Gerade erst überraschte Reed die Verlagsbranche mit der Meldung, dass die Fachmedien verkauft werden, dafür aber ein Datenlieferant gekauft wird (siehe dazu meinen Blogeintrag vom 22.02.2008). Jetzt kündigt sich die Neupositionierung eines weiteren Medienkonzerns an.
Nach dem Führungswechsel bei Bertelsmann stellt sich Frage, ob aus dem Medien- ein Dienstleistungskonzern, oder plakativ ein Super-Arvato wird. Der neue Vorstandsvorsitzende hat bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz Wachstums- und Renditeziele angemahnt, die wohl nur von zwei Bereichen erfüllt werden: Arvato und der RTL Group. Selbst die offizielle Konzern-Pressemitteilung verklausuliert die Unzufriedenheit mit den anderen Bereichen kaum:"Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr lag bedingt durch die Schwäche im Tiefdruckgeschäft bei Umsatz und operativem Ergebnis unter Vorjahresniveau, ebenso die Buchverlagsgruppe Random House, deren Umsatz und Ergebnis stark von der Dollarentwicklung beeinflusst war. Der Unternehmensbereich BMG gab nach dem Verkauf des Musikverlagsgeschäfts bei Umsatz und operativem Ergebnis nach. Bereinigt um Portfolioeffekte steigerte BMG sein operatives Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld von 90 auf 93 Mio. €. Die Direct Group wies 2007 einen deutlich gesunkenen Umsatz- und Ergebnisbeitrag auf; im nordamerikanischen Clubgeschäft wurde eine hohe Wertberichtigung erforderlich."
Weiter heisst es in der Pressemitteilung: "Im Zuge der neuen Wachstumsstrategie wird Bertelsmann die Mittel für Investitionen auf wachstumsstarke Geschäfte konzentrieren. Die damit verbundenen Konsequenzen für die Direct Group umschrieb Hartmut Ostrowski wie folgt: 'Wir prüfen alle strategischen Optionen, inklusive eines möglichen Verkaufs.'" Ob dies nur für die Direct Group gilt, lässt sich nur mutmaßen. Und, nebenbei bemerkt, ist doch auch fraglich, wie lange das FreeTV noch so gute Ergebnisse erzielen wird. Das klassische Fernsehen jedenfalls wird schon sehr bald genau so von den neuen Nutzungsgewohnheiten und der Allmacht des Internet betroffen wie andere Medien.
Wachstumsfantasien kommen bei Bertelsmann eher aus dem Dienstleistungsgeschäft, etwa für Kommunen und Gemeinden: In England ist Bertelsmann schon als Dienstleister für einen Landkreis tätig, in Deutschland läuft ein Pilotprojekt für die Stadt Würzburg - dazu Spiegel Online: "Die Bertelsmann-Tochter Arvato soll künftig alle Abläufe in der Würzburger Kommunalverwaltung über eine zentrale Internet-Plattform steuern. Ziel sei es, Bürgern, Unternehmen und Partnern alle Dienstleistungen der Stadt über nur eine Anlaufstelle anzubieten. Arvato und die Stadt gaben die Partnerschaft heute gemeinsam bekannt."
Damit stellen sich erneut jene Fragen, die wir im Zusammenhang mit dem Konzept vom Verlag 3.o diskutieren: Was wird aus Verlagen? Ist das klassische, contentbasierte Geschäftsmodell noch tragfähig genug für wachstumsorientierte Konzerne und deren Shareholder?
In diesem Blog kommentiere ich aktuelle Entwicklungen in der Verlags- und Medienbranche - vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung und den Wandel der Mediennutzung.
Donnerstag, 20. März 2008
Dienstag, 18. März 2008
Bewegte Zeiten mit bewegten Bildern
Bewegte Bilder im Internet, vom kleinen Handyclip bis zu ganzen TV-Sendungen, bewegen vor allem die Verlage. Nicht nur verwirrende die Begriffsvielfalt - IPTV über Webcast bis hin zu Internetclips - bereitet Verlagen Probleme. Viele Entscheider fragen mit einem leichten Entsetzen im Gesicht: "Sollen wir jetzt zum Fernsehsender werden?"
Nicht nur Youtube und Clipfish, sondern auch die Erfahrungen von Spiegel Online zeigen das Potential von Bewegtbildern im Internet: Sie haben sich zu einem der Traffictreiber überhaupt entwickelt. Allerdings erfordern sie nicht nur eine stabile technische Infrastruktur, sondern vor allem auch neues Know-how in den Redaktionen...
Beispiele für Internetfernsehen gibt es mittlerweile viele. Ein sehr einfaches, aber plausibles Konzept etwa bietet Krammer.TV, eine Video-Plattform rund um das Thema Sanitär, Heizung und Klima (SHK) der KNM Krammer Neue Medien GmbH. Hier werden in erster Linie Werbefilme von Zulieferern der SHK-Branche gezeigt, also Material, das eh vorhanden ist. Krammer.TV bietet zudem eigenproduzierte Sendungen wie ein wöchentliches Nachrichtenmagazin.
Einen sehr einfachen, aber dafür sehr plausiblen Weg geht der Medienblogger Peter Turi mit seinem "Branchenfernsehen": Zu aktuellen Themen der Medienbranche bietet er kurze und informative Interviews. Ich frage mich, warum die etablierten Branchenblätter nicht auf diese simple Idee gekommen sind. werben & verkaufen liefert dagegen 45minütige Sendungen, zwar sehr interessant, aber registrierungspflichtig und in einer Länge, die nur wenig internettauglich ist...
Bewegtbild stellt die Verlage zudem vor große Herausforderungen, und nicht alle Probleme lassen sich lösen, wenn, wie bei der Bildzeitung Kai Dieckmann, der Chefredakteur selbst mit der Videokamera unterwegs ist. Über Dienstleister wie z.B. die Hamburger TVzweinull GmbH lassen sich Technik und Know-how einkaufen, auf Dauer können dann intern die benötigten Kapazitäten aufgebaut werden. Was tatsächlich benötigt wird, und jeder Verlag nur für sich selbst entwickeln kann, sind Geschäftsmodelle. Internettraffic ist zwar schön, bringt aber noch kein Geld... Ob es das Publizieren (bezahlter) Werbefilme ist, die Vermarktung von Werbung zu Beginn des Clips oder im Umfeld - vor allem in den Special Interest- und Fachmärkten werden den Verlagen die Werbekunden nicht die Tür einrennen, sondern müssen lernen, diese neuen Marketingformen anzuwenden. Bewegte Zeiten also, in denen Verlage mehrmedial werden und auf immer neue Anforderungen reagieren müssen.
Nicht nur Youtube und Clipfish, sondern auch die Erfahrungen von Spiegel Online zeigen das Potential von Bewegtbildern im Internet: Sie haben sich zu einem der Traffictreiber überhaupt entwickelt. Allerdings erfordern sie nicht nur eine stabile technische Infrastruktur, sondern vor allem auch neues Know-how in den Redaktionen...
Beispiele für Internetfernsehen gibt es mittlerweile viele. Ein sehr einfaches, aber plausibles Konzept etwa bietet Krammer.TV, eine Video-Plattform rund um das Thema Sanitär, Heizung und Klima (SHK) der KNM Krammer Neue Medien GmbH. Hier werden in erster Linie Werbefilme von Zulieferern der SHK-Branche gezeigt, also Material, das eh vorhanden ist. Krammer.TV bietet zudem eigenproduzierte Sendungen wie ein wöchentliches Nachrichtenmagazin.
Einen sehr einfachen, aber dafür sehr plausiblen Weg geht der Medienblogger Peter Turi mit seinem "Branchenfernsehen": Zu aktuellen Themen der Medienbranche bietet er kurze und informative Interviews. Ich frage mich, warum die etablierten Branchenblätter nicht auf diese simple Idee gekommen sind. werben & verkaufen liefert dagegen 45minütige Sendungen, zwar sehr interessant, aber registrierungspflichtig und in einer Länge, die nur wenig internettauglich ist...
Bewegtbild stellt die Verlage zudem vor große Herausforderungen, und nicht alle Probleme lassen sich lösen, wenn, wie bei der Bildzeitung Kai Dieckmann, der Chefredakteur selbst mit der Videokamera unterwegs ist. Über Dienstleister wie z.B. die Hamburger TVzweinull GmbH lassen sich Technik und Know-how einkaufen, auf Dauer können dann intern die benötigten Kapazitäten aufgebaut werden. Was tatsächlich benötigt wird, und jeder Verlag nur für sich selbst entwickeln kann, sind Geschäftsmodelle. Internettraffic ist zwar schön, bringt aber noch kein Geld... Ob es das Publizieren (bezahlter) Werbefilme ist, die Vermarktung von Werbung zu Beginn des Clips oder im Umfeld - vor allem in den Special Interest- und Fachmärkten werden den Verlagen die Werbekunden nicht die Tür einrennen, sondern müssen lernen, diese neuen Marketingformen anzuwenden. Bewegte Zeiten also, in denen Verlage mehrmedial werden und auf immer neue Anforderungen reagieren müssen.
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