Freitag, 31. Juli 2009

Google und die Verlagswelt: Kritische Meinungen aus der Kampfzone

Große Teile der Verlagsbranche bäumen sich gerade gegen Google auf - die Buchverlage, Autoren und einige Wissenschaftler durch den "Heidelberger Appell" (schon über 2.500 Unterzeichner!), die Zeitungsverlage in der von Springer vorangetriebenen "Hamburger Erklärung". Die Diskussion hat riesige Ausmaße angenommen - eine Branche mit großer Vergangenheit kämpft um ihren fairen Anteil an den Erlösströmen der Zukunft.

Doch nicht nur nach meiner Einschätzung wird dieser Kampf rückwärtig geführt. Die Verteidigung von Rechtsstandpunkten oder die Forderung nach einer "Kulturflatrate" sind keine geigneten Instrumente für eine Zukunftssicherung - wie auch andere Medienexperten meinen. Dazu im Folgenden einige interessante Statements.

Hugo E.Martin, kritischer Medienberater aus Berlin, sagt immer klar seine Meinung - so auch zum Kampf der Zeitungshäuser gegen Google. Im Interview mit meedia fordert er neue Geschäftskonzepte statt Abwehrkämpfe: "Im Grunde genommen geht es doch für die Verlage darum, dass die Digitalisierung das industrielle Geschäftsmodell der Medien zerstört hat und es nun gilt, ein neues Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen. Alle, die das nicht wahrhaben wollen, kämpfen gegen den Verlust von Pfründen und hoffen, damit mehr Zeit zu gewinnen und etwas weniger Federn zu lassen. Die Verbissenheit dieses Kampfes gegen Google wird geschürt aus der Erkenntnis, dass man Google einerseits braucht, um Traffic für das eigene Angebot zu generieren und andererseits das Geschäft gerne selber machen möchte. Neid gegen Erfolgreiche zu schüren, ist einfacher, als eigene Versäumnisse zuzugeben und aufzuholen. Aus meiner Sicht birgt das, was Google im Bereich News macht, nicht einmal im Ansatz die Gefahr, dass Google zum Meinungsmonopolisten wird. Bezogen auf News ist Yahoo News ohnehin wesentlich erfolgreicher als Google."

Ähnlich deutliche Worte findet Florian Felix Weyh in Bezug auf den Heidelberger Appell. Weyh nimmt genüsslich die Argumente der Google-Kritiker auseinander, vor allem im Hinblick auf die Vermarktung längst vom Markt versahwundener Bücher: "Aber wer seine Werke schon mal im Makulatur-Reißwolf hat verschwinden sehen, der weiß, dass öffentliche Präsenz die einzige Hoffnung auf ein Comeback oder eine Rehabilitation durch die Nachwelt bietet. Verlage gewähren Buchmarktversagern fast nie eine zweite Chance. (...) Google als Feind der Autoren? Momentan sieht es so aus, als schade der Konzern eher seinen Aktionären als den Urhebern. Er ist nämlich bereit, mit 60 bis 70 Dollar pro Buch eine kaum nachgefragte Ware teuer zu bezahlen, und wird von den Verwertungsgesellschaften weltweit vermutlich noch höher getrieben. (...) Nein, ich stehe nicht im Solde dieser Firma. Aber offensichtlich kann ich mich vom Selbstbetrug meiner Zunft besser freimachen als andere: Ich sehe nämlich täglich, dass ich als Leser unermesslich mehr von Google profitiere, als mir der "Raub" von Google als Autor je schaden kann. Untergangspropheten ins Stammbuch geschrieben: Das Urheberrecht ist kein Naturrecht!"

Eine kompakte und sachliche Zusammenfassung zum Thema Google Buchsuche liefert Thomas Cloerinj seinem Blog - Anlass dafür war ein Pressegespräch, das Google in München veranstaltet hat. Cloerinj plädiert für eine sachorientierte Beschäftigung mit dem komplexen Thema: "Was Google bücher betrifft, kann ich ansonsten jedem nur wärmstens empfehlen, sich dieses Google-Angebot und auch die Erläuterungen dazu einmal selbst in aller Ruhe anzusehen. Ich glaube nämlich nicht, dass das schon besonders viele Menschen getan haben. Andernfalls hätte es viele Berichte und Diskussionen in den letzten Monaten gar nicht geben dürfen."

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