Montag, 31. August 2009

Autoren und Verlage: Vorbild Musikindustrie?

Die Musikindustrie, das beweisen nicht nur die zahlreichen Vorträge des Musikmanagers Tim Renner vor Verlagsmanagern (z.B. während der Buchtage Berlin - als Podcast abrufbar), dient immer wieder als (vor allem negatives) Beispiel für die Verlagsbranche. Tenor: Wie man an alten Geschäftsmodellen festhält und mit juristischen Mitteln seine Kunden vergrault...

Doch die Musikindustrie wandelt sich und kann somit auch als innovatives Beispiel dienen. Das betrifft aus meiner Sicht vor allem die neue Rollenverteilung zwischen Verlagen und Autoren - denn ähnlich wie immer mehr Musiker fragen sich immer mehr Autoren, für welche Tätigkeiten innerhalb der publizistischen Wertschöpfungskette sie noch einen verlag brauchen.

Ein Beispiel für diese Infragestellung liefert aktuell die us-amerikanische Bestsellerautorin M.J. Rose. Auf dem Blog Publishing Perspectives stellt sie die gängige Honorierungspraxis in Frage, weil nach ihrer Meinung Autoren immer mehr Leistungen in in den Bereichen Marketing und PR erbringen, für die sie nicht adäquat entlohnt würden: "Times have changed, and with them, every aspect of the publishing landscape is morphing. And from my vantage point, nowhere is it changing more than in marketing. Authors aren’t waiting and watching to see what publishers aren’t doing for their books — they are jumping in feet first and months ahead of their houses to make sure there’s a serious marketing and publicity effort. (...) No one walks into a bookstore and says to the clerk — 'I’d like to buy a book that I never heard of and that you never heard of.' Someone has to do the marketing and get the word out. And if that’s going to be a shared responsibility, so be it. We all have the same goal in the end. But our contracts and the way we get paid can’t remain the same. It’s time to start a new chapter."

Natürlich gibt es zu dieser Position schon eine Gegenrede eines Verlegers (Robert Miller, Verleger des neuen Imprints HarperStudio), der auf das gemeinsame Interesse von Verlagen und Autoren am Verkauf der Bücher verweist. Doch so einfach lässt sich der Vorschlag nicht abwehren, denn nach meiner Meinung spricht Frau Rose hier die grundsätzliche Frage nach der Arbeitsteilung zwischen Verlagen und Autoren und den darauf basierenden Vertragsvereinbarungen an.

Früher war die Welt einfach - Autoren bekamen einen Verlagsvertrag, der zwar in Details zwischen Verlagen variiert, aber stets auf der gleichen rechtlichen Grundkonstruktion basierte: Es wurden definierte Nutzungsrechte abgetreten. Hier kommt die Musikindustrie ins Spiel, die eine wesentlich differenziertere Palette an Möglichkeiten ausgebildet hat. Bei der folgenden Auflistung nimmt die Zahl der durch ein Plattenlabel erworbenen Rechte stetig ab (Quelle iBusiness Executive Summary 12 - 13/2009):
  • Equity Deal: Komplettabgabe aller Rechte an ein Plattelabel
  • Standardvertrag: Nur Teile der Rechte werden abgetreten
  • Lizenzvertrag: Das Plattenlabel erwirbt keine Nutzungsrechte, sondern nur Lizenzen zum Vertrieb von Produkten
  • Profitsharing: Der Profit wird geteilt.
  • M & D Deal: Vertrag über "manufacturing and distribution", bei dem das Plattelabel nur das Recht erwirbt, ein Musikprodukt physisch zu erstellen und zu verkaufen.
  • Eigenvertrieb durch die Musiker
Auch wenn die einzelnen Stufen nicht direkt auf das Verlagsgeschäft übertragbar sind, so ist der Grundgedanke richtig: Auch im Verlagsbereich werden Nutzungsrechte nicht mehr die einzige vertragliche Währung zwischen Autoren und Verlagen bleiben. Vielmehr werden Verlage vermehrt die Rolle von Dienstleistern einnehmen, wie das auch in der Musikindustrie der Fall ist: Plattenlabels leben immer mehr von Services wie Tourneeorganisation und Merchandising.

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