Dienstag, 4. November 2008

Pressemarkt: Eine Branche vor dem Niedergang?

Die Krise des Zeitschriftenmarktes, vor allem im Bereich der Publikums- und Special Interest-Titel, ist kein neues Phänomen. Die negative Entwicklung wird durch die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise weiter beschleunigt und gerät durch spektakuläre Meldungen aus der Verlagsbranche ins Blickfeld:
  • Gruner und Jahr kündigt an, alle Zeitschriftentitel auf den Prüftstand zu stellen, die sich nicht rechnen. Eine Meldung, die die gesamte Branche in Aufruhr versetzt, gilt G + J doch als Vorzeigeverlag mit kräftigen schwarzen Zahlen. Das Branchenblog Meedia spekuliert ausführlich über die "Todesliste": Die kritische Betrachtung betrifft stolze 12 Titel, die sich kaum oder gar nicht rechneten.
  • Der Zeitschriftenabsatz im Pressegrosso geht seit Jahren zurück, in den ersten drei Quartalen diesen Jahres nach einer Erhebung des Bundesverband Presse-Grosso um 5,03%, wie dnv online meldet. Zwar ging der Umsatz nur um 2,64% zurück, doch es stellt sich die Frage, wie lange der Rückgang der Verkaufszahlen durch Preissteigerungen zumindest teilweise kompensiert werden kann.
  • Der Rückgang der Printanzeigen in 2008 wird sich 2009 fortsetzen und kann durch eine Wanstums im Onlinebereich nicht aufgefangen werden.
Wer mit Vertriebsleitern von Zeitschriftenverlagen spricht, stößt auf eine Mischung aus Ratlosigkeit und Augen-zu-Mentalität. Die bisherigen Vertriebswege Einzelverkauf und Abonnement schwächeln nicht nur, sondern befinden sich in einer grundsätzlichen Krise. Das Internet, aber auch Zusatzgeschäfte mit Büchern oder Veranstaltungen können die wegbrechenden Umsätze des Kerngeschäfts nicht ausgleichen. Die Transformation von Zeitschriftenverlagen in Medienhäuser ist zwar auf dem Weg, doch eigentlich wissen auch die Führungskräfte nicht, wie sie zukünftig ihre in den fetten Jahren gewachsenen Strukturen finanzieren sollen.

Das Beispiel der Huffington Post macht das Dilemma der klassischen Verlagshäuser deutlich: Das Blogportal gilt zwar als "einflussreichstes Alternativmedium der USA" (Spiegel Online), wird jedoch von nur 20 Journalisten erstellt. Als Vergleich: Die New York Times beschäftigt 1.300 Journalisten (siehe dazu den Beitrag in Meedia: NYT geht das Geld aus). Wenn jetzt, wie zu erwarten, in Deutschland Journalisten arbeitslos werden, wird die Zahl der Blogger und freien Redakteure, die direkt per Internet publizieren, weiter steigen. Content wird endgültig zu einer kostenfrei zugänglichen Massenware.

Sicher: Die Strategen in den Verlagshäusern arbeiten schon seit geraumer Zeit an Zukunftsmodellen, entwickeln oder kaufen Internetportale oder erweitern ihre Printmarken in die multimediale Welt - und das durchaus mit Erfolg. Aber im Kern sind Zeitschriftenverlage noch immer Zeitschriftenverlage, denen der Umstieg in eine digitale Medienwelt mit veränderten Erlösformen mehr als schwer fällt. Kostenmanagement kann eine richtige Maßnahme sein, ist aber keine Zukunftsstrategie.

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