Dienstag, 28. Juli 2009

Zahlt der Nutzer mit Geld oder mit Aufmerksamkeit? Woher kommt das Geld für redaktionelle Angebote?

Die Frage der Finanzierung redaktioneller Internetangebote ist nach wie vor ungelöst. Einer meiner Kunden merkte neulich an, dass ohne die Erlöse der gedruckten Medien auch das Internet ziemlich leer sein würde. Denn nach wie vor gilt: Die Printumsätze der Verlage sind um ein Vielfaches höher als die Onlineerlöse. Selbst wer im Internet schwarze Zahlen schreibt, kann damit nicht die bestehenden Redaktionen und andere Abteilungen finanzieren. Kleine, feine, schlanke und erfolgreiche Internetangebote wie Chefkoch. de oder Urbia.de zeigen den Unterschied.

Lange galt Werbefinanzierung als der Königsweg - ich habe in diesem Blog darüber oft geschrieben. Jetzt vollzieht mit Ruport Murdoch ein Vertreter der Kostenloskultur einen spektakulären Schwenk. Aus zwei Gründen: Die Werbeeinnahmen steigen nicht wie erwartet, und die Bezahlerlöse bei seinem Wall Street Journal sind eine feste, konjunkturunabhängige Größe. Laut meedia sagte Murdoch auf einer Tagung in Kalifornien: "The current days of free Internet are over." Und weiter: "If it is possible to charge for content on the web, it is obvious from the Journal’s experience. We are now in the midst of a debate over the value of content and it is clear to many newspapers the current model ist malfunctioning. We have been at the forefront of that debate." meedia rechnet damit, dass als nächstes die Times kostenpflichtige Angebote bekommen wird.

Einen ganz anderen Weg geht die Wörterbuchmarke des Bildungsverlages Klett. Dieses Marktsegment wird durch freie Angebote wie leo.org extrem bedrängt. Der Verkauf von umfangreichen Wörterbüchern befindet sich laut Klett-Vorstand Philipp Haußmann im Sinkflug, wie die FAZ in einem Hintergrundbericht erläutert: "Seit dem Jahr 2001 sei der Umsatz von Pons mit Großwörterbüchern auf ein Achtel zurückgegangen. Nur was Schüler und Touristen ins Handgepäck nehmen, verkauft sich unverändert gut. Die professionellen Nutzer aber seien im Internet, und sie seien attraktive Kunden für die Werbewirtschaft: gebildet und berufstätig."

Bei Pons glaubt man deshalb nicht mehr an kostenpflichtige Angebote im B2C-Segment: "Die Zukunft gehört der Anzeigenfinanzierung im Internet", sagt Philipp Haußmann, der vor seiner Berufung an die Klett-Spitze jahrelang für Pons verantwortlich war: "Wir hätten schon vor fünf Jahren gratis online gehen sollen." Pons wird deshalb auch ein deutsches Internetwörterbuch starten und damit direkt den Marktführer Duden angreifen - Haußmann: "Die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu pressen – das ist ein Gedanke, von dem man sich verabschieden muss."

Einen ganz eigenen Weg geht der Pons-Wettbewerber Langenscheidt: Hier wird kein Portalansatz verfolgt - es gibt weder kostenpflichtige noch kostenfreie Angebote. Langenscheidt setzt vielmahr auf digitale Verlagsprodukte, die über die eigene Website oder über Donwloadportale wie Softwareload vertrieben werden - und auf B2B-Content, der genau auf die Kunden abgestimmt wird. Der Ansatz: Für ein klar erkennbares Produkt, auch wenn es digital ist, oder für eine Dienstleistuing wird weiterhin bezahlt, für ein Internetagebot jedoch nicht.

Natürlich: Wörterbuchinhalte lassen sich nicht mit Nachrichten vergleichen. Doch beide Bereiche kämpfen mit den gleichen Veränderungen des Marktes, der Medien und der Menschen, auf die sie eine Antwort finden müssen. Wie sagte doch Dr. Frank Antwerpes, Vorstand der DocCheck AG, am 1. Juli auf der Tagung Verlag 3.0: Man habe bei null angefangen und konnte sich nur auf die Kundenbedürfnisse konzentrieren, ohne ein traditionelles Verlagsgeschäft transformieren zu müssen. Wie wahr...



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