Der Beck Verlag, ohnehin schon führend mit seiner juristischen Onlineplattform Beck online, probiert neue Formate aus. Unter dem Label "beck-blog Die Experten" wurde ein neues, kosten- und registrierungsfreies Angebot gestartet, in dem Rechtsexperten aktuelle juristische Entscheidungen und Themen kommentieren.
Eines lässt sich schon feststellen: Das Blog ist sehr lebendig, allein für den 14. Mai finden sich fünf Einträge. Das Prinzip ist immer gleich: Ein Experte, der auch namentlich genannt wird, stellt einen aktuellen Sachverhalt (v.a. Urteile und Gesetze) kurz und prägnant dar, Leser können die Beiträge kommentieren (wovon noch kaum gebraucht gemacht wird). Jeder Beitrag wird verschlagwortet, so dass ein umfangreiches Onlinearchiv entsteht. Manche Beiträge sind mit kostenpflichtigen Inhalten von Beck Online verlinkt - ein schöner Marketingeffekt für das Premiumangebot.
Grundsätzlich stellt sich beim beck-blog die Frage: Was ist eigentlich ein Blog? Wikipedia liefert folgende Definition: "Ein Blog ist ein für den Herausgeber ('Blogger') und seine Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu oftmals spezifischen Themengruppen. Weiter vertieft kann es auch sowohl dem Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrungen als auch der Kommunikation dienen. Insofern kann es einem Internetforum ähneln, je nach Inhalt aber auch einer Internet-Zeitung."
Für das beck-blog trifft eher die Beschreibung als Internetzeitung zu - es könnte auch als juristisches Newsangebot bezeichnet werden: Eine subjektive Sicht in Form von Kommentaren, Meinungen oder persönlichen Erfahrungsberichten fehlt. Beck bleibt sachlich, nachrichtenorientiert. Auch fehlt der Seite ein "Gesicht", also ein Herausgeber, dessen Handschrift der Seite eine persönliche Richtung gibt.
Das beck-blog folgt insgesamt einem Trend, den der amerikanische Investmentbanker Fred Wilson als "Freemium" bezeichnet hat. Unter der Überschrift "My Favorite Business Model" schreibt er dazu in seinem Blog : "Give your service away for free, possibly ad supported butmaybe not, acquire a lot of customers very efficiently through word of mouth, referral networks, organic search marketing, etc, then offer premium priced value added services or an enhancedversion of your service to your customer base." Beispiele hierfür gibt es viele - von Xing über Chefkoch.de bis hin zu Beck jetzt. Wenn sogar ein juristischer Fachverlag, der bis dato seine Inhalte nur kostenpflichtig zugänglich gemacht hat, dem Freemium-Trend folgt, zeigt dies die Dynamik dieses Geschäftsmodell (mehr dazu in einem späteren Blogeintrag).
In diesem Blog kommentiere ich aktuelle Entwicklungen in der Verlags- und Medienbranche - vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung und den Wandel der Mediennutzung.
Donnerstag, 15. Mai 2008
Dienstag, 13. Mai 2008
Klopotek-Tagung: Verlage im Wandel!
Selten wurde der Wandel in den Verlagen so sichtbar wie beim 5. Forum Herstellung im Verlag der Berliner Softwarefirma Klopotek. Durchgehender Tenor der Vorträge und Workshops: Verlage wandeln sich von Produktanbietern zu mehrmedialen Content- und Community-Providern. Herausforderung für die Herstellung: Inhalte in allen Varianten und medialen Formen zur Verfügung stellen, digitale Workflows ermöglichen, dazu die Automatisierung und Standardisierung so weit wie möglich vorantreiben.
Während der Tagung gerieten Themen in den Fokus, über die schon seit Jahren diskutiert wird - bisher allerdings wegen der abwartenden Haltung von Verklagen zumeist erfolg- und folgenlos:
Verlage müssen mutiger sein, auch wenn neue Produkte und Angebote noch kein funktionierendes Geschäftsmodell aufweisen können. Ralf Szymanski, Geschäftsführer der Directmedia Publishing GmbH, berichtete, wie sich sein Unternehmen im Herbst 2007 entschlossen habe, die bisher kostenpflichtig per CD publizierten Inhalte kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen (auf zeno.org). "Das Geschäftsmodell dafür erfinden wir noch", sagte er und ermunterte die Verlage, ein "rollendes Kassenhäuschen" zu installieren, um schnell auf Trends und Kunden reagieren zu können.
Geschwindigkeit, Innovationsfreude, Kreativität, flexible Prozesse, Kundennähe, Markenbildung: Diese Stichworte zogen sich wie ein roter Faden durch Vorträge und Pausengespräche. Klopotek ist es mit dieser Tagung einmal mehr gelungen, Trends und Entwicklungen aufzuzeigen und Diskussionen anzuregen.
Während der Tagung gerieten Themen in den Fokus, über die schon seit Jahren diskutiert wird - bisher allerdings wegen der abwartenden Haltung von Verklagen zumeist erfolg- und folgenlos:
- Das E-Book erlebt eine Auferstehung erster Klasse. Alle großen Verlagsgruppen weltweit generieen standardmäßig zu jedem gedruckten ein elektronisches Buch. Es wurden hierzu Beispiele von Kluwer und Elsevier gezeigt.
- Auch das E-Paper, vorwiegend im Bereich der Tageszeitungen und Zeitschriften, wird jetzt als ein ernst zu nehmendes Medium wahrgenommen, wie Ralph Kissner von von Six Offene Systeme zeigte.
- Das personalisierte Verlagsprodukt, im Bereich der Tageszeitungen schon seit mehr 10 Jahren eine Idee, wird ebenfalls Realität: Gregor Dorsch vom Augsburger Dienstleister Syntops zeigte verschiedene Anwendungen von Individualprodukten. Verlage folgen hier einem Trend, der unter dem Schlagwort "Mass Customizitation" schon länger in anderen Branchen Anbieter findet (siehe dazu meinen Beitrag vom 29. Januar 2008).
- Bestandswahrung
- Fehlendes technisches Know-how
- Fehlendes Praxiswissen
- Zu wenig Mut und Fantasie
- Zu geringe finanzielle Möglichkeiten
Verlage müssen mutiger sein, auch wenn neue Produkte und Angebote noch kein funktionierendes Geschäftsmodell aufweisen können. Ralf Szymanski, Geschäftsführer der Directmedia Publishing GmbH, berichtete, wie sich sein Unternehmen im Herbst 2007 entschlossen habe, die bisher kostenpflichtig per CD publizierten Inhalte kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen (auf zeno.org). "Das Geschäftsmodell dafür erfinden wir noch", sagte er und ermunterte die Verlage, ein "rollendes Kassenhäuschen" zu installieren, um schnell auf Trends und Kunden reagieren zu können.
Geschwindigkeit, Innovationsfreude, Kreativität, flexible Prozesse, Kundennähe, Markenbildung: Diese Stichworte zogen sich wie ein roter Faden durch Vorträge und Pausengespräche. Klopotek ist es mit dieser Tagung einmal mehr gelungen, Trends und Entwicklungen aufzuzeigen und Diskussionen anzuregen.
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