Montag, 16. März 2009

Bleibt Bertelsmann ein Medienunternehmen?

Komische Frage, finden Sie? Keinesfalls. Als 2008 Hartmut Ostrowski, der Arvato-Mann, den Vorstandsvorsitz übernahm, hatten viele das Gefühl: Medien sind out, IT- und Daten-Dienstleistungen (z.B. für Kommunen) sind in. Wird aus Bertelsmann ein Super-Arvato? hatte ich deshalb etwas provokant einen Beitrag vom 20. März 2008 überschrieben und das wie folgt begründet: "Wachstumsfantasien kommen bei Bertelsmann eher aus dem Dienstleistungsgeschäft, etwa für Kommunen und Gemeinden: In England ist Bertelsmann schon als Dienstleister für einen Landkreis tätig, in Deutschland läuft ein Pilotprojekt für die Stadt Würzburg - dazu Spiegel Online: 'Die Bertelsmann-Tochter Arvato soll künftig alle Abläufe in der Würzburger Kommunalverwaltung über eine zentrale Internet-Plattform steuern. Ziel sei es, Bürgern, Unternehmen und Partnern alle Dienstleistungen der Stadt über nur eine Anlaufstelle anzubieten. Arvato und die Stadt gaben die Partnerschaft heute gemeinsam bekannt.'"

Doch diese Strategie scheint sich, kaum ein Jahr später, zerschlagen zu haben. Es war bei Bertelsmann ohnehin auffällig ruhig geworden um das Thema Dienstleistungen. Jetzt wird klar warum: Der Dienstleistungsbereich, genauer: Arvato, ist nach Jahren der hohen Umsatzrenditen in eine schwierige Phase geraten. Und verkauft mit Empolis ein Stück der Kernkompetenzen im Bereich Content Management und semantische Suche, also in Bereichen, die zukünftig in jedem Medienunternehmen eine wachsende Bedeutung haben werden. Handelsblatt online meldet dazu: "Der Medienkonzern Bertelsmann trennt sich überraschend von seiner Softwareschmiede Empolis. Der Verkauf sei aus strategischen Gründen notwendig geworden. Das bestätigte ein Konzernsprecher dem Handelsblatt. 'Wir sind kein Softwarehaus', hieß es in Gütersloh zur Begründung."

Das Handelsblatt nimmt den Verkauf zum Anlass, das Portfolio von Avarto näher zu betrachten: "Mit dem Verkauf von Empolis gibt die Bertelsmann-Tochter Arvato einen weiteren Hoffnungsträger auf. Die Druck- und Mediendienstleistungstochter soll nach den Plänen von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski zu einer Ertrags- und Wachstumsperle werden. Doch offenbar kann Arvato die hoch gesteckten Erwartungen immer weniger erfüllen. Arvato-Chef Rolf Buch hat derzeit viele Probleme zu lösen. Der Druckkonzern Prinovis mit einem Umsatz von rund einer Mrd. Euro kämpft gegen das Abrutschen in die Verlustzone. Auch die Hoffnungen auf einen Milliardenmarkt durch die Übernahme von kommunalen Dienstleistungen in Deutschland haben sich zerschlagen. 'Das Thema ist aus politischen und steuerlichen Gründen weitgehend tot', sagt ein Bertelsmann-Insider."

Bertelsmann bleibt also im Kern ein Medienunternehmen, das von Ideen, Inhalten, Entertainern und Künstlern lebt. Auch dieses Geschäftsmodell unterliegt einem Strukturwandel (Stichwort Social Media), aber das Medienunternehmen Bertelsmann kann hier auf seine Kernkompetenzen bauen.

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