Dienstag, 25. November 2008

Zukunftssicherung in Verlagen: Markenführung, Kunden, Mitarbeiter

Die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg hatte 24.11.2008 zu einer spannenden Abendveranstaltung geladen: Unter dem Motto "Verlage auf Innovationskurs: Neue Geschäftsfelder für Content erschließen" wurde intensiv über aktuelle und zukünftige Strategien nachgedacht. Ich war kurzfristig eingeladen worden und konnte das Modell vom Verlag 3.0 vorstellen. In zwei weiteren Vorträgen wurde deutlich, wie stark Verlage sich verändern (müssen), um den Wandel der Medienbranche erfolgreich zu bestehen:
  1. Dr. Ulrike Handel, Mitglied der Verlagsgeschäftsführung Welt Gruppe / Berliner Morgenpost, erläuterte den Wandel von Zeitschriftentiteln zu Medienmarken. Die Welt Gruppe hat diesen Wandel vor allem durch zwei Maßnahmen erreicht: Definition eines Leitbildes inklusive Markenpositionierung und crossmediale Contentvermarktung. Die Redaktionen von vier Zeitungstiteln sitzen seit 2006 in einem gemeinsamen Newsroom und produzieren für alle Objekte und alle Kanäle. Auch die Werbevermarktung läuft crossmedial, gleichzeitig werden für Kunden Sonderpakete geschnürt. Eine 12köpfige Sonderredaktion liefert redaktionellen Content. Zusätzlich gibt es zahlreiche weitere Vermarktungsansätze bis hin zur Weinflasche. Die Belohnung: Die Welt Gruppe schrieb 2007 erstmals schwarze Zahlen.
  2. Aus einer ganz anderen Perspektive beschrieb Dr. Jens Stief, Chief eBusiness Officer und Prokurist beim Georg Thieme Verlag, den Wandel. Bei Thieme stehen zwei Kernthemen im Vordergrund: Erstens die noch genauere Abstimmung von Inhalten und Services auf einzelne Kundenbedürfnisse hin (Kontextualisierung) und zweitens die interne Bewältigung des Wandels vor allem im Hinblick auf die Mitarbeiter. Die Kunst liege darin, so Stief, alle Mitarbeiter (bei Thieme immerhin ca. 1000) in den Wandlungsprozess zu integriren, die schnellen und die langsamen, die innovativen und die traditionellen. Durch die starke Marke und die hochwertigen Inhalte steht Thieme weniger im Wettbewerb als eine Tageszeitung, aber auch ein Fachverlag muss heute weit mehr Wertschöpfung, also Nutzen, gegenüber seinen Kunden erbringen als früher.
Insgesamt zeigte der Abend, wie weit Verlage sich im Zeitalter der Digitalisierung schon gewandelt haben. Klar wurde jedoch auch, dass dieser Prozess erst begonnen hat. Das zeigte sich auch an den Fragen aus dem Publikum, die sich einmal mehr um die Fragen von Erlösmodellen und Umsatzhöhen drehten. Eines aber war allen Teilnehmern klar: Die Zeiten werden nicht einfacher, so leicht und so viel Geld wie zu Printzeiten werden Verlage so schnell nicht wieder verdienen...

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