Freitag, 24. Oktober 2008

Frankfurter Buchmesse: Ein kurzer Rückblick


















Die Frankfurter Buchmesse 2008 feierte Besucherrekorde. Die Ursache? Ich kann nur mutmaßen - vielleicht ein neues Interesse an Werten, an Inhalten, ausgelöst durch die Finanz- und nun folgende Wirtschaftkrise... Oder waren das Thema "Digitalisierung" und der "Bedarf nach Orientierung angesichts der neuen Geschäftsmodelle und -felder" die Ursache für den Rekord, wie Messedirektor Jürgen Boos mutmaßt?

In Frankfurt jedenfalls herrschte gute Stimmung. Die Krise war nur als Frage anwesend: "Welche Auswirkungen wird das auf unser Geschäft haben? Wie stark wird der Absatz 2009 leiden?" Antworten gab es keine, dafür aber Befürchtungen und Mutmaßungen, dass der Verbrauch, sowohl im Publikums- wie im Fachmarkt, auch betroffen sein wird.

Megathemna war, wie schon vorher absehbar, dass E-Book. Doch kurioser Weise gab es kaum E-Books zu besichtigen. Die wenigen Aussteller, die E-Book-Anwendungen zeigen konnten, wurden förmlich überrannt. Ebenso alle Veranstaltungen dazu, auch bei uns im Forum Innovation (z.B. die Vorstellung des Readius der Firma Polymer Vision).

Sehr spannend für mich war eine von mir im Forum Herstellung moderierte Podiumsdiskussion zum Thema "In Zukunft alles kostenlos?" (siehe Bild, ich in der Mitte mit dem Headset). Die inhaltliche Vorlage für das Thema stammte von Ralf Szymanski, Directmedia Publishing. Das Unternehmen veröffentlicht "umfangreiche Grundlagentexte geisteswissenschaftlicher Disziplinen elektronisch" und hat sich 2007 entschlossen, diese Texte unter Zeno.org parallel zu den Offlineausgaben kostenlos im Internet zu publizieren. Die Refinanzierung soll über Werbeeinahmen erfolgen, was nach Aussage von Ralf Szymanski jedoch noch nicht gelungen ist.

Die Podiumsteilnehmer waren sich einig: Auf die Inflation kostenfrei verfügbarer Informationen können Verlage nur mit Qualität, Einzigarbeit und vor allem Service reagieren. Claudia Michalski, Geschäftführerin der Berliner Beuth Verlages (ganz rechts im Bild), betonte, auch ihr Verlagshaus müsse, trotz hochqualifiziertem Content, immer mehr Service für die Kunden bieten. Vor allem in der Zuschneidung von Informationen und Services auf den einzelnen Kunden sehen Verlage eine Chance, wie Gregor Dorsch, Geschäftsführer der Syntops GmbH, erläuterte: Sein Unternehmen entwickelt Software zur Individualisierung von Printprodukten, von der Tageszeitung bis hin zum Beileger.

Jan Weitdendorf, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Oetinger (auf dem Foto ganz links), erläuterte die Strategie für Publikumsverklage: Einmalige Inhalte bilden hier den Königsweg, die jedoch schon lange nicht mehr nur als Buch vermarktet werden. Oetinger ist ein multimedialer Verlag, der alle medialen Wege bedient.

Frankfurter Buchmesse 2008: Eine Branche im Aufbruch, in der die Verunsicherung zunimmt. Gestandende Verlagsmanager stecken die Köpfe zusammen und grübeln über "neue Geschäftsmodelle" nach... Was sie damit eigentlich meinen, da gebe ich dem Beraterkollegen Winfried Ruf, vollkommen recht, bleibt nebulös: Eine brauchbare und allgemein verwendete Definition von Geschäftsmodellen gibt es in unserer Branche nicht, und neu ist an vielen internetbasierten Geschäftsmodellen auch wenig... Aber dazu demnächst mehr.

Zum Abschluss dieser kleinen Nachmessebetrachtung mein Dank an alle Gesprächspartner für eine Messe voller Anregungen und neuen Erkenntnisse!

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