Donnerstag, 10. September 2009

Paid Content: Jetzt geht's los!

Jüngst hatte ich, ob all der Paid-Content-Ankündigungen, die Medienunternehmen zu Taten aufgefordert. Aktuelle Meldungen zeigen, dass es jetzt wohl wirklich losgeht. Im Fachinformationsmarkt rollt der Bezahlzug ja schon lange (mit mehr oder weniger Erfolg...). Jetzt folgen die Publikumsverlage.

Matthias Döpfner, dessen Springer-Konzern beim Paid-Thema gerade eine wahrlich erstaunliche 180-Grad-Kehrtwende vollzieht, kündigt in einem FAZ-Interview an, man wolle Geld nicht nur für Gewinnspiele, sondern für journalistischen Content: "Die Leser haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie bereit sind, für wirklich attraktive Inhalte Geld zu bezahlen. Qualität, geistige Wertschöpfung haben ihren Preis. Warum soll das in der digitalen Welt plötzlich anders sein? Entscheidend ist nur, dass wir unsere Angebote wirklich aus Sicht des Lesers gestalten. Bevor man über Bezahlmodelle nachdenkt, muss man beantworten, warum der angebotene Journalismus attraktiv, unverwechselbar und unverzichtbar ist. Das haben wir in den letzten Wochen vor allem mit einer Überarbeitung unserer mobilen Angebote getan. Sämtliche Inhalte auf Smartphones werden wir auf Dauer gegen Gebühr anbieten. Das mobile Endgerät, das Handy, kann am ehesten die Zeitung der Zukunft sein. Für das iPhone von Apple entwickeln wir sogenannte Apps, also kostenpflichtige Angebote, über die man dann welt.mobil, bild.mobil oder computerbild.mobil bezahlt und quasi abonniert. Im Herbst gehen wir damit auf den Markt."

Der archimedische Punkt für die Zahlungsbereitschaft: Qualität, Exklusität, Kundennutzen... Ob dieses Modell, das in vielen Bereichen der Fachinformation schon funktioniert, auch im Nachrichten-Markt funktioniert - abwarten.

Skeptiker gibt es genug, und eine aktuelle Studie der EU zeigt die ablehnende Haltung der Nutzer. Kurioserweise hat am Jahresanfang der Handelsblattblogger Thomas Klüwer ausführlich begründet, "Warum Paid Content für Zeitungen nicht funktioniert" - jetzt ist ausgerechnet dieses Medium Vorreiter für Bezahlinhalte, wie werben & verkaufen unter der Überschrift "Handelsblatt plant Paid-Content-Offensive" meldet: "Mit der Umstellung auf das Tabloid-Format Anfang November ändert sich die Vermarktung der gesamten "Handelsblatt"-Familie. Im Online-Geschäft wollen die Düsseldorfer verstärkt auf Paid Content setzen. Dazu zählt nicht nur die verstärkte Vermarktung des hauseigenen Archivs. Zum Print-Abo gesellen sich zum anderen neue Digitalmodelle mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten. So ist künftig etwa auch das E-Paper-Abo mit Extra-Angeboten erhältlich, als weitere Alternative gibt es ein 'Online-only'-Abo mit Premium-Inhalten. Letzteres liegt preislich voraussichtlich zwischen zehn und 20 Euro pro Monat. "

Die Zeitungsverlage erhalten, wie die Buchverlage, demnächst Unterstützung vom größten Internetunternehmen der Welt: Google will auch in den Paid-Markt einsteigen. Nicht nur E-Book-Inhalte sollen über Google Books kaufbar sein, sondern auch Zeitungscontent (Dank an die Kollegen vom Buchmarkt für diese Meldung): Das The Nieman Journalism Lab schildert, auf welchem Google ab 2010 Nachrichten verkaufen möchte - mit einem ähnlichem, provisionsbasierten Geschäftsmodell wie bei den E-Books. Auf Nieman ist ein Google-Konzeptpapier downloadbar, in dem das Projekt ausführlich beschrieben wird. Google bezeichnet Paid Content zwar als zweitrangig, verglichen mit Werbeeinahmen, sieht darin ausdrücklich aber auch eine wichtige Umsatzsäule: "Google believes that an open web benefits all users and publishers. However, "open" need not mean free. We believe that content on the Internet can thrive supported by multiple business models -- including content available only via subscription. While we believe that advertising will likely remain the main source of revenue for most news content, a paid model can serve as an important source of additional revenue. In addition, a successful paid content model can enhance advertising opportunities, rather than replace them."

Die beiden Hauptanforderungen für Erfolg sind laut Google (1) der Kundennutzen und (2) ein einfaches Bezahlmodell. Das will Google liefern, die technischen Voraussetzungen hat das Unternehmen (u.a. mit dem - bisher wenig erfolgreichen - Bezahlsystem Checkout). Insgesamt will Google folgende Features bieten:
  • Single sign-on capability for users to access content and manage subscriptions
  • Ability for publishers to combine subscriptions from different titles together for one price
  • Ability for publishers to create multiple payment options and easily include/exclude
  • content behind a paywall
  • Multiple tiers of access to search including 1) snippets only with "subscription" label, 2) access to preview pages and 3) "first click free" access
  • Advertising systems that offer highly relevant ads for users, such as interest-based advertising
Wenn das Projekt startet, wird sich zeigen, ob Paid-Content in Publikumsmärkten funktioniert - denn mit Google gibt es den marktführenden Kundenzugang und eine funktionierende Technik. Die Zeiten bleiben spannend.

Google's proposal to the Newspaper Association of America

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