Dienstag, 30. September 2008

Zukunft des Buches: Ermunterung und kritische Fragen

Über die Zukunft des gedruckten Buches habe ich schon öfter nachgedacht. Tenor: Im Gegensatz zu anderen Printmedien haben viele Bereiche des Buchmarktes eine (medizinisch ausgerückt) "günstige Prognose". Diese These wird nun von einem Onliner der ersten Stunde bestätigt. Peter Turi, jahrelang Chefredakteur und Co-Verleger des Branchendienstes "kress-report" und mit turi2 seit wenigen Jahren Betreiber eines der erfolgreiches Medienblogs, sagt im neuen Buchreport Magazin zur Zukunft des Buches: "Im Vergleich dazu (gemeint sind Zeitungen und Zeitschriften) geht’s der Buchbranche noch gold.". Turi erläutert diese Einschätzung: "Der Eilbrief, die Zeitung, das Fax, das Telegramm – alles kaum zu retten unter dem Ansturm des Internets. Auch der mit heißer Nadel gestrickte Ratgeber oder das schnell auf den Markt geworfene Promi-Buch mögen tot sein. Wer aber möchte auf eine gut gemachte Wochenzeitung, ein gekonnt bebildertes Magazin verzichten? Wer will den gut geschriebenen Reiseführer, im Liegestuhl am Urlaubsort genossen, durch ein quäkendes Navi ersetzen? Wer will den sinnlichen Genuss eines packenden Romans oder eines exzellent fotografierten Kochbuchs durch den Handy-Konsum von Spielfilmen oder Kochvideos ersetzen? Nein, auf Papier gedruckte Bücher werden nicht im großen schwarzen Loch der Digitalisierung verschwinden. Und auch nicht in Amazons Buch-iPhone Kindle. Wer es als Buchverleger schafft, den unerbittlichen Mahlstrom der Ereignisse anzuhalten, eine Emotion, einen bleibenden Wert auf Papier zu bannen, der wird überleben. Und sei es nur, weil ich das Gedruckte aufbewahren, wieder lesen, verleihen, verschenken oder vererben möchte. Buchverlegern muss dabei nicht bang sein, Zeitungsverlegern schon."

Kritische Fragen aus der Buchbranche

Eher kritische Fragen stellt dagegen Matthias Ulmer, Verleger des gleichnamigen Verlages und bekannt durch viele Aktivitäten im Branchenverband Börsenverein. Ebenfalls im Buchreport Magazin (allerdings nur in der Druckausgabe 10/2008) benennt er offen, wovon Buchverlage lange gelebt haben - was aber in Zukunft immer weniger funktionieren wird: "Wir haben jahrelang davon profitiert, dass wir Kunden Bücher verkaufen konnten, die sie nicht brauchten. Wir haben Ihnen Inhalte verkauft, die sie bereits hatten. Wir haben umverpackt und neu gelauncht und mit jeder neuen Auflage doch nur 90% der alten reproduziert, haben immer wieder die gleichen Inhalte angeboten. Wir haben Bücher verkauft, die nach einem Durchblättern weggestellt wurden. Das hat funktioniert, weil der Reiz des Materiellen existierte". Ulmer Schlussfolgerung: "In der Masse der frei und kostenlos verfügbaren Informationen müssen wir rechtfertigen, warum wir Aufmerksamkeit verdienen. Aufmerksamkeit ist die Währung, Relevanz der Wert."

Matthias Ulmer stützt hier eine These, die auch ich vertrete: Verlage müssen ihre Wertschöpfung erhören, um weiterhin im Leser- und Werbemarkt relevant zu bleiben (siehe dazu meinen Blogartikel "Wozu gibt es zukünftig noch Verlage?").

1 Kommentar:

hemartin hat gesagt…

Ob sich Peter Turi da nicht (mal wieder) irrt? Der Buchbranche geht es schon heute nicht besonders gut und wenn sie sich darauf ausruht, geht’s ihr, jedenfalls einem großen Teil der Beteiligten in produzierenden und verbreitenden Buchhandel, bald noch schlechter und gar nicht mehr...

Brechen Sie doch einmal den Buchumsatz von ca. 2,2 Mrd. Euro auf 50.000 Neuerscheinungen und Backliste herunter ... Ja, auch ich glaube das Buch wird überleben, aber viele Beteiligten werden dass nicht und zwar insbesondere die, die sich von Turi & Co in ihren Müßiggang bestätigt fühlen.

Ich habe den Betrag von Matthias Ulmer nicht gelesen, aber seine Mahnung an die Buchbranche ist doch sehr berechtigt ...