Freitag, 21. November 2008

Fachverlage: Von grauen Mäusen zu beneideten Medienunternehmen

Für Kenner der Verlagsszene waren Fachverlage schon immer "Hidden Champions", vergleichbar mit mittelständischen Maschinenbauern, die zwar einer breiten Öffentlichkeit unbekannt sind, aber sehr erfolgreich als Weltmarktführer in Nischen agieren. Die vdz Zeitschriftentage haben gezeigt, dass auch den Publikumsverlagen dämmert, was an Fachverlage reizvoll sein kann. Jahrezehntelang war das nicht so: Da waren Anbieter von Zeitschriften wie "bbr - Bänder, Bleche, Rohre" oder "THB - Täglicher Hafenbericht" für die Publikumsverlage skurrile Randerscheinungen, die weder Glamour noch sonst einen verlegerischen Sexappeal versprühten.

Dem staunenden Publikum erklärten die Teilnehmer der Berliner Verleger-"Elefantenrunde", wie sehr sie doch die Fachverlage beneiden würden: Klar fokussierte Zielgruppen, unverzichtbare Inhalte, oft kleine Marktsegmente mit wenig Wettbewerbern, enge Beziehungen zu Lesern und Anzeigenkunden... Fachverlage sind, wenn sie einen guten Job machen, für ihre Kunden einfach unentbehrlich. Zudem können Fachverlage auf der gesamten Klaviatur der mehrmedialen Inhalte-Vermarktung spielen.

Natürlich - auch Fachverlage sind vom Wandel der Medienlandschaft betroffen und müssen in einem veränderten Szenario ihre Existenzberechtigung gegenüber Lesern und Werbekunden beweisen. Printprodukte wie das "Loseblattwerk", mit dem Fachverlage über viele Jahre renditestarke und verlässliche Umsätze generiert haben, verlieren genau wie Tageszeitungen junge Kunden und müssen sich als crossmediale Informationspakete neu erfinden. Aber Leser, die Medien im beruflichem Kontext nutzen, werden immer verlässliche, aktuelle und auf ihre spezifischen Bedürfnisse aufbereitete Informationen (und Services) benötigen. Und wenn Fachverlage in Kundennutzen und nicht in Trägermedien denken und handeln, werden sie diesen Transformationsprozess gut bestehen können.

Ähnliches gilt auch für die Wissenschaftsverlage, die weitgehend konjunkturunabhängig ihre Inhalte an Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und forschende Unternehmen vermarkten. Natürlich - auch in diesem Segment gibt es durch die Digitalisierung und das daraus resultierende Open Access-Modell neue Herausforderungen, müssen bestehende Geschäftesmodelle überdacht und erweitert werden- was aktuell auch schon geschieht (siehe das Pilotprojekt von Springer und Max-Planck-Gesellschaft).

Im Lichte dieser Entwicklungen dürfte bei Bertelsmann so manch einer wehmütig an die Verlagsgruppe Springer Scinece + Business Media zurückdenken, die 2003 wegen Finanzbedarfs verkauft worden ist...

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