ich kurz eine kleine Messebilanz ziehen. Die Fachpresse (wie z.B. das Börsenblatt in seiner aktuellen Ausgabe), aber auch die Messe selbst, haben eine positive Bilanz gezogen. Zurecht: Denn im Gegensatz zu vielen anderen Branchen geht es der Buch- und Fachverlagsbranche gut. Trotz einiger Absagen von Feten spüren vor allem die Publikumsverlage nichts von der Krise, einige baden sogar in Rekordverkäufen.

Die Buchmesse sah deshalb so aus wie immer - wie eine Buchmesse eben: Hallen voller Bücher, voller Autoren, Verlagsmanager und Presseleute. Bücher im Gespräch... Dieser Teil des Buchmarktes funktioniert wie immer - und kann es sich leisten, einen Megaseller wie Dan Browns Sakrileg nur gedruckt auszuliefern. E-Book? Machen wir später, sagte Herstellungsleiertin Andrea Tenorth von Lübbe bei einem Buchrport-Podiumsgespräch. In Deutschland entgehen einem Verlag ohne digitale Ausgabe offenbar keine Umsätze...

Diese Aussage gilt in Deutschland für die Belletristik, für das Kinder- und Jugendbuch, aber nur noch schon eingeschränkt für die Segmente Ratgeber, Fachbuch und Wissenschaftspubklikationen. Hier sind die Auswirkungen der Digitalisierung viel stärker spürbar.

Für Briten und Amerikaner ist das schon nicht mehr vorstellbar - das wurde auf der TOC Konferenz des O'Reilly-Verlages am Messevortag mehr als deutlich. In diesen Ländern ist E-Book kein Hype, sondern Realität. In Deutschland, so merkte es ein Refernet zu recht an, wird über Innovationen viel geredet, aber eher wenig ausprobiert und umgesetzt. Bei uns glaubt man den Erfolgsgeschichten nicht richtig, die z.B. von Andrew Savikas von O'Reilly Media erzählt werden: In seinem Vortrag beschreibt er - mit Zahlen - die Erfahrungen in seinem Verlag mit E-Books und Smartphone-Apps. Folgende Grafik der USA-E-Book-Umsätze wurde mehrfach gezeigt:


Wie machen die Amerikaner das? Ist das nur Technikbegeisterung? Die Erfolgsfaktoren für E-Books sind einfach - und nochmals gebündelt auch in folgender Grafik nachzulesen, die von Ann Betts (Nielsen Book) auf der TOC präsentiert wurde:

Überhaupt das E-Book - zwar wieder Hype, aber doch viel abgeklärter als 2008. Leider gab es, wie 2008, wieder keine E-Medien-Fläche, auf der Fachbesucher ohne detaillierte Kenntnisse Geräte anschauen und Inhalte ausprobieren konnten...

Google: Vom Scanner zum Publisher

Eines der spannendsten Themen für mich war die Präsentation des neuen Angebots "Google Editions" auf der TOC Konferenz, mit denen der Suchriese zum einen sein Buchprogramm monetarisieren, zum anderen in direkte Konkurrenz zu Amazon treten möchte. Das Konzept: "The books bought from Google, and its partners, would be accessible on any gadget that has a Web browser, including smartphones, netbooks and personal computers and laptops. A book would be accessible offline after the first time it was accessed. Google will collect 55 percent of the profits, Turvey said, giving a "vast majority" of that to retailers, and the rest will go to the publisher."

Mitmachen können alle Verlage, die am Partnerprogramm teilnehmen. Und, im Unterschied zur hier zitierten Presseankündigung, wurde in Frankfurt auch die Lieferung von gedruckten Büchern angekündigt (und zwar in Zusammenarbeit mit dem weltweit führenden BoD-Anbieter Lightning Source). Womit Google zum einen zu einem der größten Buchshops wird, und zum anderen das Trendthema Self Publishing weiter nach vorne bringt...

Von der Buch- zur Medienmesse

Unter der Buchoberfläche läuft in Frankfurt in vielen Segmenten längst eine Medienmesse, sichtbar vor allem bei Fachverlagen wie Springer, Weka, Haufe oder de Gruyter, die ihre Messestände auch schon entsprechend umgebaut haben. Bücher und Zeitschriften sind Teil eines Medienmixes, der zunehmend durch Online und Mobile ergänzt und auch abgelöst wird.

Die neue Medienwelt hat im Marketing längst einzug gehalten - noch nie gab es so viele Veranstaltungen zu den Themen Twitter, Blogs und Communities. Immer mehr Verlage und Buchhandlungen nutzen diese neuen Kommunikationskanäle, um direkt mit ihren Lesern in Kontakt zu treten.

Mein Fazit: Eine Branche im Aufbruch, in einigen Bereichen optimistisch und kerngesund, in anderen (Special Interest, Fachverlage) auch kerngesund, aber doch deutlich verunsichert... Und alle sehr an Informationen zu Innovationen interessiert.

PS: Die Suche nach "neuen" Geschäftsmodellen wurde auch in Frankfurt intensiv fortgesetzt. Ich hatte mir als Aufgabe gesetzt, diesen Begriff endlich mal näher zu betrachten und sogar zu definieren. Ist das gelungen? Lesen Sie selbst (Vortragsdownload)...

Keine Kommentare: