Freitag, 28. November 2008

Verlagskrise? Etwas differenzierter bitte!

Die schlechten Meldungen aus der Verlagsbranche erreichen uns nun nahezu täglich und werden in den Medien selbst ausführlich diskutiert (siehe dazu u.a. den interessanten Beitrag des NDR-Magazins Zapp vom 26.11.2008). Die Meldungen beziehen sich dabei zumeist auf große Zeitungs- und Zeitschriftenverlage - von WAZ-Gruppe über Gruner und Jahr bis zur Süddeutschen, wo gerade der Bereich der Zusatzpodukte drastisch abgebaut wird.

Ich plädiere da für eine etwas differenziertere Sicht der Dinge. Zunächst einmal, da ist dem Medienwissenschaftler Horst Röper zuzustimmen, haben diese Verlage in den letzten Jahrzehnten sehr viel Geld verdient und arbeiten oft immer noch profitabel: "Wir haben es immer noch mit einer Branche zu tun, die zu den renditestärksten überhaupt zählt. Also, Verlage verdienen in aller Regel auch heute noch gutes Geld, sowohl im Zeitschriftenmarkt als auch im Zeitungsmarkt. Sie sind nur über frühere Jahrzehnte eine Verdiensthöhe gewohnt, die sie in den neuen, unter den neuen Umständen wohl so nicht mehr erreichen können. Aber sie werden lernen müssen, sich mit geringeren Verdiensten zufrieden zu geben. Offensichtlich ein schwieriger Anpassungsprozess." (Zitat aus der Zapp-Sendung).

Der Verdacht drängt sich also auf, dass jetzt Spaßmaßnahmen durchgeführt werden, die schon länger geplant waren und für die sich jetzt einfach der passende Anlass findet. Bei einigen Großverlagen soll es da durchaus Potential geben, allerdings nicht nur in den Redaktionen...

Wenn ich den Blick auf Verlage richte, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen, ergibt sich ein anderes Bild. Natürlich herrscht im Lichte der allgemeinen schlechten Nachrichten Verunsicherung, doch Krisenstimmung gibt es wenig. Klassische Buchverlage erwarten ein normales Weihnachtsgeschäft und haben, wenn sie erfolgreiche Bücher im Programm haben, ein gutes Jahr hinter sich. Fachverlage sind ohnehin unabhängiger von aktuellen Konjunkturzyklen, können allerdings branchenspezifisch auch ins Strudeln geraten (wie jahrelang im Bereich Bau).

Ganz übergreifend betrachtet könnten Anbieter von werthaltigen Inhalten und Unterhaltung sogar von der aktuellen Krise profitieren, wenn immaterielle Werte wieder wichtiger werden. Zudem verlangen turbulente Zeiten nach Orientierung, nach Bewertung und Einordnung. Das ist der Job von Medien und Verlagen. Und auch die Werbekunden der Verlage werden ihre Marketingaktivitäten nicht einstellen, im Gegenteil, sie werden den Abverkauf fördern wollen - und dafür brauchen sie leistungsfähige Kundenzugänge. Dass dabei von Imagewerbung auf performance-orientierten Maßnahmen umgeschichtet werden wird, ist sicher für manche Werbeträger ein Problem - für andere jedoch eine große Chance.

Schließlich muss auch noch bedacht werden, dass die aktuelle Wirtschaftskrise von dem Strukturwandel der Medien überlagert wird, wie Rolf-Dieter Lafrenz, GF der Beratung Schickler, in einem Interview mit dem Brancheblatt Kress betont. Insgesamt lässt sich also noch nicht einschätzen, wie 2009 für "die Verlage" werden wird. Das kann nur je nach Markt und Segment beantwortet werden. Eine Prognose jedoch fällt leicht: Werthaltige, eindeutig positionierte Medienmarken mit unverwechselbarem "Content" werden sich in der Krise bewähren - der (nicht ganz kleine) Rest bekommt Probleme.

Kommentare:

Hans-Dieter Zimmermann hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Hans-Dieter Zimmermann hat gesagt…

In der Tat ist Niemandem geholfen mit undifferenzierten und pauschalierenden Darstellungen. Leider werden in aktuellen Diskussionen zum Wandel in der Medienwelt oft 'Fronten' aufgebaut - das hilft Niemandem weiter, schon gar nicht der Sache.
(vgl. auch http://hd2cents.blogspot.com/2008/11/open-access-differenzierung-tut-not.html)