Freitag, 27. Juni 2008

Stirbt Print?

Zwei aktuelle Anlässe gibt es für diese Frage. Doch zunächst eine Vorbemerkung: Stirbt Print? ist eine provokante, aber keine ernsthafte Fragestellung. Dennoch erlaubt, weil immer wieder gerne diskutiert. Persönlich bin ich schon länger der Meinung, dass jedes Medium seine Berechtigung behalten wird, vielleicht nicht mehr in der gewohnten, sondern in einer veränderten Form. Die Herausforderung besteht darin, jedes Medium dem Kundenbedarf entsprechend zu konzipieren. Der Kunde ist heute cross- und multimedial unterwegs.

Für die Inhalteanbieter stehen zudem Geschäftsmodelle auf dem Spiel: Wenn Kunden für gedruckte Informationen zahlen, für online publizierte Inhalte aber nicht, ist es sicher sinnvoll, die gedruckten Produkte weiterhin zu verlegen, allerdings müssen diese ihre Existenzberichtigung - in den Augen der Kunden! - permanent neu beweisen, können also nicht die gleichen Informationen bieten wie bisher. Vermutlich muss sich die Wertschöpfung, also die Investition in Contentbeschaffung und -aufbereitung, erhöhen, und nicht (z.B. wegen zurückgehenden Anzeigenumsätzen oder Umschichtung von Kapazitäten in Richtung Internetredaktion) verringern. Pauschal lässt sich das aber auch nicht sagen - alles eine Frage des Marktes und der Strategie.

Zurück zu den Anlässen. Peter Turi, der erfolgreiche Medienblogger, diskutiert in einem launigen Interview von turi2.tv mit Kai-Hinrich Renner, dem Medienjournalisten der "Welt am Sonntag". Dabei bewerten sie die Internetaktivitäten der Medienbranchenpresse eher kritisch. Und auf die Frage "Wird es zukünftig noch gedruckte Medienzeitschriften geben" sagt Renner: Nein, das wird alles ins Internet abwandern. Also doch komplette Substitution?

"Haben Bücher eine Zukunft?" fragt eine neue Studie der Beratung PricewaterhouseCoopers. Die Ergebnisse decken sich mit denen früherer Befragungen; das Bibliothekblog aus NRW fast die Thesen so zusammen:
  • "Wer das Internet intensiv nutzt, liest auch mehr Bücher und umgekehrt.
  • Frauen lesen mehr als Männer
  • Es wird zunehmend weniger gelesen (46 Prozent der Befragten weniger lesen als früher)
  • Es findet eine Polarisierung statt: Vielleser lesen noch mehr, Wenigleser noch weniger
  • Vielleser haben meist eine höhere Bildung und sind wirtschaftlich besser gestellt als Wenigleser
  • Im Vordergrund steht der Unterhaltungs- und Entspannungsaspekt
  • Persönliche Empfehlungen spielen eine große Rolle bei der Auswahl
  • Die Lesefreude der Kinder hängt stark vom Bildungsniveau der Eltern ab, vor allem der Mutter."
Ein differenziertes Bild also. Keine Rede vom Verschwinden des Buches. Allerdings empfiehlt sich eine genauere Analyse nach Themen und Altersgruppen. So habe ich kürzlich bei einem GFK-Vortrag gelernt, dass die wunderbaren Coffee Table Books "veralten": Die Zielgruppe ist silbern, und die Jugend greift seltener danach; ähnliches gilt in Teilen auch für Sachbücher und Ratgeber.

Stirbt Print? Nur zwei Schlaglichter einer komplexen Frage. Nüchtern betrachtet gilt: Für Verlage steht nicht die Frage im Raum, ob die von ihnen produzierten Medientypen überleben, sondern wie und mit welchen Geschäftsmodellen sie auch zukünftig für ihre Zielgruppen Werte und Nutzen schaffen.

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