Mittwoch, 4. Februar 2009

Nachtrag: Auch Bibliotheken haben keine Google-Strategie

In Ergänzung zu meinem Blogbeitrag über Google vom 03.02.2009 möchte ich kurz auf einen sehr interessanten und pointierten Artikel des FAZ-Autors Oliver Jungen hinweisen. Jungen kritisiert zunächst auch die kampfbereite Haltung der Verbände und den geplanten Einsatz der VG Wort: "Dass man die rüstige Verwertungsgesellschaft, die sonst mit drei Sorten Zetteln umgeht, vorschickt, um nach entsprechender Änderung ihres Auftrags in Amerika eine Klage durchzufechten, scheint indes so rührend wie sinnlos. Die gesamte Musikindustrie hatte keine Chance gegen die Softmoderne - und nun reitet die VG Wort in die Arena ein? Stattdessen sollte man sich lieber schnell Gedanken darüber machen, wie man mit der ohnehin nicht aufzuhaltenden Digitalisierung in Deutschland umgeht."

Danach widmet sich der Autor den Bibliotheken, die diese Einigung ja auch elementar betrifft (und die in den USA an den Verhandlungen beteiligt waren). Jungen vermisst eine klare Haltung und Strategie gegenüber Google: "Wie stehen die führenden deutschen Bibliotheken in diesem magischen Moment zum Digitalisierungsangriff durch Google? Handeln sie, solange es noch möglich ist, gute Bedingungen aus? Arbeiten sie an einem Gegenmodell? Kämpfen sie vielleicht gezielt gegen Google?" Seine Antwort: "Nichts davon. Es herrscht vielmehr eine Gemütlichkeit vor, wie sie sich aus den Zeiten des Positivismus wohl einzig in deutschen Archiven erhalten hat. Milan Bulaty, der Direktor der Bibliothek der Berliner Humboldt-Universität, hält die ganze Digitalisierungseuphorie für übertrieben: 'Als das Fax kam, dachte man ja auch, niemand schreibt mehr Briefe.' Technisch sei ja ganz faszinierend, was Google da treibe, aber Bibliotheken werde es weiter geben, stellt er klar, obwohl das gar nicht die Frage war. Eine wirkliche Meinung zu den Google-Plänen hat er nicht: 'Wir Bibliothekare sind konservativ, von Berufs wegen.' Das soll wohl heißen, man macht weiter, wie man es immer gemacht hat, und guckt in zehn Jahren noch einmal aus dem Keller heraus."

Im Kern geht es gar nicht (nur) um Google - es geht um eine übergreifende Digitalisierungsstrategie für Bibliotheken. Jungen zitiert Barbara Schneider-Kempf, die Direktorin der Staatsbibliothek zu Berlin:"Seit Jahr und Tag wird ja über digitale Bibliotheken geredet, aber es ist nichts passiert. Ich halte das Thema für abgeschlossen." Wenn diese pessimistische Einschätzung stimmt, wäre das ein echtes Armutszeugnis für das Bibliotheksland Deutschland.

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