Donnerstag, 13. November 2008

Alles umsonst: Zeno.org steht zum Verkauf

"In Zukunft alles kostenlos? Verlagsstrategien für morgen" Unter dieser Fragestellung habe ich auf der Frankfurter Buchmesse im Forum Verlagsherstellung mit Verlegern und Verlagsleitern diskutiert (siehe Blogeintrag vom 24.10.2008). Key Note-Speaker und Teilnehmer war Ralf Szymanski, Geschäftsführer der Zenodot Verlagsgesellschaft mbH, die 1997 unter dem Label Directmedia Publishing die "Digitale Bibliothek" aufgebaut hat. Die Texte wurde dabei strukturiert (in XML!) erfasst. So ist nach eigener Aussage "die größte deutschsprachige Online-Sammlung historischer Lexika, literarischer, philosophischer und kulturhistorischer Texte" entstanden, die "darüber hinaus Tausende Abbildungen bedeutender Gemälde und Zeichnungen zur Verfügung (stellt)."

Das ursprüngliche Geschäftsmodell: Historisch bedeutsame Texte wurden digitalisiert und auf Offlinemedien zu sehr günstigen Preisen verkauft. Mitte 2007 wurde dieses Modell geändert: Auf der Website Zeno.org stellte der Verlag nun alle Volltexte kostenlos zur Verfügung. In seiner Key Note auf der Messe begründete Ralf Szymanski diesen drastischen Schritt mit dem Rückgang von Offlinemedien und der Perspektive, durch eine Ausweitung des Traffics eine Finanzierung über Werbung zu erreichen. Das erste Ziel konnte erreicht werden: Im Jahr nach der Umstellung erzielte die Website mehr Traffic als in den zehn Jahren zuvor.

Das zweite Ziel jedoch konnte nicht oder nicht schnell genug erreicht erreicht werden, denn die Betreiber stellen das Portal jetzt zum Verkauf - Begründung: "Unsere ursprüngliche Planung sah vor, dass wir aus den laufenden Erträgen des Projektes an der Pflege und dem Ausbau des Bestandes weiterarbeiten. Dies gelingt uns nicht." Die Werbeeinnahmen reichten nicht, "alternative Ertragsmodelle finden kaum Akzeptanz."

Alternative Modelle - damit sind sicher auch Bezahlmodelle gemeint. Es zeigt sich hier einmal mehr, dass Werbefinanzierung nicht der Königsweg für alle medialen Angebote sein kann. Möglicherweise ist ein solches Projekt auch gar nicht kommerziell finanzierbar. Mit dem Verkauf von Offlinemedien hat der Verlag 10 Jahre bestanden, im Internet bricht diese Erlösquelle weg... Vielleicht kann ein anderes Unternehmen den Traffic in Werbeeinnahmen verwandeln (dies steckt ja letztlich hinter Google Buchprojekt), aber eine Frage bleibt dennoch: "In Zukunft alles kostenlos?"

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