Montag, 4. August 2008

Redesign ist kein Change Management

Viele klassische Printmedien, vor allem Tageszeitungen und Zeitschriften, versuchen, durch einen Relaunch attraktiv und verkäuflich zu bleiben. Doch in den meisten Fällen ist der Relaunch lediglich ein Redesign (siehe dazu unsere Studie zu Medien-Relaunches). Wenn es um die Zukunftsfähigkeit von Printmedien geht, reicht Kosmetik nicht mehr aus, sagt der gefragte Medien-Designer Lukas Kircher von der Medienagentur KircherBurkhardt in einem sehr interessanten Interview auf turi2.tv.

Nach Kirchers Meinung geht es bei einer Überarbeitung eines Printtitels nicht nur um ein neues Design, sondern um neues Denken und Handeln im gesamten Verlag. Kicher sinngemäß: Auch Verlage brauchen Change Management, eine Managementtechnik, die in anderen Branchen seit Jahren zum Standardrepertoire gehöre. Ziel müsse es sein, die Qualität und Attraktivität der Printtitel so zu steigern, dass sie auch weiterhin ihre Existenzberechtigung behalten. Die meisten Printredaktionen hätten jedoch ihre gestalterische Kompetenz in den vergangenen Jahren abgebaut und damit auch die Qualität der Inhaltsaufbereitung - und damit letztendlich einen Teil ihrer Kernkompetenz und Wettbewerbsfähigkeit verloren.

Kircher unterstützt damit eine These von mir, nach der die Neuen Medien die Printmedien dazu zwingen, ihre Wertschöpfung zu erhöhen (siehe mein Blogeintrag zum Thema Stirbt Print?). Denn nach wie vor kommen, selbst bei modernen Medienunternehmen wie Springer (siehe dazu das Interview mit Welt-Chef Peter Würtenberger in der gedruckten Horizont v. 31.07.2008) oder dem Deutschen Fachverlag, über 90% der Erlöse aus klassischen Geschäftsfeldern.

Übrigens: Auch an der Gestaltung von Internetseiten übt Kircher harsche Kritik. Die meisten Webangeote von Verlagen seien " Usability-optimierte Textarchivmaschinen". Er vermisst kreative Angebote und deutet geheimnisvoll an, an einem Prototyp zu arbeiten. Da dürfen wir gespannt sein.

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