Donnerstag, 9. Oktober 2008

"Erschüttern wie ein Erbeben"? E-Book-Hype, nicht nur auf der Buchmesse

Die Meldungen zum Thema E-Book überschlagen sich förmlich. Das Branchenmagazin Buchmarkt hat E-Books sogar zum Topthema der Buchmesse erklärt: Der wie immer gut informierte Stefan Becht listet aktuelle Meldungen zum Thema auf (auf das von uns betreute Forum Innovation hatte ich ja schon hingewiesen). Der Buchreport gibt eine kurze Übersicht zu Veranstaltungen zum Thema E-Book, ebenso die Website der Buchmesse.

Einen sehr interessanten Beitrag zum Thema liefert Martin Ebel im Tagesanzeiger. Zum einen zeigt sein Beitrag, dass die Akzeptanz des E-Books in kulturkonservativen Kreisen zunimmt, wohl auch, weil immer mehr Verlagslektoren mit dem E-Book arbeiten. Zum anderen diskutiert er, und da wird es wirklich spannend, die Frage, wozu Verlage (und Buchhandlungen) im Zeitalter digitaler Medien noch gebraucht werden. Ebel merkt an: "Ein grosser Teil der Leistungen, die sie [Verlage] bereitstellen, ist nämlich beim E-Book nicht mehr nötig. Kein Drucken, kein Binden, kein Ausliefern mehr: Die physische Dimension des Handelns mit Büchern verschwindet hier völlig. Diese Leistungen müssen dann auch nicht mehr bezahlt werden, das heisst, Verlagen und Buchhandlungen entgeht ein gewichtiger Teil ihrer Einnahmen. Wenn sich das E-Book durchsetze, schätzte Hanser-Chef Michael Krüger in der FAZ, würden die Verlage auf die Hälfte ihrer Grösse schrumpfen."

Ebels Argument greift nicht gänzlich, weil er die "nichtphysischen" Verlagsleistungen (Auswahl, Aufbereitung, Packing und Vermarktung von Inhalten) nicht berücksichtigt. Doch auch hier drohen im digitalen Zeitalter, in dem jeder zum Verleger werden kann, Gefahren. In jedem Fall müssen Verlage ihre Existenzberechtigung ganz neu beweisen (siehe dazu meinen Blogeintrag vom 15.09.2008).

Mag das Szenario von Martin Ebel auch zu drastisch ausfallen, in einem hat er Recht - E-Books (und nicht zu vergessen auch E-Paper) werden die Verlagsbranche verändern: "Auch wenn es die Leser im emphatischen Sinne unberührt lässt, jene also, die in einem Stück Literatur mehr sehen als einen Datensatz (und die beileibe nicht die Mehrheit der Kundschaft ausmachen): Das E-Book wird die Buchhandelslandschaft erschüttern wie ein Erdbeben. Verlage werden sich verkleinern oder untergehen (viele beides), Buchhandlungen werden sterben, andere sich neu orientieren, ihre Stärke in Nischen suchen, in einem speziellen Angebot, in der Beratung. Oder sie chartern Busse und fahren aufs Land, zu den Lesern, die nicht umsteigen wollen."

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