Freitag, 19. Dezember 2008

Paid Content: Unerwartete Schützenhilfe, Teil 2

Nun auch noch Sascha Lobo, der Webguru aus dem hippen Berlin! Augenscheinlich scheint auch den Internetpionieren klar zu werden, dass eine reine Werbefinanzierung nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Eine erste, sehr unerwartete Schützenhilfe kam Anfang November vom Hamburger Werbepapst Holger Jung, der treffend feststellte: "Wir brauchen mehr Bezahlangebote im Netz brauchen, damit dort mehr Geld verdient wird" (siehe mein Blogbeitrag vom 12.11.2008). Wohl wahr, das hatten wir ja schon immer gesagt, auch in Zeiten, als sich die Gesichter so mancher Verlagsmanager beim Begriff Bezahlangebote nur verzogen.

Jetzt also Sascha Lobo, der im Interview auf turi2 sagt: "Paid Content ist nicht am Ende, sondern am Anfang". Eine Erkenntnis, die ich nur unterstreichen kann. Viele Verlage haben dieses Geschäftsmodell aufgegeben, bevor es überhaupt in Ansätzen eine Chance auf Erprobung hatte. Lobo weiter: "Eine reine Werbeabhängigkeit ist gefährlich." Auch richtig. Aber wie sollen die Nutzer zum Bezahlen gebracht werden? Lobo beantwortet diese Frage nicht wirklich - er verweist auf die Klassiker "niedrigschwellige Bezahlangebote" (also billig) und "Mehrwert", weil er glaubt: Die Nutzer wollen zahlen, wenn es Zahlenwertes gäbe.

Mehr als eine Aufforderung an die Verlage, das Thema endlich ernsthaft anzugehen, bietet Lobo nicht. Viele Verlage sind mit ihren Paid-Strategien nicht erfolgreich gewesen und haben mit Trafficvermarktung einfach mehr Erfolg (siehe die seit geraumer Zeit frei zugänglichen Spiegel-Dossiers). In den Publikumsmärkten gibt es noch ein so großes Überangebot kostenlos verfügbarer Informationen, dass es eine Bezahlstrategie sich schwer umsetzen lässt. Dennoch bin ich froh über die erneute Schützenhilfe von unerwarteter Seite. Werthaltige Inhalte sollten auch als solche vermarktet werden. Die Aufgabe der Verlage besteht darin, für Nutzer in unterschiedlichen Nutzungskontexten Inhalte und Services zu bieten, die geldwert sind. Verlage müssen dazu jedoch gewohnte Pfade verlassen und in ihre Wertschöpfung investieren. Je allgemeiner, je unspezifischer und je verfügbarer eine Information ist - desto weniger ist sie wert (übrigens auch als Umfeld für Werbekunden). Die Zukunft der Medien ist (wie ihre Vergangenheit) stark werbefinanziert - aber nicht nur! Wir stehen tatsächlich erst am Anfang.

PS: Artikel und Vorträge zum Thema Paid Content finden Sie auf unserer Website.

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