Die Öffnung der Archive von Focus und Spiegel (siehe meinen Beitrag vom 15. Januar 2008) befeuert erneut die Grundsatzdiskussion um "Paid Content". Einmal mehr wurden wir dazu interviewet, dieses mal vom Medienhandbuch.de. Mein Partner Ulrich Spiller macht darin die Unterschiede zwischen den verschiedenen Zielgruppen und Nutzungssituationen klar. Differenzierung tut Not. In den Publikumsmärkten ist mittlerweile beinahe jede Information (wenn auch in unterschiedlicher Qualität) kostenfrei erhältlich - dazu Ulrich Spiller: "Der Zugang zu den Inhalten dieser Archive wären manch einem in einer bestimmten Situation sicher auch Geld wert. Da er diese Inhalte aber mittlerweile häufig auch anderweitig umsonst bekommt (Qualitätaspekte stehen häufig nicht an erster Stelle), ist die Zahl dieser Situationen überschaubar. Für Publikumsmedien mit einer breiten Leserschaft scheint es in diesem Zusammenhang daher sinnvoller zu sein, möglichst viel Traffic auf der Website zu generieren, um damit die Werbeeinnahmen zu erhöhen."
Anders sieht das in Spezial- und Fachmärkten aus, vor allem, wenn zukünftig Informationen noch mehr auf den Bedarf des Informationssuchenden zugeschnitten werden. Gefragt nach den Chancen von Paid Content lautet seine Antwort: "Individualisierte und personalisierte Produkte, die es möglicherweise auch in der jeweiligen Form nur ein einziges Mal gibt (wir verwenden bei uns intern im Augenblick dafür den sicher noch diskussionswürdigen Begriff 'user generated products'). Außerdem sollte jeder Verlag mal analysieren, was er eigentlich an Content hat, der nie veröffentlicht wurde, weil z. B. der Heftumfang dies nicht zuließ oder etwas Aktuelles dazwischenkam."
Mit anderen Worten: Der Verkauf von bezahlten Inhalten oder Services erfordert nicht nur neues Denken, sondern vor allem eine erhöhte Form von Kundenorientierung. Verlage müssen sich nicht neu erfinden, sondern das, was sie immer getan haben, einfach noch besser tun: Menschen mit Informationen zu versorgen, die sie gerade benötigen.
In diesem Blog kommentiere ich aktuelle Entwicklungen in der Verlags- und Medienbranche - vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung und den Wandel der Mediennutzung.
Donnerstag, 17. Januar 2008
Dienstag, 15. Januar 2008
Archive auf, Nutzer drauf
Es war eigentlich klar, dass die Verlage sich den Erfolg von Wikipedia und anderen kostenfreien Contentportalen zum Vorbild nehmen werden. Zumal in einer Zeit, in der die Internetwerbung als einziger Bereich in diesen Dimensionen wächst.
Guter Content bietet Reichweite, und Reichweite lässt sich einfacher vermarkten als kostenpflichtige Inhalte. Die Lexikonverlage erkennen dies langsam, zum Teil nach jahrelangen Versuchen, Lexikoninhalte zu verkaufen (siehe Xipolis). Der Bertelsmann-Verlag Wissen Media baut hat deshalb zusammen mit dem Magazin Spiegel ein Wissenarchiv auf. Der Spiegel bringt dabei sein gesamtes Volltextarchiv ein - Zugang kostenlos:
"Die SPIEGELnet GmbH und die Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group (Wissen Media Verlag und wissen.de) haben ein Joint Venture gegründet und starten im Frühjahr 2008 SPIEGEL Wissen (wissen.spiegel.de), ein neues multimediales Rechercheportal im Internet. SPIEGEL Wissen greift zu auf die Inhalte des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL und von SPIEGEL Online sowie der Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher. Hinzu kommen die Einträge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. „SPIEGEL Wissen ist die intelligente Verknüpfung von redaktionellen und lexikalischen Informationen auf höchstem inhaltlichem und technischem Niveau. Erstmals wird es möglich sein, alle relevanten Informationen zu einem Suchwort aus unterschiedlichen kompetenten Quellen mit einem Klick zu finden“, so Dr. Mario Frank, Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags."
Jetzt zieht Focus nach: Unter www.focus.de/archiv kann das gesamte Archiv kostenfrei durchsucht werden (mit Ausnahme der aktuellen Ausgaben). Auch Fachverlage folgen dieser Strategie: Schon seit August 2006 hat die Computerwoche ihr Gesamtarchiv geöffnet.
Nur zur Erinnerung: Volltextarchive waren (und sind) ein hochbepreistes Produkt, Datenbanken wie GBI-Genios oder Lexis-Nexis haben darauf ihr Geschäftsmodell gebaut. Was die neue Entwicklung für sie bedeutet, wird spannend zu beobachten sein. Ihr Vorteil (noch): Sie aggregieren produktübergreifend Inhalte und bieten so eine einzigartige, teilweise nicht kostenfrei zugängliche Contentmenge. Für Firmenkunden und Fachinformationskunden sicher immer noch ein unschätzbarer Vorteil. Einzelne Nutzer, auch aus dem professionellen Umfeld, werden zukünftig jedoch immer häufiger erst mal "googeln". Das ist übrigens auch die Erkenntnis einer großen Studie, die wir 2007 zum Thema wissenschaftliche Literaturrecherche durchgeführt haben: Sogar die Forscher suchen zunächst nach der freien Information...
Guter Content bietet Reichweite, und Reichweite lässt sich einfacher vermarkten als kostenpflichtige Inhalte. Die Lexikonverlage erkennen dies langsam, zum Teil nach jahrelangen Versuchen, Lexikoninhalte zu verkaufen (siehe Xipolis). Der Bertelsmann-Verlag Wissen Media baut hat deshalb zusammen mit dem Magazin Spiegel ein Wissenarchiv auf. Der Spiegel bringt dabei sein gesamtes Volltextarchiv ein - Zugang kostenlos:
"Die SPIEGELnet GmbH und die Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group (Wissen Media Verlag und wissen.de) haben ein Joint Venture gegründet und starten im Frühjahr 2008 SPIEGEL Wissen (wissen.spiegel.de), ein neues multimediales Rechercheportal im Internet. SPIEGEL Wissen greift zu auf die Inhalte des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL und von SPIEGEL Online sowie der Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher. Hinzu kommen die Einträge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. „SPIEGEL Wissen ist die intelligente Verknüpfung von redaktionellen und lexikalischen Informationen auf höchstem inhaltlichem und technischem Niveau. Erstmals wird es möglich sein, alle relevanten Informationen zu einem Suchwort aus unterschiedlichen kompetenten Quellen mit einem Klick zu finden“, so Dr. Mario Frank, Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags."
Jetzt zieht Focus nach: Unter www.focus.de/archiv kann das gesamte Archiv kostenfrei durchsucht werden (mit Ausnahme der aktuellen Ausgaben). Auch Fachverlage folgen dieser Strategie: Schon seit August 2006 hat die Computerwoche ihr Gesamtarchiv geöffnet.
Nur zur Erinnerung: Volltextarchive waren (und sind) ein hochbepreistes Produkt, Datenbanken wie GBI-Genios oder Lexis-Nexis haben darauf ihr Geschäftsmodell gebaut. Was die neue Entwicklung für sie bedeutet, wird spannend zu beobachten sein. Ihr Vorteil (noch): Sie aggregieren produktübergreifend Inhalte und bieten so eine einzigartige, teilweise nicht kostenfrei zugängliche Contentmenge. Für Firmenkunden und Fachinformationskunden sicher immer noch ein unschätzbarer Vorteil. Einzelne Nutzer, auch aus dem professionellen Umfeld, werden zukünftig jedoch immer häufiger erst mal "googeln". Das ist übrigens auch die Erkenntnis einer großen Studie, die wir 2007 zum Thema wissenschaftliche Literaturrecherche durchgeführt haben: Sogar die Forscher suchen zunächst nach der freien Information...
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