Mittwoch, 7. Oktober 2009

Auf nach Frankfurt! Zur Buchmesse? Oder zur Medienmesse?

Die Ösis sind uns voraus - Sie haben schon eine Medienmesse. Zwar sehr klein (120 Aussteller) und mit einem Werbefokus ("Fachmesse für Marketing, Werbung, Medien und Kommunikation"), aber mit dem richtigen Titel - Medienmesse eben.

Wir in Deutschland hingegen gliedern unseren Medienmarkt weiterhin hübsch nach Medien: Zeitschriftentage, Onlineevents - und eben die Buchmesse. Jürgen Boos, der Messedirekter, stellt fest: "Diese Messe wird die experimentierfreudigste, die es je gab. Die Frage, wie wir mit digitalen Inhalten Geld verdienen können, treibt alle um“. Jetzt sei die Zeit reif für neue Ideen und Geschäftsmodelle – ob off- oder online, mobil oder stationär.

Genau: So sieht eine Medienmesse aus.

Aber was erwartet uns in Frankfurt? Wird dort das Thema der mehrmedialen Medienprodukte tatsächlich fokussiert? Immerhin, es gibt eine Reihe von Fenstern in die digitale Gegenwart und Zukunft, das Forum Innovation zum Beispiel, oder das Forum Zukunft des Börsenvereins, oder den ganz neuen weiss:raum, oder die jungen Blogger, und natürlich die interessante TOC Konferenz am Messevortag.

Das sind alles wunderbare Angebote, jedoch mehr für Spezialisten. Wir erinnern uns an die Buchmesse 2008: Das Hypethema E-Book kam quasi über Nacht, nur wenige waren darauf vorbereitet, E-Books mussten auf der Messe gesucht werden. In Halle 4.2, wo auch wir unseren Stand hatten (und wieder haben), gab es nur ganz wenige Dienstleister, die eine E-Book-Anwendung zeigen konnten - das waren die Könige, es bildeten sich Schlangen.

Das Thema E-Book hat vielleicht den Hypecharakter verloren, aber durch die Amazon-Kindle-Ankündigung für den 19. Oktober 2009 wieder an Aufmerksamt gewonnen.

Wie wird es dieses Jahr sein? Welchen Eindruck werden wir haben, wenn wir die Hallen 3, 5 oder 6 betreten? Genau, es wird wieder eine klare Buchmesse sein.

Macht es Sinn, werden jetzt erfahrene Messebesucher fragen, dem Thema E-Publishing einen eignen Fokus zu geben? Wir erinnern uns: Es gab da Mal eine eigene Halle nur für die E-Produkte. Erst ein Erfolg, dann ein Flop, weil die Verlage ihre E-Aktivitäten wieder in ihre Hauptstände integriert haben. Das war eine vollkommen logische und richtige Entwicklung. Verlage sind mehrmedial und sollten das auch ihren Kunden zeigen. Diese Uhr kann nicht mehr zurückgedreht werden.

Und dennoch: Was bei den Verlagen passiert (am deutlichsten bei den Fachverlagen, jetzt aber auch sehr klar bei den Special Interest- und Publikumsverlagen), sollte von der Buchmesse noch viel stärker thematisiert und auch gezeigt werden. (Buch)Verlage sind moderne Medienunternehmen, die ein vielfältiges Produktangebot haben und dieses immer stärker mehrmedial vermarkten. Bücher und Zeitschriften sind, mehrmedial interpretiert, moderne, innovative, kunden- und zukunftsorientierte Medien. Nicht Kannibalisierung oder Substitution regieren, sondern Kongruenz.

Verlage erfüllen zudem gesellschaftlich eine sehr wichtige Funktion, für die Kunst, für die Unterhaltung, für den Diskurs, für die Bildung - für die Menschen. Die Buchmesse ist längst eine Themenmesse, in der sich wie in einem Brennglas alle gesellschaftlichen Entwicklungen spiegeln.

Die Buchmesse bleibt im Kern eine Buchmesse, aber sie wandelt sich zur Medienmesse. Die Marke "Buchmesse" sollte bleiben, aber die längst sichtbaren Entwicklungen sollten noch viel stärker sichtbar thematisiert werden. Und dabei geht es nicht nur um Technik, auch wenn diese Faszination ausübt und schön anfasbar ist. Es geht um die Zukunft der Medien, der Verlage, um die Rolle von Autoren und Redakteuren, von schreibenden Laien, von Communitys... um ganz große und aktuelle Themen also.

Sehen wir uns in Frankfurt? Zur Buch-, Medien-, Themen- und Communitymesse? Würde mich freuen (4.2 B 402-406).

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